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Konzertberichte:
BootBooHook Festival, Hannover, 20. - 21.08.2010, Kulturzentrum Faust
26.08.2010
Details
Zum dritten Mal: Style über Größe!
Mitten in Hannover im Stadtteil Linden fand dieses Jahr zum dritten mal das kleine Festival mit dem auffälligem Namen statt, bei dem laut Programmheft „Style über Größe“ geht: Das Bootboohook. Bei der mit 5000 AbnehmerInnen ausverkauften Veranstaltung sollten zwei Tage lang „die angesagtesten Acts von heute plus die angesagtesten Acts von morgen und übermorgen, ansprechend präsentiert auf drei liebevoll gestalteten Bühnen“ auftreten, auch wenn diese Beschreibung vielleicht ein bisschen dick aufgetragen ist. Die Anwohnenden scheint es jedenfalls nicht zu stören, denn auf der Hauptbühne – der sogenannten „Blue Stage“ – spielten am 20. und 21. August noch bis um 23 Uhr lautstark Bands wie Friska Viljor , The Notwist oder Hot Chip . Auf den beiden kleineren Bühnen – der „Red Stage“ im Mephisto und der „Green Stage“ in der 60er-Jahre-Halle des Kulturzentrums Faust fand derweil das Abend- und Nachtprogramm statt.

Freitag, 20. August

Pünktlich zum Wochenende zeigt sich der Himmel gnädig und schlägt vom seit geraumer Zeit anhaltendem Regen auf bestes Sommerfestival-Wetter um, also geht es nicht mit Regenjacke und Gummistiefel, sondern in T-Shirt und kurzer Hose auf zum Festivalgelände. Die Sonne scheint bei angenehmen Temperaturen, während The Wedding Present gegen Abend als dritte Band der Blue Stage mit schrammeliger, aber zäher Gitarrenmusik die sich sonnenden Besucher und Besucherinnen beschallen. Wem das zu langweilig ist, kann sich als Ausweichsmöglichkeit schon jetzt ins Mephisto zur Red Stage begeben, wo das Hamburger Duo Hundreds auf der winzigen Bühne einen erinnerungswürdigen – wenn auch etwas leisen – Auftritt mit reduzierten, elektronischen Beats, Klavier und melancholischen, weiblichen Gesang absolvieren.

Nach diesem ersten Highlight mit beklemmender Atmosphäre, an dessen Ende die kleine Band die ZuschauerInnen für sich gewonnen und sogar ein paar Körper zum rhythmischen Zucken gebracht hat, geht es wieder raus aus dem stickigen Club, denn es spielen die Skandinavier von Friska Viljor . Die haben ihr Publikum sofort im Griff und spielen einen für Festivals perfekt geeigneten, gut gelaunten und bierseligen Mix aus Folk und Pop. Das macht so lange Spaß, bis am Ende die Stimmung zu kippen droht, ein paar Menschen im Herzen der Menge das mit dem wilden Feiern ein wenig zu wörtlich nehmen und sich die eine oder andere Aggression entlädt.

In der 60er-Jahre-Halle covert danach das offenherzige Dreiergespann Hellsongs mit Akustikgitarre, Keyboard und poppigem Gesang z.B. Lieder von Metallica, was zunächst amüsant und unterhaltsam ist, sich aber auch sehr flott abnutzt, weshalb wohl viele Leute wieder zur Hauptbühne umkehren, auf der nun The Notwist , die Headliner vom Freitag, auftreten. Die seit über 20 Jahren existierende Band aus Oberbayern gibt sich mit ihrem Mix aus Rock, Elektro und Ambient recht sperrig und lässt insbesondere zum Ende des Sets der Improvisation etwas zu viel Raum, wodurch es manchmal schwer wird, der Band zu folgen. Insgesamt bieten die Bandmitglieder dennoch einen guten Abschluss auf der großen Bühne, denn bedächtig große schwitzenMomente entwickeln, das können sie wirklich. Wer dann noch Bock hat, kann sich auf den kleineren Bühnen noch bis zum Morgengrauen Bands wie Herpes , Urlaub in Polen oder Wisecräcker anhören und -schauen.

Samstag, 21. August

Der Samstag lässt sich ebenfalls nicht lumpen und bringt mit brennenden Sonnenstrahlen die Leute vor den Bühnen zum Schwitzen. Bernd Begemann gibt sich am Nachmittag als etwas exzentrischer Entertainer, der längst nicht jedem gefallen muss, redet er doch mehr als er Lieder spielt und das, obwohl er sowieso schon eine Viertelstunde verspätet die Bühne betritt. Danach kann man es sich bei Erschöpfung oder Hunger nicht nur auf dem sehr übersichtlichen Campingplatz an der Ihme gemütlich machen, sondern auch im idyllischen Gartencafé Gretchen bei Kaffee und Kuchen. Fußballfans können hier außerdem die Gelegenheit nutzen, auf diversen Bildschirmen den Bundesligaauftakt zu verfolgen. Mit Pizza-, Crepes- oder Hot Dog-Ständen ist auf dem allgemein sehr harmonisch ablaufendem Festival für weitere Verpflegung gesorgt.

Desweiteren treten die etwas monoton aufspielenden Die Sterne auf, bei denen nur „Universal Tellerwäscher“ am Ende echte Stimmung verbreiten kann. Im Anschluss gibt es jedoch gleich zwei Highlights auf die Ohren. Zunächst heizen The Go! Team mit ihrer aufgedrehten, rappenden Frontfrau dem Publikum mächtig ein und liefern ein durchweg gelungenes Partyset, zu dem man sich bewegen kann, oder man lässt sich einfach vom bunten Treiben auf der Bühne beeindrucken. Die Headliner Hot Chip geben anschließend mit ihrem Mix aus elektronischer Tanzmusik und leicht melancholischem Popgesang Hits wie „One Life Stand“ oder „I Feel Better“ zum Besten und hinterlassen ein sichtlich glückliches Publikum. Wer danach noch nicht genug vom Feiern hat, geht bis spät in die Nacht zu Auftritten von hippen Elektrobands Bratze oder Egotronic .

Alles in allem kann das BootBooHook auf ein gelungenes drittes Jahr zurückblicken. Mit einem ähnlich abwechslungsreichen Programm und einer nahezu makellosen Organisation – von einigen Bandverspätungen mal abgesehen – sollte es dann auch im nächsten Jahr weitergehen!

Arne Janßen für CDstarts.de

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