Medina Live: Köln, 26.03.2011, Gloria

  • 10.05.2011
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Medina - Live: Köln, 26.03.2011, Gloria - News
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Die europäische Lady Gaga vereint Jung und Alt.

Weniger als ein halbes Jahr ist es her, seit Medina zuletzt in der ausverkauften Werkstatt das Kölner Publikum begeisterte. Diesmal allerdings findet das wiederum ausverkaufte Konzert im Gloria Theater statt. Das umgebaute, ehemalige Kino ist dabei das ideale Ambiente für einen stilvollen Konzertabend.

Erstaunlicherweise ist das Publikum gemischten Alters. Medina wird in den Medien gern als die europäische Lady Gaga dargestellt, oftmals auch Teenie-Euro-Pop. Ob diese Einstufung gerechtfertigt ist, soll sich im Laufe des Abends noch zeigen. Lediglich in den ersten zwei bis drei Reihen stehen vorwiegend weibliche Jugendliche, dahinter die Twenty- bis Fourtysomethings.

Dies stört auch den kurzfristig als Vorinterpreten gebuchten Fred Nukes nicht, der unvermittelt auf die Bühne stürmt und sich als versierter Rapper mit beachtlichem Gesangspotenzial präsentiert. Die vom Band kommende Musik, zu der er mal im Freestyle- mal Old-School-, aber auch Grime-Style rappt, erinnert mal an die Musik der 60er, dann aber auch an die 80er. Während die Gesangsleistung und die Musik miteinander sehr passabel miteinander harmonieren, macht die Performance nicht nur einen Zuschauer nervös. Fred Nukes ist im Laufe seines 25-Minuten-Gigs pausenlos auf der Bühne unterwegs, verpasst auch schon mal seinen Einsatz und wirkt unheimlich hektisch und nervös. Alles in allem wirkt der Auftritt etwas unprofessionell, ob dies an der sehr kurzfristigen Einladung liegt, lässt sich kaum ermitteln. Dennoch wird er am Ende seines Auftritts vom Publikum bejubelt, denn alles in allem war der Auftritt dann doch beachtlich. Vor allem wenn er den Grime-Style nutzt, blitzt sein zweifellos vorhandenes Potential auf.

Umgekehrt geht es erst einmal dem Rezensenten, der ohne große Erwartungshaltung auf Medina wartet. Als sie, begleitet von ihrer Live-Band, ihre Performance beginnt. Passenderweise eröffnet „Welcome to Medina“ den Konzertreigen und dieser wischt jeglichen vorher entstandenen Zweifel weg. Entgegen der auf Charterfolg hoffenden, klinisch rein produzierten CD, donnern Medina und ihre Musiker los und unversehens befindet sich das Publikum in einem Konzert, welches weniger den Stempel R&B oder HipHop verdient, als vielmehr Rock ist. Dies ist vor allem Anders Bo Jespersen an der Gitarre und Drummer Anders Meinhardt zu verdanken, die dem Opener Druck verleihen, dem Medina mit ihrer leicht rauchigen Stimme in nichts nachsteht.

Das Publikum ist warmgelaufen und so kann die Party mit „6 AM“ weitergehen. Bei diesem Titel legt sich Keyboarder Storm und auch Bassist Oliver Mc Ewan mächtig ins Zeug und verwandeln zusammen mit der dänischen Sängerin das Gloria in eine große Dancehall. Nach einer kurzen englischsprachigen Ansprache an das Publikum, bei der Medina sehr sympathisch wirkt, kündigt sie einen ihrer bekanntesten Titel „Lonely“ an und fordert das ohnehin begeisterte Publikum auf sie aus ihrer Einsamkeit zu holen. Understatement oder ein Durchschimmern ihrer Persönlichkeit, wer kann das schon sagen?

Dass Medina keine Sängerin ist, deren Stimme im Studio extrem überarbeitet wird, beweist sie zu Beginn von „Happy“. A Capella beginnt sie auf der komplett abgedunkelten Bühne den Song und das Publikum verharrt in respektvoller Stille, denn ihre Stimme hat eine interessante Klangfarbe und eine unerwartete Klangbreite. Auch als die Band behutsam in den Song einsteigt, bleibt ihre Stimme dominierend und somit bildet der Track einen der Höhepunkte des Gigs.

Ein anderer Höhepunkt, allerdings der traurigen Art, bildet „Execute me“. Das melancholische Lied scheint unmittelbar in Medina etwas zu bewirken und während des ersten Refrains beginnt sie zu weinen, bricht ab und setzt sich weit hinten auf der Bühne vor das Schlagzeug. Nach kurzer Zeit erklärt sie dem irritierten Publikum, dass vor wenigen Tagen ein guter Freund von ihr (DJ Kjeld Tolstrup) unerwartet verstarb, sie auf Tour davon erfuhr und heute die Beerdigung gewesen sei. Aus diesem Grund wolle sie noch einmal den Song versuchen und widme ihm dem Verstorbenen. Im zweiten Versuch erfolgreich, legt Medina in „Execute me“ sehr viel Einfühlsamkeit und man merkt ihr an wie schwer ihr das ganze fällt.

Der frenetische Applaus des mitgenommenen Publikums zaubert ihr ein Lächeln auf das Gesicht und mit „Addiction“ folgt ein völlig anderer Track, der unterschiedlicher nicht sein könnte. Auch wenn das Publikum nun wieder eine Party feiert, dem aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, dass Medina in Gedanken woanders ist. Dies überspielt sie aber in den letzten beiden Songs gekonnt und sie kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, als die Band spontan zwischen zwei Titeln ein kurzes Potpourri an James-Bond-Titeln spielt.

Nachdem sie bereits alle Lieder, bis auf eines, ihrer Debüt-CD gespielt hat, ist jedem klar welcher Titel den Abend beschließen wird: „You and I“. Besitzer der „Special Edition“-CD sind wenig überrascht als der bislang größte Hit (in Deutschland Platz 10, in der dänischen Version in Dänemark monatelang Nummer 1) als Akustiknummer beginnt und dem Song eine ganz andere, persönlichere Facette gibt. Gegen Ende gelingt der Umstieg auf die elektrische Version, allerdings wird auch hier wieder der Schwerpunkt auf Rock gesetzt und in den letzten 20 Sekunden liefern sich Drummer und Gitarrist ein Duell, welches Pop-Hörer aufgrund der Doublebass-Salven verschreckt.

Alles in allem ein überraschender und sehr überzeugender Auftritt der jungen Dänin und ihrer Live-Band, der das Interesse die Karriere der Musikerin weiter zu verfolgen weckt.

Setlist:

  • Welcome to Medina
  • 6 am
  • Lonely
  • Happy
  • Sun down
  • Selfish
  • Execute me
  • Addiction
  • Gutter
  • The one
  • In your arms
  • You and I

für CDstarts.de

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