Steven Wilson Live: Berlin, 22.10.2011, Heimathafen

  • 28.10.2011
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Steven Wilson - Live: Berlin, 22.10.2011, Heimathafen - News
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Mit dem zweiten Solowerk auf erster Solotour.

Die erste Solotour führt den aus England stammenden Steven Wilson von Polen über Deutschland, Holland und Frankreich auch nach Amerika. Steven hat eigentlich genug zu tun mit seinen übrigen Bands wie Porcupine Tree, Blackfield, No-Man, Bass Coummunion und was er sonst noch alles treibt in seiner Frei- bzw. Berufszeit, denn die sind bei ihm nicht zu unterscheiden. Nach dem frisch veröffentlichten zweiten Solowerk „Grace For Drowning“ hat er nun aber genug Material beisammen, um auch unter eigenem Namen auf Tour zu gehen. Dafür hat er, wie für sein Album, hauptsächlich auf Jazzmusiker zurückgegriffen.

Die dritte Station der Tour war dabei der Heimathafen im Berliner Stadtteil Neukölln. Vor der Bühne hing ein halbdurchsichtiger Schleier auf dem eine Mischung aus bewegten und unbewegten Bildern projiziert wurde und gleichzeitig ein Ambient-Drone (Bass Coummunion) die versammelten Zuschauer beschallte. Halb neun betraten die Musiker einer nach dem anderen die Bühne und gliederten sich nacheinander in den Sound von „No Twighlight Within The Courts Of The Sun“ ein. Beim Bassisten Nick Beggs mussten die meisten wohl einen genauen zweiten Blick einleiten, denn durch seine blonden Zöpfe und die übergroße Sonnenbrille war man regelrecht verunsichert, ob es sich wirklich um ein männliches Geschöpf handelt.

Steven hat sich nicht nur als Schöpfer der Songs sondern regelrecht als Dirigent auf der Bühne präsentiert, immer den Einsatz einiger Instrumente mit dem Finger anzeigend, viel auf der Bühne unterwegs, ständig zwischen Gitarre und Keyboard wechselnd und entsprechend auch das Zeichen für den Abwurf des vor der Bühne hängenden Stoffs während „Sectarian“ gebend. Das von Lasse Hoile stammende Bild- und Videomaterial, welches während der ersten Songs auf diesem Stoff erschien und mit den Lichtern auf der Bühne konkurrierte, wurde danach auf die Leinwand hinter den Musikern geworfen. Erst dann wurden einige Musiker richtig sichtbar. Adam Holzman bearbeitete dabei die Tasteninstrumente während Theo Travis abwechselnd Saxofon, Flöte und Klarinette spielte. Ein zusätzliches Spektakel war dann die Gitarre von Aziz Ibrahim, deren Bundpunkte nicht dauerhaft, sondern nur bei angeschlagenen Saiten geleuchtet haben.

Der Klang war, wie für Wilson-Konzerte üblich, ausgewogen und allgemein sehr gut. Es befanden sich für einen Rundumklang sogar Lautsprecher am anderen Ende des Saals, also hinter den Zuschauern. Darüber war dann der atmosphärische Hintergrund zu hören, mal die Stimme von Wilson oder auch das Schlagzeug von Marco Minnemann. Ja, das ist der Trommler, den Dream Theater nicht verpflichtet haben. Seine klasse war jederzeit spürbar, auffällig wenn sich die Gelegenheit bot und leise zurückhaltend wenn es die Stücke verlangten. Die Musik erschien dabei noch freier und jazziger als auf „Grace For Drowning“, selbst die Stücke des ersten Soloalbums „Insurgentes“ wurden diesem Stil angepasst. Immer wieder haben die Musiker dabei die Chance für kleine Veränderungen und Improvisationspassagen ergriffen. Wenn die Stimmung aber ins düstere abdriftete, dann war Beggs an seinem Chapman Stick dafür verantwortlich.

Die Setliste wurde nach einem Prinzip der wiederkehrenden Auflockerung und Entspannung zusammen gestellt, das heißt die meist düsteren und komplexen Kompositionen wurden immer wieder von leichteren, melodischeren oder entspannten Songs abgewechselt. Zum Abschluss wurde natürlich das 23-minütige stark an King Crimson erinnernde „Raider II“ vorgetragen, aber die größte Überraschung war das davor gespielte ruhige „Veneno Para Las Hadas“, welches kaum jemand auf dem Zettel hatte. Bei der Zugabe „Get All You Deserve“ kam Steven mit seiner Gasmaske auf die Bühne, die er auch auf dem Cover von „Insurgentes“ trägt, und spielte darin locker mal die Gitarre. Ein klasse Konzert und ein klasse Ende, denn kaum ein Track von ihm besitzt eine solche Intensität, wenn das leise Rauschen im Hintergrund immer lauter wird und schließlich den Song in einer Wand aus Krach völlig verschlingt. Danach blieb nur noch die Verabschiedung, die Namen der Musiker erschienen nacheinander auf der Leinwand und am Ende „Thank you and good night!“.

Setlist:

  • No Twighlight Within The Courts Of The Sun
  • Index
  • Deform To Form A Star
  • Sectarian
  • Postcard
  • Remainder The Black Dog
  • Harmony Korine
  • Abandoner
  • Like Dust I Have Cleared From My Eye
  • No Part Of Me
  • Veneno Para Las Hadas
  • Raider II
  • Get All You Deserve

für CDstarts.de

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