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Konzertberichte:
Evanescence - Live: Düsseldorf, 18.11.2011, Mitsubishi Electric Halle ( Evanescence) (Zum Interpreten)
17.12.2011
Details
Irgendwie ist man Besseres von dieser Band gewohnt...
Lang hatten die Fans auf die Rückkehr von Evanescence gehofft, 2006 waren die Amerikaner zuletzt im Rahmen ihres Albums „The Open Door“ in Deutschland unterwegs gewesen. Das neue Album „Evanescence“ macht es nun endlich möglich und bringt die Band zurück auf die Bühnen der Welt und damit für einen Zwischenstopp auch nach Düsseldorf.

Den Job des ersten Warm-Ups sollten zunächst die Musiker von Kellermensch übernehmen, die mit sieben Mann zumindest die große Bühne ausreichend füllen konnten. Musikalisch wurde Progressive Rock geboten, der durch den Einsatz Orgel, Kontrabass und Geige durchaus alternativ gestaltet wurde. Gewöhnungsbedürftig war die Gesamtperformance der Dänen allerdings leider auch, denn sowohl auf musikalischer Ebene wie auch auf Performancelevel schien der Funke nicht ins Publikum überspringen zu wollen. Zu verstörend war wahrscheinlich der dargebotene Gesamteindruck, bei dem man auch immer wieder das Gefühl nicht los wurde, dass gleich ein Instrument zu Bruch ginge. 25 Minuten umfasste ihr Programm, das leider nur durch ihre Verabschiedung von der Bühne tatsächlichen Jubel bei den Fans auslösen konnte.

Weitaus positiver wurden schon von der ersten Minute ihres Bühnenauftritts The Pretty Reckless aufgenommen, die eindeutig über eine starke Fanbase im Publikum verfügten. 40 Minuten gehörte ihnen die Bühne, in denen sie eindrucksvoll unter Beweis stellen konnten, warum die Band rund um Taylor Momsen in der amerikanischen Presse in den Himmel gelobt wurde. In gewohnt knappen Kleidchen räkelte sich Taylor am Mikrophonständer, schwang die Hüften und die blonde Mähne und tat dabei vor allem eins – auf ganzer Linie mit ihrer Stimme überzeugen, die wirklich alles ist nur nicht das was man auf den ersten Blick erwarten könnte: einzigartig, rau, rotzig und vor allem erfrischend anders im Vergleich mit ihren Kolleginnen. Die Stimmung in der Halle kochte entsprechend auf zufriedenstellendem Niveau und The Pretty Reckless hatten sich damit nicht nur als gute Vorband bewiesen, sondern vor allem auf ganzer Linie überzeugt.

Kurz nach 21.30 Uhr konnten Amy Lee und ihre Jungs auf der Bühne begrüßt werden. Passend geschah dies mit der aktuellen Single „What You Want“, die nicht nur sehr aussagekräftig für das neue Album ist, sondern auch gleichzeitig ein gewisses Level für den Abend setze: schnell und atemraubend. Wie ein Wirbelwind fegte Sängerin Amy Lee über die Bühne, spielte Keyboard und erinnerte die Fans daran welche Power in ihr steckt. Schade nur, dass sie scheinbar nicht ganz bei Stimme war, vor allem die langen Noten und Höhen waren mit ungewohnten Unsicherheiten versehen und man wurde das Gefühl nicht los, dass die Sängerin mit Heiserkeit zu kämpfen hatte.

Ein Grund ihr Tempo zu drosseln war diese Tatsache allerdings nicht. Ein schneller Hit jagte den Nächsten, die Mischung der Setlist ließ dabei trotz starkem Fokus auf das neue Album eine angenehme Mischung der kompletten Banddiskographie entstehen. Auch die Tatsache, dass der Fokus der Band nicht mehr völlig auf Amy Lee als alleiniger Songwriterin lag, wurde an diesem Abend immer wieder deutlich. Die anderen Bandmitglieder Terry Balsamo (Gitarre), Tim McCord (Bass), Will Hunt (Schlagzeug) und Troy McLawhorn (Gitarre) bewiesen ihr Talent in zahlreichen kleinen Soliparts, bei denen die Sängerin selbst durchaus in den Hintergrund zu treten wusste. Entsprechend harmonisch war auch das Zusammenspiel auf der Bühne selbst und der Spaß der Musiker greifbar.

Natürlich ist ein Konzertabend nicht nur durch die Musiker selbst zu perfektionieren, die Herrschaften an den Mischpulten der Technik spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Der Sound selbst war Evanescence-typisch sehr Bass-lastig abgemischt, was den Gesang generell teilweise zwar leicht in den Hintergrund treten lässt, für eine starke Stimme wie die von Amy allerdings normalerweise kein Problem darstellt. An diesem Abend war dieses Unterfangen allerdings nicht ganz so einfach und die Tatsache, dass der Gesang stellenweise ein wenig zu verschwinden drohte, unterstützt die Theorie der Heiserkeit zusätzlich. Lob muss man der Lichttechnik jedoch aussprechen, die die weiten Möglichkeiten der großen Bühne ideal ausnutzen und jede Szene, jede Stimmung harmonisch umzusetzen wussten und so auch für die Zuschauer in den letzten Reihen ein absolut harmonisches Gesamtbild zauberten.

Größtes Manko des Abends war allerdings die Spielzeit. 70 Minuten sind für eine Band wie Evanescence wirklich traurig. Es mangelt nun wirklich nicht an Material für eine längere Setlist, da hätte deutlich mehr drin sein können. Es bleibt nun entsprechend zu hoffen, dass Fans nicht erneut fümf Jahre auf das nächste Konzert warten müssen und das nächste Mal die Spielzeit wieder gewohnten Rahmen einnimmt. So blieb ein viel zu kurzes Konzert mit dem bitteren Beigeschmack, dass man Besseres von dieser Band gewohnt ist. Schade.

Setlist:

  • What You Want
  • Going Under
  • The Other Side
  • Weight Of The World
  • The Change
  • Made Of Stone
  • Lost In Paradise
  • My Heart Is Broken
  • Lithium
  • Sick
  • Oceans
  • Call Me When You're Sober
  • Imaginary
  • Bring Me To Life
  • Never Go Back
  • Your Star
  • My Immortal


Stephanie Wunderl für CDstarts.de

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