Loreena McKennitt Live: Wien, 16.04.2012, Stadthalle

  • 17.04.2012
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Loreena McKennitt - Live: Wien, 16.04.2012, Stadthalle - News
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Ein Konzert der Kanadierin zu besuchen ist immer ein besonderes Spektakel.

Über 4½ Jahre ist es her seit Loreena McKennitt ihren Fans mit dem DVD/CD-Paket „Nights From The Alhambra“ ein Geschenk machte, dass diese nur allzu bereitwillig annahmen. Noch nie wurde die atmosphärische Mischung aus keltischer Folklore, weltmusikalischen Einflüssen und klassischer Singer/Songwriter-Kunst der Kanadierin dermaßen eindringlich und berauschend eingefangen, wie auf diesem Live-Mitschnitt aus dem Palast von Charles V. in Granada, Spanien. Der einzige Wermutstropfen bestand darin, dass sowohl CD als auch DVD nie an das physische Erlebnis vor Ort herankommen würden. Die aktuelle „Celtic Footprints Tour“ schaffte nun Abhilfe.

Nach der Schweiz, Deutschland, Polen, Ungarn, England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden machte Loreena mit ihrer erlesenen, 8-köpfigen Liveband (Caroline Lavelle (Cello, Backgroundgesang), Hugh Marsh (Violine), Tony McManus (Gitarre, Bouzouki, Mandoline), Dudley Phillips (Bass), Brian Hughes (Gitarrem Oud, Bouzouki), Ian Harper (Flöten, Clarinette, Pfeifen, Bombarde), Ben Grossman (Hurdy Gurdy, Bodhran, Akkordeon, Perkussion) und Roy Dodds an Schlagzeug und Perkussion) auch in Österreich in der knapp 2.000 Sitzplätze fassenden Halle F der Stadthalle in Wien Halt und bezauberte vom ersten Moment an den ausverkauften Saal, obwohl sie selbst erst beim dritten Song („Bonny Portmore“) in purpurnem Samtkleid die Bühne betrat, nachdem die Band zuvor zwei Instrumentals angestimmt hatte.

Passend zur spartanischen Dekoration mit vier mittelalterlich anmutenden Kerzenleuchtern und dem dezenten, jedoch stets passenden und der Stimmung der jeweiligen Songs zuträglichen Lichteinsatzes wurde die Ankunft von McKennitt nur kurz bejubelt, die 55-jährige setzte sich nämlich unverzüglich an ihre Harfe (bzw. im Laufe des Abends noch an das Klavier oder sie schnallte sich ein Akkordeon um) und ließ sofort die Musik sprechen. Irritierte diese reichlich unterkühlte Art noch anfänglich, entpuppte sich dieser straffe Charakter der Performance in weiterer Folge allerdings als unverfälschter und authentischer Einblick in das Schaffen und die Person Loreenas, die sowohl nach der letzten Note von „The Bonny Swans“, dem letzten Song vor der Pause, als auch vor den beiden Zugabeblöcken wie ein aufgescheuchtes Reh schnurstracks in die dunklen Schatten des Backstagebereiches verschwand. Erst der abermals einsetzende phrenetische Jubel und die Standing Ovations des gesamten Konzertsaals ermutigten die Kanadierin zum Schluss etwas länger auf der Bühne zu verweilen und dem tosenden Applaus erneut ein „Dankeschön“ zu entgegnen.

Die Euphorie hatte aber auch einen guten Grund: Das 2-stündige Set war nichts anderes als ein einziges, alle Sinne ansprechendes Erlebnis. Wenn man beim detaillierten Spiel von Mr. Marsh (Violine) in „The wind that shakes the barley“ nicht sofort an sonnendurchflutete Gerstenfelder dachte oder sich während der todtraurigen Darbietung von „The lady of Shalott“ eine Träne wegwischte, dann erhellte Loreena das Publikum oftmals mit kleinen Anekdoten aus ihrer Kindheit, erläuterte ihre persönliche Motivation und ihr Interesse an Gedichten von unter anderem William Butler Yeats (z.B. „Down by the Sally Gardens“ oder „The stolen child“) oder zauberte dem Zuschauer schlicht und ergreifend durch ihre charismatische Art ein Lächelns ins Gesicht.

Doch nicht nur die instrumentale (siehe Musiker) und dynamische (angefangen bei sanften Balladen, über emotionale Midtemponummern, bis hin zu flotten Tanzbarkeiten, bei denen sogar Frau McKennitt die Hüften kreisen ließ, wurde der Abwechslung mehr als genüge getan) Reichhaltigkeit (siehe Musiker) und die Verschmelzung aus Jahrhunderte alten, traditionellen Melodien und Gedichten mit der greifbaren Kraft des Schlagzeugs, in Mark und Bein fahrenden Basstönen oder McKennitts glasklarer, alles durchdringender Stimme machte den Abend zu etwas Besonderem, auch die Ehrfurcht der einzelnen Musiker voreinander, als die andächtige Stille vor und nach jedem Song, bei der man selbst eine Stecknadel fallen hätte hören können, sorgte dafür, dass der 16. April 2012 noch vielen lange im Gedächtnis bleiben wird.

Setliste:

  • Spered Hollvedel
  • Morrison's Jig
  • Bonny Portmore
  • The Star of the County Down
  • The Highwayman
  • The Emigration Tunes
  • As I Roved Out
  • Down By The Sally Gardens
  • The Bonny Swans
  • The Wind That Shakes The Barley
  • Raglan Road
  • All Souls Night
  • Santiago
  • Stolen Child
  • The Lady Of Shalott
  • The Mummer´s Dance
  • The Old Ways
  • Never-Ending Road (Amhran Duit)
  • The Parting Glass
  • Huron “Beltane” Fire Dance

für CDstarts.de

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