Anathema Live: Hamburg, 23.04.2012, Knust

  • 29.04.2012
Artikel teilen:
Anathema - Live: Hamburg, 23.04.2012, Knust - News
Klicken für Großansicht

Die Reinkarnation von Anathema.

Anderthalb Jahre sind seit der letzten Tour im Herbst 2010 vergangen. Ein neues Album mit dem Titel „Weather Systems“ ist erschienen, ein richtiges Album, keine Zwischenmahlzeit wie „Falling Deeper“ es war. Die orchestralen Elemente von „Falling Deeper“ haben aber auch den Weg ins neue Werk gefunden, das die von „We‘re Here Because We‘re Here“ eingeschlagene neue musikalische Richtung konsequent weiterführt. Die Band aus Liverpool hat eine neue Identität und Lee Douglas, die fest als Bandmitglied integriert wurde, ist Teil davon. Dies zeigte sich an diesem Abend auch in der Setlist der Band (siehe unten), die sich stark auf die letzten beiden regulären Alben konzentriert hat, sozusagen auf die Reinkarnation von Anathema. Lediglich in der Mitte und zum Abschluss des Konzerts gab es kleine Blöcke mit Klassikern der Band.

Kurz nach 22.00 Uhr, nachdem die Lichter im Knust zum zweiten Mal an dem Abend ausgegangen sind und ein als Intro gespielter Pink Floyd Song aus den Boxen verklungen ist, erschienen Anathema und fingen gleich mit den beiden Teilen von „Untouchable“ an. Beim ersten Teil war noch eine gewisse stimmliche Verunsicherung bei Vincent Cavanagh zu hören, aber bereits beim zweiten Teil kam das schöne Duett zwischen Vincent und Lee gut zur Entfaltung. Die Zuschauer waren hoch erfreut und dankten mit einer großen Portion Applaus, die den Musikern die Seelen geschmeichelt, das Selbstbewusstsein gestärkt und Auftrieb gegeben hat.

Die Band baute mit ihren aktuellen Songs diese typische traurig schöne und zugleich optimistische Stimmung auf, die sie mit den älteren härteren Songs nicht zerstören wollte. Aus diesem Grund haben sie den kurzen Zwischenblock mit älteren Liedern entsprechend der Stimmung aus dem „Judgement“-Album gewählt. Diese älteren Songs wirkten trotzdem wie kleine Fremdkörper zwischen den neuen Liedern, aber wirklich schöne Fremdkörper, kleine Zeugnisse der Vergangenheit, die sich mit ihrer anders gearteten emotionalen Seite hervorgehoben haben. Vom neuen Album ist „The Storm Before The Calm“ besonders aufgefallen, ein Song, der auf dem Album etwas unpassend wirkt, aber doch klar dazu gehört, weil er ein Wetterphänomen darstellt. Live entfaltet dieser düstere mit Elektonikelementen gespickter Sturm im ersten Teil des Songs und der abrupte Übergang, wenn die Sonne hinter den Wolken hervorscheint, eine tolle Wirkung.

Im sehr gut gefüllten Knust war der Klang besser als erwartet. Eigentlich gab es gar nichts zu meckern, was wahrscheinlich daran lag, dass die Band nicht zu laut war (im Gegensatz zu Amplifier), aber mit entsprechenden Konzert-Ohrstöpseln hat man gut reden. Auf die Pause vor der Zugabe wurde aus Zeitgründen verzichtet, was wohl niemanden gestört hat. Die Fans hatten sichtlich Spaß an der Musik, egal ob es die Metal- oder eher Prog-Rock-Fraktion war. Das ist das faszinierende, wenn Musik in der Lage ist Menschen in den Bann zu ziehen, die es eigentlich gewohnt sind anderes zu hören. In den meisten Fällen kann dies nur durch starke Gefühle ausgelöst werden und genau dies ist die starke Seite von Anathema.

Als die Lichter zum ersten Mal an diesem Abend ausgingen, standen vier andere Männer auf der Bühne, „the mighty“ Amplifier aus Manchester. Eigentlich sind es ja drei, aber Steve Durose von den nicht mehr existenten Oceansize half einmal mehr an der zweiten Gitarre aus und wer weiß, vielleicht bleibt er ja bei der Band auf Dauer. Leider zeigt die Band auch gewisse Auflösungserscheinungen, denn der Bassist Neil Mahony (mit dem der „mighty“ Redakteur vor kurzem noch ein Interview geführt hat) ist vor kurzem ausgestiegen und wurde auf dem Konzert durch das neue Gesicht von Magnum ersetzt. Neben der ein wenig übertriebenen Discolichtshow, spielten die Jungs in 50 Minuten eine gute Mischung ihrer Songs aus dem ersten und dem letzten Album. Der Sound war jedenfalls besser als noch letztes Jahr in Berlin im Festsaal Kreuzberg, wo die Band als Mainact gespielt hat. Allgemein ein sehr angenehmer Auftritt zur Aufwärmung und Vorbereitung auf Anathema.

„Lightning Song“ aus Hamburg (danke an Altlaender):

und der erste Teil von „The Strom Before The Calm“ aus Hamburg:

Setlist:

  • Untouchable
  • Lightning Song
  • Thin Air
  • Dreaming Light
  • Everything
  • Deep
  • Emotional Winter
  • Wings Of God
  • A Simple Mistake
  • The Storm Before The Calm
  • The Beginning And The End
  • Universal
  • Panic
  • The Lost Child
  • Internal Landscapes
  • Closer
  • A Natural Disaster
  • Flying
  • Fragile Dreams

für CDstarts.de

comments powered by Disqus
Weitere Artikel
  • Interviews:

Kurzinterview
  • Interviews:

Kurzinterview