Devilside Festival, 20. Juli - 22. Juli 2012 - Tag 1

  • 21.07.2012
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Devilside Festival, 20. Juli - 22. Juli 2012 - Tag 1 - News
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Starke Frauen, gemächliche Lautstärke und kein Regen.

Viele vergessen gerne, dass der Pott eigentlich ziemlich grün ist. Die Zechen sind dicht und eh nur noch nostalgischer und kultureller Tand. Oberhausen macht da keine Ausnahme. Mit seinem CentrO lockt die Stadt aus und in die Rhein-Ruhr-Metropole und schließlich zu sich. Am Freitag, den 20. Juli übrigens auch Metaller. Schließlich ist das Devilside Festival Numero 3 da und lädt zum „Weekend Matinee From Hell“ ein. Die Turbinenhalle und das Gelände drumherum leben nebenbei in friedlicher Co-Existenz mit dem CentrO. Wenn Sabaton Bus fahren und ein Haufen breit gebauter Power Metaller zum Shopping geht, dann kann man dem fiesen Kommerz irgendwie auch nicht mehr böse sein. Ob sie in der Warteschlange vom Hollister wohl auffielen?

Der Rest, egal ob Band oder nicht, bleibt lieber „zu Hause“ auf dem Festivalgelände. Dieses ist zwar weniger grün und idyllisch als seine Vorgänger, dafür aber übersichtlich und recht kompakt. Die Bühnen thronen vor der Turbinenhalle und herrschen über die Bier- und Verkaufsstände weiter hinten. Richtig voll ist es nicht. Ändert sich aber noch!

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Das Raunen, welches durch die Reihen vor der „Hell Stage“ und „Devil Stage“ geht, könnte streng genommen lauter als die dargebotene Mucke selbst sein. Auf 90 herab geregelte Dezibel seien einfach nicht Metal meinen die Besucher. Später legt man zwar noch eine Schippe drauf, dem Kutten- und Bandshirtträger genügt das aber nicht wirklich. Unverständnis macht sich besonders deshalb breit, weil das Gelände eine Oase im Gewerbegebiet ist – Freitag sind die Damen und Herren von Bridgestone oder dem TÜV längst im trauten Heim oder bestenfalls selbst vor einer der Bühnen. Aber auch wenn die Meinung Metal könne nur laut genossen werden, vom Gros des Publikums runter gebetet wird, hat man sichtlich Spaß. Gut so! Schmackes haben die Acts schließlich allemal und wissen auch, wie man den aus ganz Deutschland (und sogar aus Australien!) hergepilgerten Metal-Jüngern auf's Maul gibt. Und die gemächliche Lautstärke macht auf der Haben-Seite auch den Klang etwas sauberer, oder nicht? Man muss alles nur positiv sehen!

Nebenbei spielt das Wetter auch mit. Man bedenke: Regenguss und Sonnenschein bestimmt im „Sommer“ des Jahres 2012 ein russisches Roulette. Die Paar hinunter gekommenen Tröpfchen im abendlichen Bierglas fallen kaum ins Gewicht. Es ist trocken, in den besten Momenten sogar sonnig und warm, und die allgemein frühlingshaften Temperaturen lässt man sich doch gerne gefallen. Petrus mag Metal! Dankeschön.

Die Bands sind wie erwähnt ebenfalls gut gelaunt. Ob nun die Münchner Emil Bulls oder Dog Eat Dog: Das Publikum kriegt, was es verdient. Richtig geil wird’s dann auf jeden Fall bei den alten Herren von Betontod. Ihr hymnenhafter Punkrock füllt hier zwar nicht ein Stadion (Man hätte es ihnen gegönnt!), aber die Meute weiß, was sie an Oliver Meister und seinen Jungs hat. Der Bitte doch jedem auf dem Festival, der noch nicht besoffen ist, eine in die Fresse zu geben, wurde zwar keine Folge geleistet, dafür machten Männlein (mehr), Weiblein (weniger) und dann noch mal Männlein (viel mehr) beim kommenden „Glück auf“ vom 2006er Album „Schwarzes Blut“ artig mit. Betontod bringen so den Titel „Inoffizielle Festivalhymne, Tag 1“ souverän nach Hause. Aufhören weniger zu trinken ist doch eine tolle Lebensphilosophie!

Auch wenn die Damen im Publikum den Herren der Schöpfung zahlenmäßig nicht das Wasser reichen konnten, stand der zweite Teil des Tages ganz im Zeichen der starken Frauen. Nach Maja Ivarsson (niedlich im roten Kleid) und ihren The Sounds kommen auch schon Gossows Angela von Arch Enemy. Sie entpuppt sich dabei als Stimme des (Feier-)Volkes: „Das ist Metal! Lauter!!! Und überhaupt: Fickt euch alle!“ (Kein genauer Wortlaut, Leute!) Kommt beim Publikum so oder so gut an. Geiler findet man nur noch eine gewohnt gut aufgelegte Angela Gossow mitsamt einem sich ebenfalls in tip top Kondition befindenden Schwedenhappen hinter ihr. Death Metal mit einem Mädel am Mic ist und bleibt unwiderstehlich. Als Gossow dann die Bandflagge hisst, wird auch dem letzten Troll in der Grotte klar: Das hier ist die Metal-Nation, alles drum herum ist Feindesland!

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Clawfinger müssen sich da schon ordentlich anstrengen. Zek Tell wäre aber nicht Zak Tell, wenn er nicht einige Überraschungen in Petto hätte. Der energiegeladene Spageltarzan, beweist seine Live-Erfahrung und sucht nicht nur ein Mal den Kontakt mit dem Publikum. Er kann einfach nicht ruhig stehen bleiben und steckt somit zum Glück auch die Zuschauer an. Am Ende klettert er noch todesmutig am Gerüst der Devil Stage hoch. Eine bessere Show bietet am gleichen Tag niemand, nicht Mal In Flames!

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Mademoiselle Pesch überzeugt anschließend mit einer schönen Zusammenstellung ihrer großen Hits: „I Rule The Ruins“, „Burning The Witches“ oder „All We Are“ sorgen wie auch der höchst livekompatible neue Song Doros „Raise Your Fist In The Air“ für heisere Kehlen. Hymnen kommen einfach immer gut an, besonders wenn sich dazu noch ein Schmankerl wie „Breaking The Law“ gesellt. Wer da noch ruhig bleibt, ist (zurecht!) tot.

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Danko Jones und In Flames legen dann nachdem die Sonne unter gegangen ist, noch ein letztes Mal die Karten auf den Tisch! Besonders auf der Hell Stage wird es nach 21 Uhr noch ein letztes Mal ordentlich voll. Logisch, auf In Flames haben sich alle gefreut. Feinstes Göteborger Todesblei zerstört so manchen Nacken. Auf ein Mal heult auch keiner mehr wegen den ein, zwei Dezibel mehr oder weniger rum, zumal sich der Lärmpegel gefühlt im Laufe des Tages wohl steigern konnte.

Vielleicht wundert man sich eher darüber, dass das Devilside Festival ihren Headliner direkt am ersten Tag verschossen hat. Bullshit! Das Line-Up bleibt auch am Samstag vorzüglich. Amorphis, Sabaton, Suicidal Tendencies, Hatebreed, Overkill oder Alestorm und 'ne Buddel voll Rum sprechen eine ganz deutliche Sprache. Rock on, Oberhausen.


für CDstarts.de

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