Feuertal Festival Wuppertal, Tag 1 (25.08.2012)

  • 29.08.2012
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Feuertal Festival Wuppertal, Tag 1 (25.08.2012) - News
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Die Mittelalterszene unter sich. Tag 1.

Das alljährliche Feuertal Festival gehört inzwischen zu den festen Großereignissen der schwarzen und mittelalterlichen Szene der Umgebung. In diesem Jahr findet das Festival erstmals über zwei Tage statt und bietet neben dem traditionellen Mittelaltermarkt auch einen Zeltplatz für angereiste Besucher.

Der Blick zum Himmel ließ zur Festivaleröffnung noch hoffen, einen trockenen Tag zu erleben als Eric Fish in seiner Funktion als Moderator den ersten Festivaltag eröffnete. Die noch eher spärlich gefüllte Zuschauermenge war jedoch bereits bestens gelaunt und ließ erste Aufwärmspielchen mit viel Elan über sich ergehen.

Die musikalische Eröffnung oblag Punch'n'Judy. Die Crossover-Folk-Band aus der Ruhrstadt schaffte es direkt die ersten grauen Wolken zu vertreiben und das Publikum vom anliegenden Markt zur Bühne zu locken. Sascha (Gesang), Ute (Akkordeon, Beigesang), Peter (Gitarre, Beigesang), Stefan (Bass, Beigesang) und Vloh (Schlagwerk, Beigesang) überzeugten in gut 30 Minuten Show nicht nur von ihrem Talent, sondern bewiesen sich auch als hervorragende Entertainer mit viel Charme und Energie. Kaum eine Minute des Auftritts verstrich, in der die Musiker tatsächlich still auf der Stelle standen. Stattdessen wurde getanzt und gesprungen und natürlich dabei tatkräftig das Publikum eingebunden. So verbreiteten sich schnell Stimmung und gute Laune. Schon der letzte Song des Quintetts entlockte dem Publikum erste Zugaberufe, die allerdings leider aufgrund des straffen Festivalzeitplans nicht erfüllt werden konnten. Nichts desto trotz überzeugten die Musiker so als erstes kleines Festivalhighlight.

Nach kurzer Umbaupause gehörte die Bühne schließlich wieder Eric Fish, der wie angekündigt mit Gitarre erschien, um seine Überleitung musikalisch zu gestalten. Diese erste Pause wollte er nutzen um einem ganz besonderen Menschen zu danken – dem Organisator und Veranstalter des Festivals selbst, Marcus Grebe. Für ihn hatte er einen Song geschrieben, in dem er vor allem das Festival selbst besang und somit eine kleine Festivalhymne schuf, die auch sofort vom Publikum erlernt, mitgesungen und mitgetanzt wurde.

Die anschließende Band stellte eine kleine Änderung im eigentlichen Programmablauf da, denn Dunkelschön konnten an diesem Tag leider nicht vor Ort sein. Stattdessen präsentierten sich Wolfenmond dem inzwischen gut gefüllten Publikum. Christo de Marmedico, Sonja Saltara und Tambor von Wila, die nun bereits seit 16 Jahren die Szene mit ihren Klängen erfreuen, stießen allerdings eher auf mäßige Begeisterung des Publikums. Die mittelalterlichen Klänge, gewürzt mit einer Prise Electro wollten irgendwie nicht so richtig den Funken aufs Publikum überspringen lassen. Man kann der Band dabei weder Talent noch Charme abschreiben, doch das 60-minütige Set entpuppte sich leider eher als langatmig. Entsprechend ebbte damit auch die bisher aufgekommene Stimmung stark ab. Schade!

Auch der nächste Moderationsbreak blieb musikalisch. Diesmal wollte er den Zuschauern näher bringen, wie ein Song entsteht und woher die Ideen für Songs kommen können. Gleichzeitig natürlich auch eine durchaus amüsante Überleitung zu den Künstlern, die im Anschluss die Bühne übernehmen würden – Feuerschwanz.

Besagte Band wurde entgegen ihren Vorgängern mit großem Elan begrüßt, man merkte deutlich dass sich einige Fans im Publikum befanden, die den Schabernack der Musiker durchaus bereits kannten. Für diejenigen, denen die Band noch unbekannt ist, mögen die Musiker im ersten Moment ein wenig befremdlich wirken. Bunte, ritterliche Kostüme, die das klassische Bild des mittelalterlichen Hofs durchaus auf die Schippe nimmt. Auch ein Blick auf die Künstlernamen der Musiker bestätigt dieses Bild direkt, doch so wirklich Ernst nehmen sich Hauptmann Feuerschwanz, Johanna von der Vögelweide, Sir Lanceflott, Knappe Latte, Prinz R. Hodenherz III und Hans der Aufrechte auch selbst nicht. Zusätzlich wird das Sixtett noch von ihren Miezen – als Katzen verkleidete Tänzerinnen – unterstützt, die die Fans animieren und allerlei Späße mit den Musikern auf der Bühne trieben. Insgesamt war die Energie auf der Bühne unglaublich hoch und das Publikum entsprechend wieder in bester Stimmung und natürlich für jeden Spaß zu haben. So ließ sich für „Bück dich Fee“ ein Zuschauer auf die Bühne holen, mit rosa Flügelchen und Feenstab ausstatten um mit den Musikern auf der Bühne zu tanzen. Wenn auch ihre Texte nicht ganz ernst zu nehmen sind und mit viel Humor sämtliche Klischees und Witze der Szene verarbeiten, ist den Musikern weder Talent noch Bühnenpräsenz abzuschreiben. Die Live-Qualitäten von Feuerschwanz sind absolut nicht zu verachten. Entsprechend verflogen die 70 Minuten Bühnenzeit beinahe wie im Flug und vor allem in sehr positiver Stimmung.

Schon der Soundcheck von Omnia entpuppte sich im Anschluss als kleiner musikalischer Leckerbissen, der das Talent und den Charme der Musiker direkt in den Vordergrund stellte. Doch zunächst gehörte die Bühne einmal mehr Eric Fish. Dieser hatte es sich natürlich nicht nehmen lassen auch für Omnia die passende Überleitung in Form eines Songs zu schreiben. So wurden stilvoll die keltischen Wurzeln der Band besungen ehe Eric ohne große weitere Worte von der Bühne verschwand um diese für eine seiner persönlichen Lieblingsbands frei zu geben.

Steve „Sic“ Evans-van der Harten, Jenny Evans-van der Harten, Philip Steenbergen, Daphyd „Crow“ Sens und Rob „Raido“ van Barschot bezauberten das immer noch bei bester Laune befindliche Publikum auf ihre ganz eigene Weise. Die Niederländer, die musikalisch dem Pagant Folk zuzuordnen sind, entführten die Zuschauer auf eine abenteuerliche Reise in vergangene, traditionelle Klänge und erzählten so mal verträumt, mal schnell Geschichten aus fernen Landen. Omnia waren es schließlich auch, die sich die Chance nicht nehmen ließen ihre Stimme für Pussy Riot zu erheben und ihre Missgunst gegenüber den bestehenden Missständen in Russland deutlich zu machen.

Krönender Abschluss des ersten Festivaltags stellten schließlich Schandmaul da, die von einer starken Fanbase im Publikum begrüßt wurden. Zunächst mussten die Fans allerdings feststellen, dass sich die Musiker nicht in ihrer gewohnten Formation präsentierten. Birgit und Anna, die Beide vor Kurzem Mutter geworden sind, gönnen sich derzeit noch ihren verdienten Babyurlaub. Ally the Fiddle (bekannt als Geigerin unter anderem bei Haggard, Knorkator oder ASP) übernahm deshalb den Part an der Geige, Benedikt Dreher (Zwielicht) und Kristina die Flöten. Von diesem ein wenig ungewöhnlichen Bild ließen sich die Fans allerdings eher weniger verwirren, gegenseitige Aushilfen gehören schließlich durchaus zum gewohnten Bild bei einigen befreundeten Bands. Die Ankündigung dass die Setlist stark auf die alten Klassiker der Band konzentriert war, wurde mit reger Begeisterung aufgenommen und so war die Stimmung schnell auf gewohntem Schandmaul-Niveau. Für die nächste Überraschung sorgte Thomas schließlich damit seinen Backliner Peter auf die Bühne zu holen. Dieser übernahm – ursprünglich aus der Not eines gebrochenen Schlüsselbeins geboren – für einige Songs die Gitarre für Thomas.

So durften die Fans in gut 100 Minuten gemeinsam mit Schandmaul lachen, tanzen, träumen und natürlich auch scherzen. So unbeschwert verwandeln sich Fans wahrscheinlich selten in Zombies. Pünktlich und kurz bevor ihnen aufgrund der Anwohner der Saft abgedreht werden konnte verabschieden sich die Musiker auch schließlich mit ihrem ganz persönlichen Abschiedssong von der Bühne.

für CDstarts.de

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