Tenacious D Live: Hamburg, 12.10.2012, Alsterdorfer Sporthalle

  • 14.10.2012
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Tenacious D - Live: Hamburg, 12.10.2012, Alsterdorfer Sporthalle - News
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Die erste Deutschlandtour des kultigen Comedy-Rock-Duos.

Tenacious D auf deutschen Bühnen! Sind wir mal ehrlich: Wer hatte überhaupt noch daran geglaubt, dass dieser Tag jemals kommen würde? Fast schon unerträglich lange machten Jack Black und Kyle Gass einen weiten Bogen um das europäische Festland, bis die Geschichte am 19. Dezember des vergangenen Jahres eine unerwartete Wendung nahm: Tenacious D bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ wurde da verkündet. Die Sensation war perfekt: JB und KG testeten das hungrige deutsche Publikum im Juni 2012 auf den berühmten Zwillingsfestivals an und wurden dort so dermaßen gefeiert, dass ihnen gar nichts anderes übrig blieb, als wiederzukommen. Und schon sind wir in der Gegenwart: 12. Oktober 2012, Alsterdorfer Sporthalle Hamburg, 7.000 Menschen, das zweite Konzert der restlos ausverkauften Tour – und alle Zeichen stehen auf legendär.

Aber der Reihe nach: Zunächst traten mit vorbildlicher Pünktlichkeit The Sights aus Detroit vor das erwartungsvolle Hamburger Publikum und machten mit einer anständigen Portion Rock’n’Roll auf sich aufmerksam. Mit ihrem Sound voller Reminiszenzen an die 60er und 70er Jahre konnten die fünf Herren zwar gewiss nicht alle Anwesenden überzeugen – sie funktionierten stilistisch aber ausgesprochen gut als Vorbote für das, was da noch kommen sollte. Geschmälert wurde der angenehme Eindruck lediglich durch die bekannten akustischen Schwächen der Alsterdorfer Sporthalle, die sich auch an diesem Abend nicht verbergen lassen wollten. Der allgemeinen Vorfreude auf Tenacious D tat dieser Umstand allerdings keinen Abbruch, dafür war die Euphorie einfach zu groß.

Als nach einer kurzen Umbaupause endlich alle Scheinwerfer auf die Bühne gerichtet wurden, kannte die Freude der Tenacious D-Fans keine Grenzen mehr. Unter einem Jubel, der entfernt an die Publikumsreaktionen während der Beatlemania erinnerte, betraten Jack Black und Kyle Gass in mit Leuchtketten verzierten weißen Bademänteln die Halle und stimmten unvermittelt den Titeltrack ihres aktuellen Longplayers „Rize Of The Fenix“ an. Und der Phönix stieg wirklich hinauf: Bereits nach wenigen Sekunden erhob sich hinter Tenacious D und ihren versierten Live-Musikern John Konesky, Brooks Wackerman und John Spiker ein gigantischer Vogel, der – nicht ganz zufällig – die Form eines männlichen Geschlechtsteils besaß.

Vor dieser Kulisse spielten sich The D und Begleitung zunächst durch ihr aktuelles Material, bevor sie nach einer Jazz-Improvisation und dem zur Tradition gewordenen Kindersaxophon-Solo („Saxaboom“) die Stücke ihrer vorausgegangenen zwei Alben in Angriff nahmen. Angefangen mit „Kielbasa”, dem Opener ihres Debüts „Tenacious D“, über „Kickapoo“ und „The Metal“ vom Zweitwerk „The Pick Of Destiny“ bis hin zu Hits wie „Wonderboy“ und dem fast unschlagbaren „Tribute“ war dabei alles vertreten, was das Fan-Herz an so einem Abend höher schlagen lässt. Zwischen den einzelnen Songs unterhielten Jables und Kage, wie sich die beiden Akustikgitarre spielenden Hauptakteure auf der Bühne nennen, ihr Publikum mit lustigen Dialogen und innovativen Showeinlagen, die alle, ebenso wie jeder einzelne Song, frenetisch bejubelt wurden.

Nachdem das Konzert mit dem durch Soli eines jeden Musikers verfeinerten „Double Team“ seinen offiziellen Abschluss gefunden hatte, folgten im Zugabenblock neben dem überraschenden „Baby“, das Beatles-Medley „You Never Give Me Your Money / The End” und natürlich der Song, den alle noch im Hinterkopf hatten: „Fuck Her Gently”. Alle drei Stücke wurden nur von Jack Black und Kyle Gass gespielt und erinnerten damit stark an die Anfangstage der Band, als die beiden noch alleine, also ohne E-Gitarristen, E-Bassisten und Schlagzeuger, auftraten. Dann war es vorbei, das zweite Konzert der ersten Deutschlandtour von Tenacious D und eines kann an dieser Stelle mit Sicherheit behauptet werden: Es ist der legendäre Abend geworden, den alle vorher erwartet hatten. Trotz eines verbesserungswürdigen Sounds rockten Tenacious D in der Alsterdorfer Sporthalle 100 Minuten lang regelrecht den Putz von den Wänden und kamen dabei der im Vorfeld angekündigten „größten Rock-Show der Gegenwart“ verdammt nahe.

Setlist:

Rize Of The Fenix
Low Hangin’ Fruit
Señorita
Deth Starr
Roadie
Throw Down
Jazz
Saxaboom
Kielbasa
Kickapoo
Dude (I Totally Miss You)
Kyle Quit The Band
Friendship
The Metal
Wonderboy
Beelzeboss (The Final Showdown)
Pinball Wizard / There's A Doctor / Listening To You (The Who)
Tribute
Double Team
Baby
You Never Give Me Your Money (The Beatles)
Fuck Her Gently


für CDstarts.de

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