Tina Dico Live: Köln, 13.10.2012, Philharmonie

  • 17.10.2012
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Tina Dico - Live: Köln, 13.10.2012, Philharmonie - News
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Musik, die verzaubert und das Herz berührt.

Für ihre Tour 2012 hat sich Tina Dico in Köln einen ganz besonderen Spielort ausgesucht – die Kölner Philharmonie. Der Saal, der bis zu 2.000 Zuschauer beherbergen kann, verspricht allein durch seine Bauart und natürlich die daraus resultierende Akustik einen ganz besonderen Konzertabend. Das neue Album „Where Do You Go To Disappear? verspricht außerdem interessantes neues Songmaterial, auf dessen Live-Umsetzung man durchaus gespannt sein kann.

Zunächst allerdings oblag die Eröffnung des Abends in der leider nicht ganz ausverkauften Philharmonie den Walisern von Paper Aeroplanes. Die Betonung liegt dabei tatsächlich auf der richtigen Betitlung ihrer Herkunft, denn die Musiker sehen sich selbst auf einer kleinen Aufklärungsmission, der Welt begreiflich zu machen, dass sie Waliser und keine Engländer sind und das ein sehr großer Unterschied ist. Musikalisch bieten Sarah Howells und Richard Llewellyn verträumten Folk Pop, mit dem sie nicht nur generell den Nerv der Zeit treffen, sondern auch das Publikum des Abends zu begeistern wussten. Ihre 30-minütige Bühnenzeit schien wie im Flug zu vergehen. Zu verzaubert waren die Zuschauer von den verspielten Klängen, die sich ihnen darboten. Kleine Anekdoten, wie zum Beispiel die Erzählung über ein wenig Deutschunterricht durch Tina und ihre Band, der ihnen neben dem Wort Papierflugzeuge auch das Wort Flaschenöffner einbrachte, lockerten den Auftritt ein wenig auf und gaben der Band zusätzlichen Charme. Natürlich war es jedoch ihre Musik, die sie an diesem Abend unvergesslich werden ließ und die Künstler damit als eine Empfehlung nicht nur für Genre-Fans präsentierte.

Nach offizieller Pause war es schließlich an der Zeit, Tina Dico und ihre Band auf der Bühne zu begrüßen. Schon der Opener „The Time Of Our Lives“ setzte den Marschweg des Konzertabends und schmiegte sich unbekümmert in die akustischen Gegebenheiten der Veranstaltungsstätte. Doch trotz der gewissen Ehrwürdigkeit, die die Philharmonie ausstrahlt, verkündete Tina schnell, ihre „Rock'n'Roll boots“ zu tragen und dass sie sich auch hier nicht zurückhalten würde, für die nötige Stimmung zu sorgen. Entsprechend wurde ganz im Rahmen ihrer Diskografie keine Chance ausgelassen, für gute Stimmung zu sorgen und das erstaunlich zögerliche Publikum zu animieren.

Natürlich wäre ein Konzert der Dänin nicht das Gleiche, wenn es nicht ebenso wie ihre Songs selbst unglaublich persönlich werden würde. Kenner ihrer Musik sind es gewohnt, in den Songtexten nicht nur Autobiografisches, sondern auch viele kleine Lebensweisheiten zu finden. Ihre Liveauftritte unterstreicht die Künstlerin zudem mit kleinen Anekdoten zu einem jeden Song und so durfte sich auch das Kölner Publikum an vielen herznahen Erzählungen erfreuen. Beispielsweise erzählte sie, dass „Cruel To The Sensitive“ die Ehe eines ihrer Fans gerettet hätte. Ein Mann hätte sich bei ihr für den Song bedankt, denn er hätte ihn endlich seine Frau verstehen und damit bestehende Probleme lösen lassen.

Die abwechslungsreiche Setlist des Abends führte allerdings auch zu einigen Verwirrungen unter den Musikern. Generell wird diese für jeden Konzertabend angepasst und ist somit nie gleich. Kein leichtes Unterfangen für ihre Musiker, denn so erschien Gitarrist Dennis Ahlgren auf Helgis Anweisung hin zu früh auf der Bühne. Für solch professionelle Musiker wie die Tina Dicos natürlich kein Problem, doch die Situation war für einen kleinen Lacher innerhalb der Musiker gut und bewies dem Publikum zeitgleich die Einzigartigkeit eines jeden Auftrittes der Künstlerin. Dass zusätzlich noch Songwünsche, die via Facebook eingegangen waren, erfüllt wurden („Glow“), bestätigt ebenfalls die Wandelbarkeit der täglichen Setlist.

Ihre musikalische Vielseitigkeit bewiesen die Musiker immer wieder im Verlauf des Abends. Vor allem bei „Break Of Day“ konnte sich Helgi Jonsson ganz an der Posaune ausleben und während des langgezogenen Intros die besondere Akustik der Philharmonie spielerisch und mit beinahe kindlicher Freude ergründen. Sowohl Dennis wie auch Bassist Kristian Kold überzeugten nicht nur an ihren Hauptinstrumenten, sondern wechselten auch für Titel wie „Moon To Let“ an die Synthesizer, um das spezielle Klangbild des Songs zu erzeugen. Schlagzeuger Thor Thorvaldsson darf dabei keineswegs vergessen werden, denn auch er bestach mit Spielfreude, Geschwindigkeit und Talent. Über all dem schwebte Tina Dico förmlich im Scheinwerferlicht durch ihre Energie, ihren Charme und die Schönheit ihrer Musik.

Auch hinter „You Wanna Teach Me To Dance“ verbirgt sich natürlich eine Geschichte, die die Künstlerin lachend mit ihrem Publikum teilte und dabei gestand, ein hoffnungsloser Fall zu sein und einfach nicht tanzen zu können. Umso begeisterter wurde sie während des Songs für kleine Einlagen gefeiert. „Count To Ten“ lockte das verhaltene Publikum schließlich ganz aus der Reserve. Begeistert mitgesungene Liedzeilen überraschten schließlich sogar Tina selbst, denn der Klang war schlichtweg überwältigend. Die Zugaben vergingen schließlich scheinbar wie im Flug ehe Tina für „Copenhagen“ zum Abschluss einmal mehr allein auf der Bühne zurück blieb. Nochmals war das Gesangstalent des Publikums gefordert, das die Zeile „Right Here“ übernahm und Tina mit dieser schlichten Melodiezeile und anschließenden Standing Ovations endgültig von der Bühne verabschiedete.

Zurück blieb das Gefühl, Teil eines großartigen Konzertes gewesen zu sein und das Wissen, eine großartige Künstlerin erlebt haben zu dürfen, deren Musik verzaubert, das Herz berührt und mitreißt. Warum Tina Dico in Deutschland immer noch ein Geheimtipp ist, wird zumindest den Zuschauern des Konzertabends ein Rätsel bleiben.

Setlist Paper Aeroplanes:

  • Days We Made
  • Cliché
  • Safe Hands
  • Fable
  • Palm Of Your Hand
  • Orange Lights
  • My First Love

Setlist Tina Dico:

  • The Time Of Our Lives
  • True North
  • No Time To Sleep
  • Back Where We Started
  • Nobody's Man
  • We're All Experts
  • On The Run
  • Cruel To The Sensitive
  • Solo – Let's Get Lost
  • Duo - Glow
  • Duo Break Of Day
  • Trio Goldhawk Road
  • Moon To Let
  • Sacre Coeur
  • Warm Sand
  • Open Wide
  • You Wanna Teach Me To Dance
  • Count To Ten
  • One
  • You Leave You Learn
  • Copenhagen

für CDstarts.de

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