Katie Melua Live: Düsseldorf, 24.10.2012, Mitsubishi Electric Halle

  • 26.10.2012
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Katie Melua - Live: Düsseldorf, 24.10.2012, Mitsubishi Electric Halle - News
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Ein intimer Abend mit großartigen Stimmen und vielen kleinen Geschichten.

Mit ihrem neuen Album „Secret Symphony“ (03/2012) erfüllte sich die georgisch-britische Sängerin Katie Melua einen kleinen Traum, denn sie spielte, wie der Name vielleicht schon verrät, die Stücke gemeinsam mit einem kleinen Symphonieorchester ein. So arrangiert erweitern sie die musikalische Bandbreite der sowieso nur schwierig einzuordnenden Sängerin nur noch mehr. Ihre Musik ist irgendwie Pop, gewürzt mit Blues und Jazznoten, einem Hauch Country oder Folk. Sie ist sanft, verspielt und versprüht doch auf ihre Art Energie und Freude. Kurz: Sie lässt sich nicht in eine Schublade stecken und ist vielleicht gerade deshalb so interessant und sympathisch.

Natürlich ist ein neues Album auch Grund, die Bühnen der Welt zu bereisen. Schließlich wollen die Fans sich nicht nur über einen Longplayer, sondern auch über die Live-Versionen der Stücke freuen dürfen. Ein Halt in Düsseldorf stand ebenfalls auf dem Programm, für den die Mitsubishi Electric Halle extra komplett bestuhlt wurde. Doch bevor es für Katie selbst an der Zeit war, das Publikum zu verzaubern, oblag es der Australierin Kate Miller-Heidke, den Zuschauern ihre Musik ein wenig näher zu bringen. Die aus Brisbane stammende Sängerin hatte ebenfalls ein neues Album im Gepäck, das den Titel „Nightflight“ (04/2012) trägt. Gut 30 Minuten gehörte ihr die Bühne und damit die Aufmerksamkeit der unglaublich ruhigen Fans, denen Begeisterung nur schwer zu entlocken war. Das war allerdings, wie sich im Verlauf des Abends herausstellte, keinesfalls die Schuld der Künstlerin selbst. Kate verzauberte, nur von einem Gitarristen begleitet, mit schlichten Melodien und unglaublicher Stimme. Vor allem die Mischung aus schlichten, sanften Poplinien und präzise ausgeführtem Soprangesang sorgten für den einen oder anderen Wow-Moment und gaben damit sowohl ihrem Auftritt wie auch ihrer Musik den nötigen Wiedererkennungswert, der bei zu vielen Support-Acts fehlt.

Anschließend war es an der Zeit, den Abend mit Katie Melua endlich zu beginnen. Mit noch komplett verhüllter Bühne präsentierte sie sich zunächst nur mit ihrer Gitarre bewaffnet in entsprechend schlichtem Gewand. So präsentiert sich die Sängerin zwar durchaus von einer ihrer besten Seiten, zögerte aber auch gleichzeitig die Spannung auf das Gesamtbild hinaus. Einzig die vier Damen des Secret Symphony Orchesters erscheinen zunächst neben Katie und erweiterten damit die bisher einfache Klangwelt des Abends. Erst mit „The Closest Thing To Crazy“ fiel der Vorhang und gab damit nicht nur den Blick auf das Bandarrangement, sondern auch auf ein bezauberndes und gleichzeitig schlichtes Bühnenbild frei, das vor allem der Lichttechnik zahlreiche Möglichkeiten bot, die Musiker in bestes Licht zu setzen.

Insgesamt gestaltete die Künstlerin den Abend unglaublich einfach und intim zugleich. Immer wieder ergriff sie zwischen den Songs das Wort, um die Fans an kleinen Anekdoten teilhaben zu lassen und gab ihren Liedern damit eine ganz besondere Note. So erfuhr das Publikum zum Beispiel von ihrer Heirat, davon dass ihr Pianist Jim Watson sie ihrem Ehemann vorgestellt hatte und der Tatsache, dass es eigentlich schade wäre, denn Herzschmerz wäre für sie immer ein guter Grund gewesen, diesen und auch die Rachegedanken an die Männer musikalisch zu verarbeiten. Auch ihre Familie und damit ihre Heimat Georgien wurden immer wieder Thema an diesem Abend. „Gasoline Alley“ erzählt von Heimweh, das sie selbst vor allem nach Telefonaten mit ihrer Großmutter immer wieder verspürt. „If The Lights Go Out“ führt zurück in ihre Kindheit, in der in Georgien in jeder Nacht der Strom abgestellt wurde. Die Familie nutzte diese Abende, um sich am Klavier zu versammeln und gemeinsam Musik zu machen und dies ist wahrscheinlich auch Grund für Katies Liebe zur Musik.

Ihre Vielseitigkeit bewies die Sängerin nicht zuletzt bei Titeln wie „The Flood“, für die sie die Gitarre zur Seite legte und engelsgleich und kraftvoll begann, die gesamte Bühnenfläche zu nutzen. Schade nur, dass selbst deutliche Rhythmen und Mid-Tempo-Nummern das Publikum nicht dazu motivieren konnten, ein wenig aktiver zu werden. Katies Musik lud mit abwechslungsreichem Set durchaus das eine oder andere Mal dazu ein, zumindest mit dem Fuß zu wippen oder schnippend und klatschend in den Rhythmus einzufallen, doch an diesem Abend schien das nicht Teil des Programmes zu sein. Schade für die Künstlerin, die auf der Bühne durchaus Lebensfreude und Begeisterung versprühte.

Natürlich dürfen auch ihre Musiker nicht vergessen werden. Allen voran sind Henry Spinetti (Schlagzeug) und Tim Harris (Bass) zu nennen, die Katie seit Jahren begleiten. Auch Jim Watson durfte an diesem Abend nicht am Klavier fehlen. Neuste Ergänzungen des Line Ups sind ihr Gitarrist sowie die Damen des Secret Symphony Orchesters. Sie alle bewiesen ihr Talent im Verlauf des Abends und unterstrichen damit die Darbietung der Sängerin ideal, was beim musikalischen Abwechslungsreichtum Katies durchaus kein leichtes Unterfangen ist. Denn genau diesen bestätigte die Künstlerin während ihres gut anderthalbstündigen Konzerts: zwischen Jazznoten und Bluesvibes tummelten sich schlichte Popklänge, gefühlvolle Balladen, eine Prise Folk und damit jede Menge Gefühl, Persönlichkeit und Einzigartigkeit. Sie versteht sich einfach darauf, Gefühle in Musik zu verpacken und bewies genau dieses Talent auch an diesem Abend.

Trotz allem blieb es nicht aus, festzustellen, dass das Konzert gemischte Gefühle hinterließ. Natürlich sind das Talent und die musikalische Darbietung Katie Meluas nicht in Frage zu stellen, denn die Sängerin verstand sich durchaus darauf mit ihrem Charme zu verzaubern und mit ihrer Stimme die Herzen der Zuschauer zu berühren. Und doch fehlte dem Auftritt ein wenig an Dynamik, die nur im Kontakt zwischen Künstler und Publikum entstehen kann. Dieser Funke, wenn das Gefühl des Songs die Zuschauer packt und sie sich nicht mehr erwehren können, mitzusingen, zu tanzen, zu klatschen oder zu schnippen und ihre Begeisterung über das Werk des Musikers mit mehr als höflichem Applaus Tribut zollen. Katie Melua hätte es für ihre Darbietung durchaus verdient.

Setlist:

  • Piece By Piece
  • If You Were A Sailboat
  • To Kill You With A Kiss
  • The Closest Thing To Crazy
  • Mary Pickford
  • The Flood
  • A Moment Of Madness
  • Gasoline Alley
  • Somewhere In The Same Hotel
  • Shy Boy
  • If The Lights Go Out
  • The Walls Of The World
  • Secret Symphony
  • The Bit That I Don't Get
  • Forgetting All My Troubles
  • The Night I Dreamed I Was Awake
  • Call Off The Search
  • Moonshine
  • Two Bare Feet
  • Nine Million Bicycles
  • I Cried For You

für CDstarts.de

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