Melody Gardot Live: Köln, 01.11.2012, Philharmonie

  • 05.11.2012
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Melody Gardot - Live: Köln, 01.11.2012, Philharmonie - News
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Auf musikalischer Weltreise mit Melody Gardot!

Melody Gardot gehört zu den großen Sängerinnen unserer Zeit, die mit einzigartiger Stimme Gefühle in Melodien webt, wie man es nur selten erleben darf. Dabei ist es einem Unfall zu verdanken, dass sie ihre Liebe zur Musik entdeckte. Mit 19 erlitt die heute 27-Jährige schwere Kopf- und Beckenverletzungen, aufgrund derer sie heute auf einen Stock angewiesen ist und sich mit einer Sonnenbrille vor Lichtempfindlichkeit schützen muss. Ihr Arzt riet ihr zu einer Musiktherapie, um dieses schwere Trauma zu verarbeiten und noch im Krankenhaus nahm die Musikerin ihre erste EP „Some Lessons: The Bedroom Sessions“ auf. Mit „The Absence“ (05/2012) erschien nun ihr bereits dritter Longplayer, der die Künstlerin auch auf Tournee führte. Neben Berlin, Frankfurt und Hamburg stand auch ein Zwischenstopp in Köln auf dem Programm der jungen Dame aus Philadelphia.

Die für viele Künstler beeindruckende Kölner Philharmonie bot dazu den idealen Rahmen, um die Musikerin vor ausverkaufter Halle erleben zu dürfen. Begleitet wurde sie dabei von Luisa Sobral aus Portugal. Gut 30 Minuten lang durfte sich das Publikum an schlichtem und eindrucksvollem Jazz erfreuen, den Luisa lediglich in Begleitung eines Kontrabass-Spielers bestritt. Ihr Schlagzeuger konnte sie leider nicht auf Tour begleiten, weshalb vor jedem Stück die entsprechenden Rhythmen mit einem Sampler aufgenommen wurden, was zwar durchaus zu einer kleinen Panne führte, gleichzeitig aber das Improvisationstalent und die Ruhe der Künstlerin bewies.

Als große Inspiration nannte sie „The Köln Concert“ von Keith Jarrett und war entsprechend erfreut, nun selbst in dieser Stadt spielen zu dürfen. Mit viel Charme erspielte sie sich die Begeisterung des Publikums und schaffte es sogar mehr als einmal, dieses zum Singen zu animieren und damit die unglaubliche Akustik der Philharmonie ganz auszunutzen. Ihre Coverversion des Britney Spears-Hits „Toxic“ war wohl die größte Überraschung ihres Sets, die gleichzeitig auch aufgrund seiner eigensinnigen Darbietung die größte Begeisterung hervorrief. Außerdem führte sie die Zuschauer in die Kunst des Fado, eines klassischen Musikstils ihrer Heimat, ein.

Nach kurzer Pause präsentierte sich Melody Gardot schließlich in großartig gestaltetem Bühnenbild und mit starker Live-Band. Der Fokus des knapp 2-stündigen Auftritts lag natürlich auf dem aktuellen Album „The Absence“, bot aber gleichzeitig eine ausgewogene Mischung, so dass auch die vorangegangene LP „My One And Only Thrill“ nicht zu kurz kam. So entführte sie das Publikum auf eine musikalische Reise, die Zwischenstopps in Portugal („Lisboa“), Buenos Aires („Goodbye“, „So We Meet Again, My Heartache“) und Brasilien („Mira“, „Iemanja“) vorsah.

Melody Gardot selbst präsentierte sich als exzentrische Diva, ganz in schwarz und wie gewohnt mit Sonnenbrille und Stock. Ihre Haare verhüllte sie in komplex gewickeltem Turban, so dass ihre gesamte Präsentation auf ihre Art die Optik zurücktreten ließ und ihre Stimme und das musikalische Klanggeflecht völlig in den Vordergrund stellte.

Eben diese Stimme ist es, die den Abend schlichtweg unvergesslich werden ließ. Melody Gardot verzauberte mit Abwechslungsreichtum und einer Bandbreite an Gefühl, wie man es wirklich selten findet. Scheinbar mühelos wob sie Schmerz, Freude, Liebe und Trauer in ihre Melodien und legte dabei allein durch schlichte Gesten eine Dramatik an den Tag, die ihresgleichen sucht. Die ihr inne liegende Klangfarbe bewies sich dabei ebenso abwechslungsreich und einzigartig und ließ dabei keine Zweifel offen, warum die Künstlerin oft und gerne mit Größen wie Ella Fitzgerald oder Nina Simone verglichen wird.

Auch ihre Musiker glänzten auf höchstem Niveau und bewiesen sich der kunstvollen Klangteppiche, die Melody in ihren Songs kreiert hat, als absolut würdig. Immer wieder traten die Bandmitglieder dabei in zahlreichen Soli in den Vordergrund und überraschten das Publikum mit abwechslungsreichen Einlagen. Egal ob das gleichzeitige Spiel zweier Saxophone, gefühlvollem Cellospiel, starken Gitarrenriffs oder abwechslungsreichen Schlagzeug- und Percussioneinlagen – jeder Musiker erhielt seinen Moment im Rampenlicht und bewies dabei Talent und Können. In typischer Philharmonie-Manier zeigte sich das Publikum dagegen zunächst eher zurückhaltend. Bei „Who Will Comfort Me“ gelang es der Künstlerin allerdings, diese Zurückhaltung zu überwinden und die Zuschauer aus der Reserve zu locken. So wurden die letzten Lieder des Abends genutzt, um das Publikum auf die Füße zu locken und sowohl Gesangs- wie auch Tanzkünste unter Beweis zu stellen.

Ingesamt begeisterten Melody Gardot und ihre Musiker auf ganzer Linie. Ihre Liebe zur Musik war dabei förmlich greifbar und derart packend, dass die Gefühle der Musik förmlich auf die Zuschauer übersprangen und sie die Welt zumindest für einen kurzen Moment völlig vergessen ließen.

Setlist:

  • No More My Lord
  • The Rain
  • Goodbye
  • Mira
  • Les Etoiles
  • Our Love Is Easy
  • So We Meet Again, My Heartache
  • Lisboa
  • My One And Only Thrill
  • Baby I'm A Fool
  • Who Will Comfort Me
  • Iemanja
  • Summertime

für CDstarts.de

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