Gabrielle Aplin Live: Köln, 26.11.2012, Studio 672

  • 30.11.2012
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Gabrielle Aplin - Live: Köln, 26.11.2012, Studio 672  - News
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Der Deutschlanddebüt der Engländerin in Köln.

Die zierliche Engländerin Gabrielle Aplin gehört zu den ambitionierten Youtube-Stars unserer Zeit. Ohne starke Plattenfirma im Rücken schaffte es die 20-Jährige, sich über ihren Kanal auf der Videoplattform eine starke Fanbase zu erspielen, die sie nicht nur mit eingängigen Coverversionen, sondern auch mit handgemachter Musik zu begeistern verstand. Entsprechend war es nicht verwunderlich, dass auch die Medien in Großbritannien auf sie aufmerksam wurden und sie bereits 2010 zum ersten Mal bei der Lokalstation der BBC in ihrer Heimat Wiltshire zu hören war. Inzwischen ist sie bei Parlophone/EMI unter Vertrag, bei denen ihr Debütalbum Anfang 2013 erscheinen wird. An einem exklusiven Showcase und damit auch gleichzeitig ihrem ersten Auftritt in Deutschland, durfte sich das Publikum in Köln erfreuen.

Bevor allerdings die zarten Pop-Klänge der Engländerin an der Tagesordnung standen, war es an Jonas David, die Rolle des Supports zu übernehmen. So richtig zu überzeugen wusste der Musiker in seinem 40-minütigen Set leider nicht. Seine introvertierte, ganz in der Musik verlorene Art, war dabei das größte Problem, denn er schaffte es einfach nicht, eine wirkliche Verbindung zum Publikum aufzubauen. Immer wieder begann er mit kleinen Erzählungen, die den Humor der Zuschauer schlichtweg nicht trafen und entsprechend das Eis nicht zu brechen wussten. Musikalisch muss man ihm durchaus positive Ansätze zusprechen, doch vor allem Undeutlichkeiten in den Vocals machten zumindest die Lyrics seiner Songs nur schwer verständlich. Schade eigentlich, denn auch an technischem Geschick fehlte es ihm eindeutig nicht, wie man immer wieder in seinen Liedern feststellen durfte. Mit viel Liebe zum Detail baute er sich mit Hilfe eines Paddle Boards Mehrstimmigkeit und Tiefe auf. Dass er damit aber expressionistisch und experimentell manchmal den Bogen ein wenig überspannte und so eine gewisse Langatmigkeit erzeugte, war nicht gerade förderlich.

Anders wurde es glücklicherweise mit Gabrielle Aplin selbst. Die junge Britin begeisterte augenblicklich mit einer Bühnenpräsenz und Selbstsicherheit, die deutlich machte, dass diese Musikerin für die Bühne geboren ist. Ihr knapp 60-minütiges Set reichte völlig aus, um das Publikum des gut gefüllten Studio 672 von den musikalischen Qualitäten der Newcomerin zu überzeugen. Fokus des Abends waren natürlich die Eigenkompositionen der Sängerin, die auf ihren drei EPs „Acoustic“, „Never Fade“ und „Home“ bereits veröffentlicht wurden bzw. Teil ihres Debütalbums sein werden, das Anfang 2013 erscheinen soll. Cover-Versionen, durch die viele die Künstlerin auf Youtube kennenlernen durften, nahmen dabei den geringsten Teil ein, wenn auch der eine oder andere bestimmt gerne mehr davon gehört hätte. Doch es waren gerade ihre Originals, die ihr Talent in allen Facetten zeigten und das Publikum an diesem Abend so verzauberten. Mit viel Gefühl und großer Natürlichkeit entwickelten sie sich mal balladesk, mal mit dem nötigen Pepp und einer Leichtigkeit, die einfach nur Spaß machen konnte. Ihre Stimme ist dabei unverkennbar, in ihr liegt eine Prise Soul, eine Prise Folk, etwas Frisches und doch Altes zugleich. Sie verzaubert und ihre Melodien gehen ins Ohr, ohne dabei zu aufdringlich zu sein - eine Mischung, die gerade in gegenwärtiger Popmusik keine Alltäglichkeit ist, dieses Konzert allerdings zu einer Entdeckung für sich machte.

Ihre Natürlichkeit und gleichzeitig auch ihre Professionalität musste Gabrielle an diesem Abend schon zu Anfang des Konzerts beweisen. Den größten Albtraum eines jeden Musikers - die eigene Musik zu vergessen, gerade bei einem neuen Song - überspielte sie mit einem Lächeln, ging zum nächsten Lied über und fand so ihren Rhythmus problemlos wieder. Ein Cover dufte in der eigentlichen Setlist natürlich doch nicht fehlen - Gabrielles Version des Klassikers „The Power Of Love“, der in Großbritannien in der Werbung für John Lewis zu hören ist und ihr entsprechend in ihrer Heimat bereits größere Medienpräsenz bescherte. Das finale „Fix You“ dagegen war eher eine spontane Entscheidung. Die Zugaberufe des Publikums lockten die Britin zurück auf die Bühne und forderten das Improvisationstalent der Sängerin. Sie entschied sich für einen Wunsch des Publikums und verzauberte mit dem Coldplay-Cover ein letztes Mal, ehe sie sich endgültig von der Bühne verabschiedete.

Auch nach dem Konzert zeigte sie sich ganz natürlich, nahm sich viel Zeit für Fotos und Autogramme und rundete so das Bild einer charmanten Künstlerin ab. Gabrielle Aplin schaffte es, mit ihrem Talent auf ganzer Linie zu bestätigen, was man bereits von ihr dank Youtube kennt. Man darf entsprechend nicht nur gespannt auf ihr Debütalbum Anfang 2013, sondern allgemein auf die Zukunft der Musikerin blicken!

Setlist:

  • Panic Chord
  • How Do You Feel Today?
  • Rings Round Roses
  • Keep Pushing Me
  • Salvation
  • The Power Of Love
  • Not Your Problem
  • Please Don't Say You Love Me
  • Evaporate
  • Home
  • Fix You

für CDstarts.de

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