Tarja Live: Oberhausen, 05.12.2012, Luise-Albertz-Halle

  • 09.12.2012
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Tarja Turunen - Live: Oberhausen, 05.12.2012, Luise-Albertz-Halle - News
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Christmas In The Hearts.

Tarja Turunen zählt zu den großen Stimmen der weltweiten Metal-Szene. Bekannt durch ihre Zeit bei Nightwish, hat sie es inzwischen geschafft, sich als Solo-Künstlerin zu festigen. Ihr letztes Studio-Album „What Lies Beneath (09/2010) liegt bereits 2 Jahre zurück, die die Sängerin mit ausgiebiger Tournee zum Album verbrachte. Das Live-Werk „Act I“ (08/2012) ist Beweis ihrer großartigen Live-Präsenz. Inzwischen arbeitet die Sängerin auf Hochtouren am nächsten Studio-Album, unterbricht dies jedoch derzeit für ihre Weihnachtstournee. In Oberhausen lud sie in die Luise-Albertz-Halle ein, die Vorweihnachtszeit auch musikalisch einzuläuten.

Noch bevor Tarja und ihre Musiker auf die Bühne kamen, wurde das Publikum auf die Verhaltensweisen eines Klassik-Konzerts hingewiesen. Entsprechend ruhig verhielt es sich im Verlauf des gesamten Konzerts und zollte der Sängerin dadurch mit verhaltener Begeisterung Tribut. In schlichtem Arrangement nur mit Piano, Cello und Geige, dafür immerhin in wie gewohnt eindrucksvollem Outfit, erschien Tarja schließlich ohne große weitere Ankündigungen auf der Bühne und bewies schon mit dem ersten Song „Pie Jesu“, welch großartige Stimme in ihr steckt. Das Stück, das in der Regel Teil des Requiems ist, an diesem Abend dargeboten in der Version von Andrew Lloyd Webber, versetzte das Publikum augenblicklich in andächtiges Staunen und schürte die Gänsehautstimmung des Abends.

Neben solchen klassischen Arrangements, zu denen auch das „Panis Angelicum“ gehörte, lag der Fokus des Abends auf den Melodien der besinnlichen Jahreszeit. Dabei fand sie eine harmonische Mischung aus Titeln ihrer Heimat sowie typisch amerikanischen Klassikern. Auch das traditionelle Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, gesungen in seiner Originalversion entsprechend mit deutschem Text als Zugabe und damit Abrundung des Abends, durfte nicht fehlen.

Tarja selbst überzeugte auf ganzer Linie und bestätigte damit den Ruf, der ihr und ihrer Stimme voraus eilt. Jeder noch so schwierige Ton saß einfach perfekt, jedes Wort war präzise auf den Punkt gebracht. Ihre Bühnenpräsenz bedurfte grade bei diesem klassischen Setting keiner großen Untermalung, das perfekte Licht und minimale Gestik reichten völlig aus. Vergleicht man die Darbietung des Abends mit älteren Auftritten und auch Aufnahmen ähnlicher Art, bleibt es nicht aus, festzustellen, dass sich die Sängerin stetig weiterentwickelt und Tarja trotz ihres bereits existenten sehr hohen Levels immer noch mit Steigerung überraschen kann.

Leider blieben die negativen Seiten an diesem Abend nicht ganz aus. Zunächst konnten ihre Musiker leider nicht wirklich überzeugen. Generell ist man von Tarja durch Größen wie Mike Terrana, Max Lilja, Alex Scholpp, Kevin Chown, ihrem Songwriter Christian Kretschmar sowie ihrer Band Harus nur das Beste aus ihren Live-Shows gewohnt. Präzision, Talent und Können, die ganz auf dem Level der Sängerin selbst liegen und sich darauf verstehen, deren Gesang ideal zu unterstreichen. An diesem Abend suchte man diese Qualitäten manchmal vergeblich. Es fehlte einfach an der Harmonie des Gesamtbildes und an der musikalischen Präzision. Schade.

Einen endgültig zwiespältigen Nachgeschmack erhielt das Konzert dann allerdings, als Tarja bereits nach 60 Minuten zum ersten Mal von der Bühne abging. Lediglich eine Zugabe konnte das Publikum der Sängerin schließlich noch entlocken und bereits nach 70 Minuten war der Zauber vorbei. Die Enttäuschung stand vielen Fans deutlich ins Gesicht geschrieben, ist es doch für Fans der Sängerin nichts seltenes, dass sie sich auch aus weitläufigerem Umland für ihre Konzerte versammeln. Von einer Künstlerin mit so umfassendem Repertoire, von der man in ihren regulären Konzerten Spielzeiten von zwei bis drei Stunden gewohnt ist, hätten viele doch ein wenig mehr erwartet.

Die Vorfreude auf ihr nächstes Album, das im Herbst 2013 erscheinen soll, schmälert dieses Erlebnis allerdings nicht. Tarja bewies an diesem Abend, dass sie stimmlich auf unglaublich hohem Niveau glänzen kann und ihre Bühnenpräsenz war einnehmend wie eh und je. Somit war das Konzert allein durch Tarja und ihre Stimme großes Kino, das den faden Beigeschmack der Spielzeit allerdings nicht ganz unter den Tisch gekehrt bekommt.

Setlist:

  • Pie Jesu
  • Panis Angelicum
  • En etsi valtaa loistoa
  • Varpunen jouluaamuna
  • Mökit nukkuu lumiset (Instrumental)
  • Jul, jul, stralande jul
  • Ave Maria (Eigenkomposition)
  • The Christmas Song
  • Valkea Joulu/ White Christmas
  • Joulpukki matkaan/ Santa Clause Is Coming To Town (Instrumental)
  • Ave Maria (Schubert)
  • You Would Have Loved This
  • Walking In The Air
  • Stille Nacht, heilige Nacht

für CDstarts.de

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