Subway To Sally Live: Bochum, 26.12.2012, RuhrCongress

  • 02.01.2013
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Subway To Sally - Live: Bochum, 26.12.2012, RuhrCongress - News
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Eisheilige Nacht featuring Die Apokalyptischen Reiter und Russkaja.

Die Eisheilige Nacht von Subway To Sally hat inzwischen Tradition und gehört neben zahlreichen Festivals im Sommer zu den fixen Veranstaltungsterminen vieler Fans. Die Tour siedelt sich grundsätzlich zum Jahresende hin an und versüßt vielen die traditionellen Feiertage. Subway To Sally bestreiten diese Shows natürlich nicht allein, sondern laden immer wieder unterschiedliche Bands ein. Im Jahr 2012 gibt es dabei besonderen Grund zur Freude, denn die Musiker feiern 20-jähriges Bühnenjubiläum. Entsprechend hat man sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Neben der Unterstützung durch Fejd, Russkaja und die Apokalyptischen Reiter spielen StS selbst zwei Shows an jedem Konzertabend.

Nach kurzer Begrüßung durch Eric Fish eröffneten Fejd den Abend. Die schwedische Folk-Metal-Band blickte auf ein noch etwas verhaltenes Publikum. 25 Minuten lang durfte sie sich mit ihrem ganz eigenen Sound, der auf der Mischung traditioneller Instrumente und moderner Metal-Klänge basiert, die Gunst des Publikums erspielen. Die Umsetzung von Licht und Sound machten es allerdings ein wenig schwierig für die Zuschauer, den Auftritt richtig genießen zu können. Eine Mischung aus Farbe und nicht vorhandenem Licht ließen die Musiker lediglich als bunte Schemen auf der Bühne erscheinen. Der Sound gestaltete sich als breiige Masse, die es nicht nur unmöglich machte, Details zu erraten, sondern auch die Chance nahm, einzelne Instrumente überhaupt zu hören. Auch der Gesang, der eigentlich von Mythen und Märchen erzählen sollte, verschwand selbst für diejenigen, die der schwedischen Sprache mächtig sind, in völliger Unverständlichkeit. Zum Glück für die Band ließ sich das Publikum von diesen schlechten Umfeldbedingungen nicht ganz beeinflussen, sondern taute zügig auf und zollte der Band den nötigen Tribut, den sie eigentlich verdient hätten. Zugaberufe nach Verabschiedung der Musiker bestätigten, dass viele gern mehr von der Band gehört hätten.

Anschließend übernahmen die Gastgeber selbst zum ersten Mal die Bühne. Dem Jubiläum zu Ehren schickten sie sich selbst und damit auch ihr Publikum auf eine Zeitreise zu den Anfängen der Bandgeschichte. Statt gewohnter Routine aus 20 Jahren Erfahrung, versuchten die Musiker, sich ihrer Wurzeln zu entsinnen, was durch Zwischenkommentare Erics immer wieder deutlich wurde. Natürlich ging es auch musikalisch entsprechend zeitlich zurück. Die Songauswahl beschränkte sich auf die ersten drei Alben der inzwischen durchaus umfassenden Diskografie der Musiker. StS wären allerdings nicht sie selbst, wenn sie es nicht schaffen würden, auch damit das Haus gehörig zu rocken. Neben gewohnter Feuershow in Form eines feuerspuckenden Eric Fish, sorgte vor allem eine Showeinlage bei „Die Braut“ für gewisses Staunen im Publikum. Passend zu den Lyrics wurde ein großer Teddybär mit einer Axt erlegt. Während der Show konnte außerdem nicht nur Eric sein Gesangstalent unter Beweis stellen, sondern gab die Leadstimme für einen Song an Simon ab. So verflogen die 30 Minuten der Zeitreise förmlich und das Publikum war nun schon so richtig in Fahrt.

Subway To Sally Zeitreise

  • Die Hexe
  • Sag dem Teufel
  • An der Zeit
  • Die Ratten
  • Grabrede
  • Die Braut / Der Bräutigam

So guter Stimmung, war die Zeit für Russkaja gekommen. Die Musiker aus Wien sind vor allem vielen Festival-Besuchern bereits ein Begriff, auf denen die Band in den vergangenen Sommern immer wieder gastierte, und wurden von diesen begeistert empfangen. Für jene, denen die Band, der ein gewisser Ruf als starke Live-Band vorauseilt, noch fremd war, vielleicht etwas schwere Kost, doch spätestens nach den ersten Minuten hatten die Künstler das Publikum vollständig um den Finger gewickelt.

Musikalisch ist die Band komplex aufgebaut: Zunächst sind die Grundinstrumente Gitarre, Bass und Schlagzeug vertreten, was nicht weiter ungewöhnlich wäre. Hinzu kommen allerdings Geige und zwei Bläser, die zu einem doch etwas eigensinnigerem Sound führen. Dreisprachiger Gesang (Deutsch, Russisch, Englisch) rundet diese Komplexität noch ab. Heraus kommt eine nicht ganz definierbare Mischung aus russischen Einflüssen, Ska, Punk, Polka und Rock. Dieses Resultat mag auf einer Platte ein wenig anstrengend sein, doch nicht jede Band ist für das heimische Wohnzimmer gemacht, sondern gehört einfach auf die Bühne.

So auch Russkaja, die mit dieser skurrilen Mischung die Massen begeisterten und einfach nur für gute Laune sorgten. Immer wieder suchten sie dafür den direkten Kontakt zum Publikum, das für jede Schandtat bereit war. So erweiterte sich das gewohnte Bild einer pogenden Menge zum Beispiel durch den Psycho Traktor, für den die Zuschauer in einem großen Kreis laufen. Was im ersten Moment seltsam klingen mag, funktioniert nicht nur, sondern sorgt - egal wo - für gewaltige Stimmungsspitzen, wie Videos aus Wacken oder dem Nova Rock beweisen. 45 Minuten lang sorgten die Musiker so für gute Laune, jede Menge Spaß und auf jeden Fall einige unvergessliche Momente.

Die folgenden 50 Minuten gehörten den Apokalyptischen Reitern, was mit einem weiteren Genrewechsel verbunden war. Es wurde wieder härter und ernster, die Zuschauer aber nicht weniger begeistert. Auch die Reiter boten eine großartige Show, die sich nicht nur musikalisch auf hohem Niveau gestaltete, sondern auch mit vielen Effekten unterlegt war. Roter Konfettiregen zum Ende von „Revolution“ und ein bewegliches Bühnenelement, das Sänger Fuchs fahnenschwenkend in die Höhe beförderte, waren erst der Anfang einer zudem optisch stark untermalten Show. Auch bei den Apokalyptischen Reitern wurde es heiß, als Fuchs ebenfalls seine Künste als Feuerspucker unter Beweis stellte. Das Publikum wurde immer wieder gefordert und in die Show der Musiker eingebunden. Direkte Kommunikation und nicht zuletzt die Aufforderung zum Stagediving bauten so mühelos direkten Kontakt zu den Fans auf, die die Band durchaus zu feiern wussten. Die Künstler selbst bewiesen Showtalent und musikalisches Können. Mit dem letzten Song „We Will Never Die“ warfen sie zudem durch Akustikgitarre und dem damit sehr ruhigen Anfang des Songs noch eine Prise Variabilität auf den Tisch.

Setlist:

  • ... vom Ende der Welt
  • Erwache
  • Es wird schlimmer
  • Revolution
  • Du kleiner Wicht
  • Der Adler
  • Wir reiten
  • Nach der Ebbe
  • Adrenalin
  • Komm
  • Seemann
  • We Will Never Die

Man könnte nun meinen, das Publikum sei so langsam am Ende seiner Kraft, doch völlig falsch gelegen! Mit großem Knall erscheint endlich die Band erneut, auf die sich die Fans an diesem Abend am meisten gefreut hatten: Subway To Sally. Die Musiker legten für das Finale des Abends nicht nur stark, sondern rundum gewaltig los und lösten damit Energiewellen im Publikum aus, die man sich schon im Verlauf des Abends gewünscht hatte. Endlich feierte das Publikum nicht mehr nur, sondern explodierte förmlich vor Begeisterung für die Band, deren Musik und die dargebotene Show. Immer wieder hoben sie die Stimmen, um die Künstler mit starkem Fanchor zu unterstützen oder sogar Teile der Songs ganz zu übernehmen. Für jeden Schabernack waren sie auch zu haben. So wanderte Eric Fish während „Das Schwarze Meer“ nicht nur stagedivend über das Publikum, sondern schaffte es auch für „Besser du rennst“ die Zuschauer zu motivieren, passend zum Text im Kreis zu laufen.

Folgte man nicht der Interaktion der Künstler, wurde getanzt, gepogt und kräftig gefeiert. Natürlich durften auch reichliche Effekte nicht fehlen. Künstlicher Schnee, Feuersäulen, Rauchsäulen, Funkenregen, buntes Feuer, Flammenschalen, eine Flammenleiste - das Rundumpaket, das nicht nur zur Band passte, sondern auch immer wieder die Songs effektiv unterstrich und so für gewisse Akzente sorgte. So entwickelte sich die knapp 90-minütige Show zu einem fulminanten Höhepunkt des Konzertabends. Subway To Sally zeigten sich routiniert, gewohnt unglaublich stark und in perfektem Zusammenspiel sowohl untereinander wie auch mit dem Publikum. Eine ausgewogene Setlist wurde dem Jubiläum gerecht und ließ kaum ein Highlight der Bandgeschichte aus.

Subway To Sally ist live immer wieder ein großartiges Erlebnis für alle Sinne. Ihre Melodien gehen ins Ohr, ihre Rhythmen ins Blut und die Spielfreude und Begeisterung, die die Musiker selbst ausstrahlen machen schlichtweg Spaß! Auch 2013 wird es wieder eine Eisheilige Nacht-Tour geben, deren Line-up bereits feststeht. Lord Of The Lost, Lordi und Korpiklaani werden Subway To Sally dann begleiten und hoffentlich ein ebenso großes Fest veranstalten, wie es Fejd, Russkaja und die Apokalyptischen Reiter 2012 tun konnten.

Subway To Sally Rockshow:

  • Ouvertüre / Eisblumen
  • Das Schwarze Meer
  • Henkersbraut / Falscher Heiland / Knochenschiff / Rätsel II
  • Liebeszauber
  • Bis in alle Ewigkeit
  • Wenn Engel hassen
  • Mephisto / Unsterblich
  • Auf Kiel
  • Kleid aus Rosen
  • Tanz auf dem Vulkan
  • Besser du rennst
  • Sieben / Ohne Liebe / Veitstanz

Zugaben:

  • Seemannslied
  • Julia und die Räuber

für CDstarts.de

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