Frei.Wild Live: Köln, 28.12.2012, Essigfabrik

  • 09.01.2013
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Frei.Wild - Live: Köln, 28.12.2012, Essigfabrik - News
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Eine X-Mas-Show für die treuesten Fans.

Sie sind derzeit die wohl umstrittenste Band des deutschsprachigen Raums. Kaum jemand spaltet derzeit die Lager so extrem wie Frei.Wild. Auf der einen Seite stehen sie in harter Kritik bei politisch orientierten Gruppen, der Presse und auch diversen Kollegen. Auf der anderen Seite veredeln sie ihre Longplayer, füllen Clubs und Stadien und begeistern alle Altersgruppen. Entsprechend sind die Südtiroler, ihre Musik und ihre Texte schwierige Themen, die man nicht voreingenommen behandeln sollte, sondern sich im Sturm der Presse ein ausgiebiges Gesamtbild schaffen sollte, bei dem man vor allem die Herkunft der Künstler und die Geschichte ihrer Heimat nicht vergisst.

Die X-Mas Tour hat inzwischen Tradition für die Jungs aus Brixen und so mussten Fans auch in diesem Jahr nicht darauf verzichten. Die Zusatzshow in Köln, die rasend schnell ausverkauft war, bot Gelegenheit, sich von den Livequalitäten der Musiker zu überzeugen. Bereits 30 Minuten vor dem eigentlichen Einlass - die Veranstalter öffneten wegen des schlechten Wetters früher die Türen, vielen Dank dafür! - wurden die gut 1400 Zuschauer von Bannern in der Halle begrüßt, die sehr deutlich machten, dass Publikum rechter Gesinnung auf den Konzerten der Band nicht erwünscht sei. Eine klare Distanzierung, die vor allem bei den anwesenden Zuschauern definitiven Zuspruch fand. Die Breite des Publikums wird spätestens durch Rollstuhlfahrer und Kinder in der ersten Reihe klar, die durch die hauseigene Security der Band in den Graben dürfen, um das Konzert genießen zu können und gleichzeitig vor pogender Begeisterung sicher zu sein. Auch hierfür - Hut ab!

Den Anfang des Abends machten die Südtiroler von Bad Jokers. Georg Kirchler (Gesang, Gitarre), Markus Seeber (Gitarre), Walter Mutschlechner (Bass), Klaus Innerbichler (Schlagzeug) und Robert Niedermair (Live-Keyboard) gehören zu den alten Hasen der dortigen Deutschrock-Szene. Bereits seit dem Jahr 2000 lassen sie es zu deutschen Texten gehörig krachen. An diesem Abend schafften sie es allerdings nicht so recht, das Kölner Publikum für sich zu gewinnen. 30 Minuten lang verschmolzen Instrumente und Vocals mehr oder minder zu einem Soundbrei, der es schwer machte, Details herauszuhören oder schlicht den Text der Songs richtig zu verstehen. Einzig kleinere Gitarrensoli setzten hier und da Akzente, die es jedoch auch nicht schafften, die Begeisterung des Publikums zu wecken. So wurden im Verlauf ihres Auftritts deutliche Sprechchöre laut: „Wir wollen Frei.Wild sehen!“. Immerhin eine klare Ansage des Publikums.

Bei Hämatom wurde das Stimmungsbild glücklicherweise direkt ein ganz anderes. Im Publikum befanden sich definitiv Fans der Band, die die Künstler Nord (Gesang), Süd (Schlagzeug), West (Bass) und Ost (Gitarre) sowie deren Musik entsprechend zu zelebrieren verstehen. Die Musiker selbst sind eine Erscheinung für sich, die im Bandkonzept aufgeht und den Fokus ganz auf das Wesentliche - nämlich die Musik - legt. So rockten die Künstler gut 35 Minuten lang ordentlich die Essigfabrik und brachten damit erste Bewegung in ein Publikum, das bisher hauptsächlich durch das Gegröle von Fußballsongs und alten Böhse Onkelz-Liedern aufgefallen war. Die Stimmung war gut, Hämatom bewies sich als deutlich mitreißend und das Publikum zeigte mit starkem Fanchor bei „Totgesagt Doch Neugeboren“, dass sein musikalisches Repertoire weit mehr her gab. Das Publikum anzuheizen gelang diesen Musikern scheinbar mühelos und die Begeisterung ob der Künstler selbst war groß. Auch musikalisch trafen sie es mit einschlägigem Metal genau auf den Punkt und brachten genug Einzigartigkeit mit sich, um in der Masse des Genres Eindruck zu hinterlassen. Hämatom sind definitiv einen Blick wert!

Schon die Umbaupause ging stimmungsgeladen weiter, die Fans überbrückten die Wartezeit damit, immer wieder die gleichen Fußballsongs anzustimmen. Dadurch blieb nicht nur die erreichte Stimmung auf hohem Niveau, sondern bestätigte ein friedliches, harmonisches Publikum, das lediglich im Sinn hatte, gemeinsam Spaß zu haben. Im Verlauf der knapp 120-minütigen Show des Headliners Frei.Wild schraubten die Zuschauer die Atmosphäre des Abends noch weiter nach oben. Es wurde fleißig gepogt und textsicher mitgesungen und damit eine unglaubliche Dynamik geschaffen, die als schlichtweg positiv angesehen werden kann.

Die Musiker selbst zeigten sich zunächst sehr dankbar gegenüber ihren Fans. Der friedliche Ablauf der Show - auch im Vorfeld ohne Demonstranten oder negative Geschehnisse - unterstrich das positive Bild, das die Künstler bei den Fans erwecken. Musikalisch ging es natürlich nicht minder heiß her. Frei.Wild suchten nicht nur den Kontakt zum Publikum, sondern zeigten sich allgemein unglaublich spielfreudig und in deutlicher Harmonie innerhalb der Band. Schnell erreichten sie so ein hohes Energielevel, das sich im Verlauf der Show nur weiter nach oben schraubte. Durch regelmäßige Wechsel auf akustische Arrangements der Songs lockerte die Band das Set zudem ein wenig auf. So bekamen die Lieder im Vergleich zu den Studioversionen ihren ganz eigenen Charakter, der natürlich nicht weniger gefiel.

So gestalteten Frei.Wild ihre X-Mas Show äußerst gelungen. Die Musiker bewiesen sich als starke Entertainer mit treuer und vor allem harmonischer Fanbase.

Setlist:

  • Intro
  • Wir reiten in den Untergang
  • Hoch hinaus
  • Frei.Wild
  • Wer nichts weiss wird alles glauben
  • Arschtritt
  • Allein nach vorne
  • Südtirol
  • Feinde deiner Feinde
  • Die Zeit vergeht
  • Wer weniger schläft, ist länger wach
  • Irgendwer steht dir zur Seite
  • Weil du mich nur verarscht hast
  • Unendliches Leben
  • Unser Wille, unser Weg
  • Mehr als 1000 Worte
  • Zieh mit den Göttern
  • Das Land der Vollidioten
  • Feuer Erde Wasser Luft
  • Zugaben

    • Wir gehen wie Bomben auf euch nieder
    • Halt deine Schnauze
    • Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben

    für CDstarts.de

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