Coppelius Live: Bochum, 15.02.2013, Matrix

  • 20.02.2013
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Coppelius - Live: Bochum, 15.02.2013, Matrix - News
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Ein Erlebnis, voll von Provokationen.

Die hohen Herrschaften der Musiktruppe Coppelius haben es einmal mehr geschafft, sich auf eine konzertante Reise zu begeben. Im Rahmen der Veröffentlichung ihres 4. Albums „Extrablatt“ bereisen die Künstler die Bühnen des Landes. Auch ein Stopp in der Matrix in Bochum stand dabei auf ihrem Tourneeplan.

Bevor das Publikum allerdings in den Genuss des Spektakels der Musiker aus fernen Zeiten kommen durfte, eröffnete Cellolitis den Abend. Musiker Nikolaus Herdieckerhoff und seine über 100-jährige Cello-Dame Umbra verschmolzen im schummrigen Bühnenlicht zu einer wahren Einheit, die es mit einigen Startschwierigkeiten meisterte, das Publikum ganz für sich zu gewinnen. Mit einer Mischung aus Eigenkompositionen und Interpretationen klassischer Werke wie zum Beispiel Pachelbels „Canon in D“ erspielte er sich mehr und mehr Anerkennung und Begeisterung der Zuschauer. Selten darf man erleben, wie Instrument und Mensch mit so viel Liebe und Hingabe verschmelzen, wie es diese beiden taten. Entsprechend bedurfte es einiger Minuten, sich in dieses Spektakel hinein zu finden, das im Ganzen gesehen nicht nur durch seine experimentellen, überaus kreativen, sondern auch in Ansätzen expressionistischen Züge in absolut positiver Erinnerung blieb.

Die Herrschaften von Coppelius wurden schließlich mit großer Begeisterung in der Matrix Willkommen geheißen. In gewohnter Manier gestalteten Max Coppella (Klarinette, Gesang), Comte Caspar (Klarinette, Gesang), Nobusama (Schlagzeug), Graf Lindorf (Cello, Gesang), Sissy Voss (Kontrabass) und Bastille (Diener, Gesang, Schlagzeug, Erfrischungen) ihren Auftritt entsprungen aus einer längst vergangenen Zeit und ließen damit das 19. Jahrhundert ein wenig in der Moderne aufleben.

Ihre Show war wie immer ein Erlebnis für sich, voll von Provokationen, denen ihre Texte die nötige Grundlage boten. Egal ob malträtierte Luftballons („Bitten Danken Petitieren“) oder deutliche Kritik an der modernen Smartphone-Gesellschaft („Spieldose“) - Coppelius nahmen und nehmen kein Blatt vor den Mund und wurden dafür von begeisterten Fans gebührend gefeiert. Ganz glücklich über das Zusammenspiel mit dem Publikum schien Diener Bastille allerdings nicht immer. Seine Moderationsversuche scheiterten teilweise leider an einigen übermotivierten Fans. Doch Coppelius wären nicht sie selbst, wenn sie nicht in der Lage wären, schlagfertig auf diese Unterbrechungen zu reagieren und ihre Darbietung damit in die richtigen Bahnen zu lenken. Diese Künstler stecken einfach perfekt in ihren selbst gewählten Rollen, so dass man als Zuschauer gar keine andere Wahl hat, als zu akzeptieren, dass die Musiker dem 19. Jahrhundert entsprungen sind.

Auch die starke Inspiration durch den „Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann können die Musiker vor allem live noch mehr ausleben, als es schon ihre Liedtexte tun. Das Motiv des Wahnsinns, das Kenner des Literaturwerks nicht fremd sein sollte, ist durchaus auch im künstlerischen Genie dieser Musiker zu erkennen und prägt damit den Eindruck des Gesamtkunstwerks Coppelius. E.T.A. Hoffmann selbst wäre stolz gewesen!

Doch Coppelius sind nicht nur ein Genuss für das Auge, sondern natürlich auch für das Ohr. Musikalisch bewegen sich die Künstler mit ihrem Kammer-Core auf hohem Niveau und gleichzeitig auf durchaus einzigartiger Ebene. Gerade durch den Einsatz der Klarinetten heben sie sich aus der Masse heraus und beweisen gleichzeitig, dass man auch auf einem Holzblasinstrument Rockmusik machen kann. Cello und Kontrabass runden den Sound ideal ab. Diese ungewöhnliche Instrumentierung zeigte vor allem live das Talent der Musiker, die sich mühelos darauf verstanden, eine großartige Show hinzulegen. Nicht vergessen werden dürfen dabei die abwechslungsreichen Gesangsstimmen der einzelnen Musiker, die nicht nur durch ihre Variabilität, sondern auch ihre Stimmfarben und ihr beeindruckendes Zusammenspiel auffielen.

Insgesamt boten Coppelius so an diesem Konzertabend einmal mehr ein unvergessliches Erlebnis. Ihre Bühnenshow ist wie ihre Bandgeschichte eine Erfahrung für sich, eine Reise in eine andere Zeit und in ganz eigene Klangwelten.

Setlist:

  • Ouvertüre (Transylvania - Iron Maiden Cover)
  • Bitten Danken Petitieren
  • I Get Used To It
  • Diener 5er Herren
  • Welt im Wahn
  • Locked Out
  • Maria (Subway to Sally Cover)
  • Die Glocke
  • Escapade I
  • Operation
  • Spieldose
  • Butterblume
  • Urinstinkt
  • Dreaming
  • Risiko
  • Habgier
  • 1916
  • Reichtum
  • Phantom of the Opera (Iron Maiden Cover)

Zugaben:

  • Running Free (Iron Maiden Cover)
  • To My Creator
  • Ade mein Lieb!

für CDstarts.de

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