Riverside Live: Berlin, 11.03.2013, K17

  • 17.03.2013
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Riverside - Live: Berlin, 11.03.2013, K17 - News
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Dreh- und Angelpunkt waren die beiden letzten Alben und die zwischenzeitliche EP.

Mit ihrem neuen, bereits fünften Album Shrine Of New Generation Slaves ausgestattet, starteten die Jungs aus Warschau Anfang März auf ihre „New Generation Slaves“-Tour, deren dritte Station die Bundeshauptstadt war. Mit im Gepäck waren noch zwei Vorbands, eine weitere polnische Band namens Dianoya und die Labelkollegen Jolly aus New York, USA.

Der Abend startete mit der etwas seltsamen Nachricht, dass ein Bandmitglied von Dianoya unter ungeklärten Umständen nicht den Weg auf die Bühne geschafft hat. Der eiserne Vorhang ist doch mittlerweile Geschichte, aber scheinbar tauchen die Menschen immer noch gerne in Berlin unter. Übrigens zeichnet sich bei der Band in letzter Zeit vermehrt der Mitgliederschwund ab, denn gerade erst im Februar wurden der Bassist und der Schlagzeuger ersetzt. Die Jungs haben sich aber nicht beirren lassen, den Verlust schnell abgestempelt und losgelegt. Ein paar technische Schwierigkeiten mussten überwunden werden (nicht zum letzten Mal an diesem Abend), aber dann haben Dianoya ihre sehr technisch-mathematische Progressivemusik vorgeführt. Es stellte sich ein gewisses Proberaumfeeling ein, die Band war bemüht, aber ihre Musik verpuffte im Ether des K17. Auf jeden Fall besitzen die Musiker gute technische Möglichkeiten und auch ein gewisses Potenzial, aber der Sänger passt einfach nicht zur Band und zur Musik.

Eine kurze Umbaupause später standen Jolly auf den Brettern des K17 und präsentierten Songs von ihrem Audio Guide To Happiness. Das war alles andere als selbstverständlich für die Band, hatte sie letztes Jahr fast ihr ganzes Equipment durch Sturmtief „Sandy“ verloren. Entsprechend ging ein großer Dank an die Fans, die durch ihre Spenden ein neues Equipment ermöglicht haben. Der Sänger und Gitarrist war im Vergleich zum Rest der Band etwas extravagant gekleidet, vielleicht ein typisches Frontmann-Syndrom. Völlig egal, denn die Amis entwickelten sich während ihres leider nur halbstündigen Auftritts zum heimlichen Star des Abends. Ihre stets sehr melodische und abwechslungsreiche Musik kam dank gutem Sound sehr gut rüber. Der Schlagzeuger ging sehr in der Musik auf, hat immer für sich mitgesungen und mit einigen präzisen geschwungenen Bewegungen quasi einen kleinen Tanz vollführt, wie Ballett am Schlagzeug.

Der so genannte „mainact“, um mal einen unnötigen Anglizismus einzustreuen, erschien nach einer weiteren kleinen Umbaupause und zwar schneller, als einige, die zur Bar geflüchtet sind, vermutet hätten. Los ging es mit dem neuen Album und nach zwei Songs begrüßte Mariusz Duda die Zuschauer mit einer kleinen vorbereiteten Ansprache auf Deutsch, die er von einem kleinen Zettel ablas. Er war etwas heiser an jenem Abend, also bat er die Konzertbesucher um Mithilfe beim Singen, was so richtig nur bei zwei Songs klappte. Vor „Left Out“ erinnerte Duda, dass jetzt unser Einsatz kommen würde, in der Mitte des kommenden Songs, also in etwa nach knapp 8 Minuten. Der Gag hat gesessen, die Zuschauer haben brav mitgemacht.

Mit ihrer „Reality Dream“-Trilogie haben die Polen aus Warschau tatsächlich abgeschlossen, denn zur Enttäuschung vieler Fans tauchte in der Setlist wirklich gar nichts von den älteren Stücken auf. Dreh- und Angelpunkt waren die beiden letzten Alben und die zwischenzeitliche EP. Als das Konzert nach 1,5 Stunden vorbei war, dachten viele, dass jetzt die Klassiker als Zugabe kämen, aber Pustekuchen. Die neuen Songs wurden dafür live perfekt umgesetzt und die Band ließ sich immer wieder Freiraum für kleine Improvisationen und ausgedehnte Passagen, wodurch die Lieder aufregend anders klangen. Es war nicht zu überhören, welch ein eingespieltes Team die vier Musiker sind.

Vom Klang her haben Riverside leider etwas enttäuscht, vor allem der Bass von Duda war im Vergleich zu den restlichen Instrumenten viel zu laut und hat besonders in den rockigen, härteren Momenten vieles niedergebrummt. Trotzdem waren gerade die Bassisten die Hauptattraktion des Abends. Der von Dianoya hatte coole Bewegungen mit seinem langen Hals drauf und sah irgendwie so aus, als würde er aus Sachsen kommen und Jürgen heißen, lediglich der Schnauzer hat gefehlt. Den Schnauzer hatte dafür der Bassist von Jolly und der von Riverside hatte sogar noch mehr Bart zu bieten. Duda stach mit seiner Art, den Bass mehr als eine E-Gitarre, denn als braves Begleitinstrument zu spielen, hervor und das nicht nur in den Songs selbst, sondern auch durch kleine Soloeinlagen zwischendurch.

Michal Lapaj nahm mit seinen Keyboards und Synthesizern immer noch die halbe Bühne in Beschlag und der kleine rosa Flamingo war auch weiterhin fester Bestandteil seines Bühnenaufbaus. Er scheint mittlerweile richtig süchtig nach dem Schweinorgelklang geworden zu sein, der der Band zugegebenermaßen einen ziemlich starken Deep Purple-Gedenkklang verpasst. Die beiden Peters der Band waren wie üblich etwas unauffälliger, besonders der Gitarrist wurde leider oft durch den Bass geschluckt. Trotzdem haben die Songs live sehr viel Spaß gemacht und die Zuschauer mitgerissen. Zwei Vorbands waren dennoch mindestens eine zu viel. Ein längerer Auftritt von Jolly wäre da durchaus begrüßenswert gewesen. Die Veranstalter sollten nicht übertreiben mit dem fast schon erzwungenen Eventcharakter für jedes Konzert.

Riverside - „We Got Used To Us“ aus Berlin (Dankeschön an Altlaender für die Videos):

Riverside - „Living In The Past“ aus Berlin:

Jolly – “Storytime” aus Berlin:

Setlist:

  • New Generation Slave
  • The Depth Of Self-Delusion
  • Feel Like Falling
  • Driven To Destruction
  • Living In The Past
  • We Got Used To Us
  • Egoist Hedonist
  • Escalator Shrine
  • Left Out
  • Celebrity Touch

für CDstarts.de

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