The Pollywogs Live: Berlin, 27.03.2013, White Trash

  • 05.04.2013
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The Pollywogs - Live: Berlin, 27.03.2013, White Trash - News
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Das etwas andere Konzerterlebnis.

Anfang Februar haben die Pollywogs via Internet herumgefragt, wo ihre Fans sie gerne sehen möchten. „Berlin - White Trash“ war eine Antwort. Am 27. März standen sie dort vor der Tür - bereit, ein Publikum zu unterhalten, das zu 90 Prozent wegen Burgern, Bier und der Location an sich dort war. Keine alltägliche Situation für die drei Jungs aus Köln, die im Rahmen der 2009er „Beck’s Music Experience“ schon vor weitaus größeren Menschenmengen gespielt haben. Aber auch kein Grund zum Verzweifeln.

Den Regularien des altehrwürdigen White Trash folgend, performten die Pollywogs ihr Set in zwei etwa gleich großen Teilen von jeweils einer halben Stunde. Und die Pause tat ihnen sichtlich gut. Anfangs etwas zurückhaltend agierend, schwang sich das Trio mit jedem weiteren Song die Formkurve nach oben, um schließlich im zweiten Akt gnadenlos den Laden zu übernehmen. Es schepperte und knarzte, Sänger und Gitarrist Bryan Kessler schrie sich die Stimmbänder wund, Tobias Huschka hielt seinen Bass wie eine Waffe und Drummer Henrik Hoffroge wirbelte an der Schießbude mächtig Staub auf. Mit ihrer leidenschaftlichen Spielweise verpassten die Kölner ihrem charmanten Punk/Grunge/Indie-Gemisch die nötige Härte, um an diesem kalten Märzabend bestehen zu können.

Und es funktionierte: „Nutella“ und „Everyone“ von ihrer aktuellen EP „Your Music Is Shit Go Die“ entpuppten sich als regelrechte Live-Granaten, „Whole Life In A Pocket“ vom Debüt „Dirty Words & Dirty Sex“ als Abräumer, den selbst bekanntere Bands nicht besser dargeboten hätten. Mindestens zwölf Menschen konnten die Pollywogs damit im White Trash überzeugen. Die rockten nämlich direkt vor der Bühne ab und schüttelten aufopferungsvoll alles, was sie hatten. Das restliche Publikum betrachtete das Geschehen aus einer sicheren Entfernung, frei nach dem Motto: Alles schon gesehen, alles schon gehört.

Dass die Kompositionen der drei Post-Teenager kein neues Genre lostreten, ist wohl wahr. Auch die musikalische Ähnlichkeit zu diversen britischen Bands der Nullerjahre kann nicht geleugnet werden. Was die Pollywogs allerdings aus diesen Einflüssen gemacht haben und wie sie es im White Trash präsentierten - das hatte schon Stil. Die im Vergleich zu den Studioaufnahmen kraftvollere Spielweise und der damit zusammenhängende rohere Sound taten den Songs überraschend gut. Da wirkte es sogar unaufgesetzt, als Bryan Kessler nach dem finalen „We Are Here To Fuck With You“ seine Gitarre wie wild über die Bühne schleuderte. Rock’n’Roll eben. Dass darauf keine Zugaben folgten, gehört sicherlich auch in diese Kategorie. „Hold Your Hand“ hätten sie noch bringen können. Ansonsten aber: Chapeau, meine Herren!

für CDstarts.de

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