H.I.M. Live: Berlin, 22.04.2013, Postbahnhof

  • 25.04.2013
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H.I.M. - Live: Berlin, 22.04.2013, Postbahnhof  - News
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Zur Veröffentlichung ihrer neuen Platte schauten H.I.M. für einen Club-Gig in der deutschen Hauptstadt vorbei.

ENDLICH wieder ein reguläres H.I.M.-Konzert in Berlin – auf diese Gelegenheit mussten die Anhänger der vermutlich bekanntesten finnischen Rockgruppe über fünf Jahre warten. Ok, es gab 2010 diese Myspace Secret Show im C-Club, aber danach war es tatsächlich ungewohnt ruhig um Ville Valo und Band geworden. Zur Veröffentlichung ihres achten Studioalbums „Tears On Tape“ starteten H.I.M. nun eine winzige Europa-Tour von Berlin über Köln nach London, um ein wenig Lärm für ihren neuen Longplayer zu machen.

Und da sind wir auch schon mitten im Postbahnhof und wackeln etwas mit dem Kopf, während DJ Lord Noir (der „Special Guest“) sich bemüht, die dunkle Gemeinde mit Songs zwischen Muse, Rammstein und The Rasmus auf Temperatur zu bringen. Das funktioniert nur so halb und es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass hier eine richtige Vorband vermutlich besser angekommen wäre, auch wenn DJ Lord Noir anscheinend das Ziel verfolgt, zumindest so laut wie eine Live-Band zu sein. Währenddessen eilen zwei Roadies über die völlig dunkle Bühne und räumen mit Taschenlampen im Mund noch ein paar Sachen durch die Gegend. Die Verstärker werden sichtbar (mit H.I.M.-Logo drauf), ein Banner im Hintergrund zeigt das neue Album-Cover. Jetzt noch einmal kurz die Gitarren gestimmt und da ertönt auch schon das Intro von „Tears On Tape“, während die weiblichen H.I.M.-Fans mit einem respektablen Geräuschpegel zu verstehen geben, dass sie zwar älter geworden sind, ihre Lieblinge aber nicht vergessen haben.

Die Begeisterung erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt, als Ville Valo die Bühne betritt und das Okay zum ersten Song „All Lips Go Blue“ gibt. Keine schlechte Nummer – das muss man den Finnen zugestehen, auch wenn der Gesang von Herrn Valo etwas hinter der Gitarren- und Basswand untergeht, die Mikko Lindström und Mikko Paananen (der so aussieht wie ein inoffizielles Mitglied von Amon Amarth) auf die Berliner loslassen. Dieses kleine Missverhältnis ändert sich dank des aufmerksamen Kollegen am Mischpult allerdings ziemlich schnell und so ist schon bei „Buried Alive By Love“ und „Rip Out The Wings Of A Butterfly“ alles gut hörbar. Schnell wird klar, dass H.I.M. anno 2013 wieder etwas mehr auf Härte setzen: Gleich vier Songs vom Debüt „Greatest Lovesongs Vol. 666“ befinden sich auf der Setlist (am überraschendsten: „When Love And Death Embrace“) und auch drei Stücke von „Venus Doom“ werden an diesem Abend performt. Die Gitarren kreischen, der Bass drückt nach vorne und Schlagzeuger Mika Karppinen überschlägt sich fast vor Spielfreude, als er Nummern wie „Passion's Killing Floor“ und „It's All Tears (Drown In This Love)“ trommeln darf.

Die poppigeren Alben („Deep Shadows And Brilliant Highlights” und „Screamworks: Love In Theory And Practice”) spielen in Berlin keine Rolle mehr, stattdessen kommen immer wieder Doom-Elemente zum Tragen und man fragt sich, warum H.I.M. nicht einfach mal wieder eine Platte aufnehmen, die etwas mehr in diese unkonventionelle Richtung geht. Vieles vom neuen Material steht fast schon in einem Kontrast zum Rest des Programms: Die aktuelle Single „Tears On Tape“ ist zwar ein Ohrwurm, dafür aber weichgespült bis zur Geduldsgrenze (sogar die Bühne wird dazu pink ausgeleuchtet), die anderen neuen Songs („Love Without Tears“, „Into the Night“) sind zwar nicht ganz so krass, aber auch nicht wirklich rockig. Dann doch lieber der alte Kram: „Right Here In My Arms“, „Join Me In Death” und das ruhige, aber mittlerweile legendäre „The Funeral Of Hearts” sind deutliche Höhepunkte der Berliner Show.

Nach 75 Minuten verabschieden sich H.I.M. das erste Mal von ihrem Publikum, um nach einer kurzen Pause für einen Song zurückzukehren. Was? Nur ein Song? Aber was für einer! Mit „Sleepwalking Past Hope” gibt es zum Finale noch ein 15-minütiges Statement in Richtung Black Sabbath und Co., mit dem nicht unbedingt zu rechnen war. Ein überraschender und damit umso schönerer Abschuss, auch wenn Ville Valo die Halle bereits mitten im Song verlässt. Ja, sein Gesangspart war vorbei, aber das kann man auch cooler regeln. Egal, H.I.M. haben im Postbahnhof ein überraschend lautes und vor allem hartes Konzert dargeboten, das Hoffnungen darauf macht, in absehbarer Zeit noch einmal ein Studioalbum im Stil von „Venus Doom“ hören zu dürfen. Gäbe es eine Umfrage unter den H.I.M.-Fans, es hätten vermutlich die Wenigsten etwas dagegen einzuwenden.

Setlist:

All Lips Go Blue
Buried Alive By Love
Rip Out The Wings Of A Butterfly
Right Here In My Arms
The Kiss Of Dawn
Love Without Tears
Join Me In Death
Your Sweet 666
Passion's Killing Floor
Tears On Tape
Wicked Game
It's All Tears (Drown In This Love)
Soul On Fire
Into The Night
The Funeral Of Hearts
When Love And Death Embrace
Sleepwalking Past Hope


für CDstarts.de

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