Blackfield Festival, Gelsenkirchen, 28. - 30.06.2013

  • 11.07.2013
Artikel teilen:
Blackfield Festival, Gelsenkirchen, 28. - 30.06.2013 - News
Klicken für Großansicht

26 Bands erwarteten das Szenepublikum um ein abwechslungsreiches Blackfield zu bereiten.

Tag 1

Nach der letztjährigen, mit illustren Namen gespickten, fünfjährigen Jubiläums-Ausgabe, lockt das Blackfield Festival auch im Jahr 2013 wieder Fans der schwarzen Szene ins Amphitheater Gelsenkirchen, direkt im Nordsternpark am Rhein-Herne-Kanal. Dabei hielten die Veranstalter dieses Mal einige Neuerungen bereit, die das Festival für seine Besucher noch attraktiver gestalten sollten. Drei statt zwei Festivaltage ersetzten das Konzept der zweiten Bühne, wodurch jedoch keine deutlichen Einbußen im Line-up entstanden. 26 Bands erwarteten das Szenepublikum, um diesem ein abwechslungsreiches Blackfield zu bereiten.

Arbeitnehmerfreundlich spät öffneten sich die Tore des Geländes am Freitag erst um 16 Uhr. Nur wenige Mutige, die dem schlechten Wetter trotzten, machten sich das Festivalgelände zu eigen und bildeten für den Opener und Gewinner des Battle Of The Bands 2012, Full Contact 69, ein spärliches Publikum, dem sie eine Mischung aus EBM und Noise präsentierten. Obwohl Mastermind Andreas Schubert Musik seit den frühen Neunzigern Musik macht und somit in der EBM-Szene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist, fand die Band leider keinen richtigen Anklang. Schade!

Ganz anders wurde es da bei Coppelius. Die Mittelalter-Rock Formation kann sich seit Jahren über eine stetig wachsende Fangemeinde freuen, die sich auch im Amphitheater eingefunden hatte. Statt Nebel begleitete eine Wolke aus von Fans produzierten Seifenblasen die ersten Minuten, was für Abwechslung, einen ganz eigenen Effekt und - trotz eines viel zu kurzen Auftritts - für zusätzliche Begeisterung auf allen Seiten sorgte. Wie gewohnt aus einem vergangenen Jahrhundert entsprungen, heizten die Musiker dem Publikum gehörig ein und machten ihren Auftritt zu einem Highlight für sich. Von den hochverehrten Herren hätte man sich auf dem Festival nur noch eines gewünscht: ein längeres Set!

Anschließend wurde mit dem EBM-Duo SPETSNAZ wieder elektronisch. Die Herren aus Schweden haben nach fünf Jahren Wartezeit für die Fans nun endlich ihr viertes Studioalbum „For generations to come“ (03/2013) veröffentlicht und bewiesen auch auf dem Blackfield Präsenz, was vor der Bühne und auf den Treppen die Genreanhänger mit ihrem einzigartigen Tanzstil auf den Plan rief.

In Strict Confidence sorgten schließlich für gewisse optische Abwechslung. Sängerin Nina de Lianin und Gitarristin HayDee Sparks, die beide ebenfalls als Model tätig sind, heizten die Stimmung im Amphitheater bei sich füllenden Zuschauerrängen mit kleinen Tanzeinlagen und Showeffekten an.

Entsprechend war es nicht schwer für Deathstars, die gute Laune des Publikums aufzugreifen und nochmals einen drauf zu setzen. Die Gothic Metaller aus Schweden fielen nicht nur optisch auf, sondern schufen auch musikalische Kontraste zu ihren Vorgängern. Einige mögen die Formation durch ihre Konzerte als Support von niemand Geringerem als Rammstein kennen, die sie im Jahr 2011 auf deren Tournee begleiten durften. Der prägnante Gesang von Sänger Andreas „Whiplasher Bernadotte“ Bergh, die harten Schlagzeugrhythmen und stimmigen Gitarrenriffs gingen schnell ins Ohr und ließen die Menge einmal mehr aufkochen.

Für ein grandioses Finale des ersten Abends sorgten schließlich Sänger Chris Pohl und seine Blutengel, die wie gewohnt auf vertraute Bestandteile setzten: eine gehörige Portion Melancholie in Melodie und Text, verwobene, düstere Geschichten in ihren Liedern und eine starke optische Umsetzung durch die Tänzerinnen Viki Scarlet, Nicky und Nadine, die damit Leidenschaft wie auch Dämonen entfesselten und auf dem Festival genau den Szene-Nerv trafen. Mühelos ließen sich die Zuschauer von den Emotionen der Songs packen, sich von den erzählten Geschichten in andere Realitäten entführen und von der Stimme Pohls einwickeln.

So sorgte der erste Festivaltag direkt für fulminante Highlights. In manchen Fällen musste man sich zwar mit einem weinenden Auge ein wenig zu früh von der einen oder anderen Band verabschieden, wurde jedoch dafür mit Abwechslungsreichtum im Programm belohnt. Die Stimmung steigerte sich trotz Regenschauern bis zum Headliner hin immer weiter und machte so die fehlende Sonne schnell vergessen. Entsprechend war ein solider Anfang geglückt, den es am nächsten Tag zu überbieten galt.

Tag 2

Nach dem verregneten Beginn am Freitag verlief der Samstag aus Veranstalter- und Besuchersicht optimal: Bei trockenem Wetter, Sonne und Wolken im Wechsel und angenehmen 18 Grad ließ es sich gut feiern.

Den Schwerpunkt auf elektronischer Musik in allen Spielarten und Gothic-Rock gelegt, hatte der Samstag musikalisch einiges zu bieten: Formalin, Aesthetic Perfection und Noyce setzten auf schwer elektronische Klänge bzw. Industrial, gefolgt von einer Band, die sich ihren guten Live-Ruf hart erarbeitet hat: Lord Of The Lost rockten schon um 13:30 Uhr und man hätte sich gewünscht, dass sie etwas später und länger gespielt hätten, denn die nachfolgenden, mit altmodischem und wenig mitreißendem Gothic-Rock enttäuschenden Merciful Nuns kamen beim Publikum weit gut an.

Spätestens bei dem Ruhrpott-Urgestein tobte das Amphitheater aber erneut. Die EBM-Veteranen nutzten das Heimspiel souverän und waren selbst vom Zuspruch sehr angetan. Die von den Fans gewünschten Zeromancer aus Norwegen wurden ihrem Ruf ebenso gerecht und begeisterten mit ihrer harten, bei zwei Songs aber auch sehr emotionalen Performance die schwarz gekleidete oder optisch extrem auffällige Menge.

Samsas Traum feiern nach zwei Jahren ihr Live-Comeback und das ausgerechnet auf dem Blackfield, wo sie bereits im Jahr 2008 einen etwas enttäuschenden Auftritt mit Songs nur des damals aktuellen Albums gespielt hatten. Doch der Ort des Comebacks wurde bewusst gewählt und so entschuldigte sich Frontmann Alexander Kaschke für die Vergangenheit und brachte zusammen mit seiner Band stattdessen ein „Best of“, zu dem nach anfänglicher Zurückhaltung nicht nur die eingefleischten Fans tanzten. Dabei störte nur eine technische Panne, die der agile Sänger jedoch souverän überbrückte.

Es folgten noch die Headliner Project Pitchfork, die mit drei Schlagzeugern beeindruckten, sowie And One, die das gut gefüllte Amphitheater zum Tanztempel umfunktionierten und damit wohl eines ihrer letzten Live-Konzerte gaben, da für das kommende Jahr die Auflösung angekündigt wurde.

Tag 3

Am Sonntag zeigte sich der Wettergott ebenso wie Samstag äußerst gnädig: Sonne bei angenehmen Temperaturen und natürlich ein entsprechend gutes Line-up ergaben ein rappelvolles Amphitheater.

Godex aus Bochum eiferten den Finnen von HIM nach und sorgten für einen guten Start. Nachdem Ost+Front offensichtlich Rammstein huldigten, brachte Die Kammer ein ganz anderes Element in den Nachmittag: Handgemachte Musik, dargeboten von einem fünfköpfigen Orchester, verbreitete eine eher melancholische Stimmung. Als Kontrastprogramm folgten die Mexikaner von Rabia Sorda, die mit atemloser Electronic Body Music die tanzwütigen Fans erfreuten. Ebenfalls elektronische Klänge von Fixmer/McCarthy setzten den Tag fort.

Erster Höhepunkt war der Auftritt von Staubkind, die mit emotionalem, aber treibendem Gothic-Rock das Publikum begeisterten. Sänger Louis Manke besitzt eine Stimme mit absolutem Wiedererkennungswert, die im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern live fast noch stärker als auf der Platte wirkt.

Mono Inc. präsentierten überraschend eine Weltpremiere: Das Duett mit der Legende Joachim Witt, mit dem sie auch auf Tournee gehen, nannte sich „Kein Weg zu weit“ und ist auf ihrem im August 2013 erscheinenden Album zu hören. Mit Mädchenchor und viel Gefühl ging es dabei etwas ruhiger zur Sache. Doch spätestens bei dem launigen „Passenger“-Cover rockten die Massen und Frontmann Martin Engler testete diese, indem er Joachim Witts 80er-Jahre-Hit „Goldener Reiter“ gleich zweimal anbrachte, um Witt zu beweisen, dass auch heute noch Textsicherheit beim Publikum vorhanden ist. Er behielt damit Recht und hatte sichtlich Spaß dabei. Mono Inc. hatten das Publikum also gekonnt im Griff und bewiesen damit, warum sie zu den derzeit erfolgreichsten Gothic-Rock-Bands zählen.

Eisbrecher rundeten das Blackfield Festival auf ihre Weise ab: Neue deutsche Härte und eine wie immer unnachahmliche Performance von Alex brachten die Stimmung auf den verdienten Höhepunkt, mit dem sie einen Schlusspunkt setzten, der schon jetzt auf das nächste Jahr Appetit macht.

Das Fazit zum Blackfield Festival 2013 lautet daher: Ein gutes Line-up zeigte die Bandbreite der schwarzen Szene, die im steinernen Theater friedlich und fast familiär feierte. Die Bands boten den begeisterten Besuchern bei mehrheitlich gutem Wetter ein absolut gelungenes musikalisches Wochenende.

Stephanie Wunderl und für CDstarts.de / Fotos: Stephanie Wunderl

comments powered by Disqus
Weitere Artikel