Amphi Festival 2013: Köln, 20.07.2013 (Tag 1)

  • 24.07.2013
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Amphi Festival 2013: Köln, 20.07.2013 (Tag 1) - News
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Die Fans der schwarzen Szene beim Amphi Festival 2013.

Bereits zum neunten Mal lockte das Amphi Festival die Fans der schwarzen Szene am 20. und 21. Juli 2013 in die Domstadt. Dazu verwandelt sich der Tanzbrunnen in Köln alljährlich in ein wahres Mekka, in das Fans aus der ganzen Welt reisen, um gemeinsam die musikalischen und lyrischen Helden des Genres zu feiern, dem WGT ein ganz klein wenig in Sachen Outfits Konkurrenz zu machen und vor allem, um gemeinsam die Sprache sprechen zu lassen, die keine Grenzen kennt: Musik!

Um einen gebührenden Rahmen zu gestalten, ist das Angebot reichhaltig: Das Theater lockt mit Lesungen, Konzerten im heimeligen Rahmen sowie Aftershowpartys. Das Staatenhaus hat ein bunt gemischtes Konzertangebot und die Mainstage bietet neben der beeindruckenden Open-Air-Atmosphäre des Tanzbrunnens entsprechende Szenegrößen.

Bei unglaublich hohen Temperaturen füllte sich das Gelände erstaunlich schnell, denn schließlich ließen das Bandangebot und der dicht gedrängte Ablauf wenig Zeit für Verschnaufpausen. Schon kurz vor der Mittagszeit übernahmen Industrial und EBM das Marschtempo im Staatenhaus, bevor A Life die Mainstage eröffneten. Die Formation aus Bayern erfüllte die schwierige Aufgabe als Opener mit Bravour. Mit dem jüngst erschienenen Album „The Great Escape“ (01/2013) im Gepäck, zeigten sie dem Publikum direkt, wie man auch zu früher Stunde begeistern kann. Zwar verteilten sich die Zuschauer noch zögerlich vor der Bühne, ließen sich aber von den ersten Klängen der Musik mehr und mehr von den Marktständen in Richtung Hauptgeschehen locken. Schade nur, dass die Sound-Abmischung noch nicht richtig passte, was je nach Platz im Zuschauerraum zu sehr unterschiedlichen Hörerlebnissen führte. Doch allein durch ihre Spielfreude machten die Musiker dieses Problem wieder wett.

Beinahe nahtlos ging es danach mit metallischen Klängen weiter. Neue Deutsche Härte stand auf dem Programm und damit die silbernen Herrschaften von Stahlmann. Schon ihr Auftreten ist im Vergleich zu den üblichen Dreck- und Kunstbluteskapaden einiger ihrer Musikerkollegen ein Blickfang und zumindest die ersten Reihen dürften auch auf dem Amphi Festival eine Portion Silberstaub als kleine Erinnerungshilfe abbekommen haben. Auch Stahlmann dürfen sich mit einem neuen Silberling rühmen - „Adamant“ (04/2013) heißt das gute Stück, das den Musikern begeisterte Pressestimmen beschert hatte. So durften auch neue Hits wie „Schwarz“ oder „Süchtig“ in der Festivalsetlist nicht fehlen, was in Kombination mit Klassikern wie „Stahlmann“, „Spring nicht“ oder „Stahlwittchen“ nicht nur zu einem ausgewogenen Set führte, sondern gleichzeitig auch kaum Wünsche der Fans offen ließ.

Während sich zeitgleich Christian von Aster und anschließend Dr. Mark Benecke im Theater mit ihren Lesungen präsentierten, durfte das Publikum vor der Mainstage ein zunächst etwas ungewöhnliches Spektakel ansehen. Auf dem Plan standen Solitary Experiments, was zumindest auch Bühnenaufbau und Banner ankündigten. Doch statt der Musiker erschienen vier junge Damen, die für den ersten Song ihre Plätze einnahmen und eine eher asynchrone Playbackshow vollführten. Schön anzusehen mochte das Ganze durchaus gewesen sein, doch irgendwie ließ sich der Gedanke an eine kleine Mini Playback Show nicht ganz verwehren und böse Zungen waren beinahe schon auf der Suche nach Moderatorin Marijke Amado. Der seltsame Zauber war glücklicherweise schnell vorbei und Solitary Experiments übernahmen ihre angedachten Plätze. Dass nun gepflegter Industrial auf dem Programm stand, war nicht mehr zu bezweifeln und die Zuschauer verwandelten sich trotz der Hitze schnell in eine zufrieden tanzende und mitsingende Menge. Vor allem dank mitreißender und für gute Laune sorgende Beats hinterließen die Berliner bei dem Teil der Zuschauer, die die Formation noch nicht kannten, nach anfänglicher Verwirrung einen positiven Eindruck.

Nachdem es im Staatenhaus mit Bands wie Fabrik C, XOTOX, Frozen Plasma und Faderhead bisher stark elektronisch zugegangen war, wurde auf der Mainstage weiter für Abwechslung gesorgt. Wesselsky stand auf dem Programm und damit ein Gesicht, das dem Publikum bei weitem nicht unbekannt gewesen sein dürfte. Der Name verrät es schon, dabei handelt es sich um nichts und niemand anderen als Alexander Wesselsky, der mit seinem Soloprojekt unter anderem alte Titel von Megaherz neues Leben einhaucht. Bekannt dürfte er außerdem durch Eisbrecher und seine diversen Tätigkeiten als TV-Moderator („Der Checker“) sein. Ideale Voraussetzungen eigentlich.

Vor allem Wesselskys Energie auf der Bühne ist immer wieder ein Highlight. Auch an diesem Tag wirbelte der Musiker über die Bretter und ging dabei ganz natürlich in seiner Musik und in der Kommunikation mit seinen Fans auf. Wilde Grimassen gehörten dabei ebenso zur Tagesordnung, wie seine Ehrlichkeit, dass er für 20 Jahre alte Songs inzwischen eine kleine Gedächtnisstütze bräuchte. Statt sich Texte heimlich auf Bühne oder Boxen zu kleben, wurde deshalb immer wieder Backliner Dodo herbeigeordert, um als menschlicher Notenständer zu dienen und in Fällen von Gedächtnislücken mit dem richtigen Textzettel für Abhilfe zu sorgen.

Nach einem Akustikauftritt der Mittelalter-Formation Dunkelschön, übernahmen Escape With Romeo im Theater die Aufgabe, auch diesen Teil der Location gebührend aufzumischen. Parallel war auf der Mainstage Zeit für Tanzwut. Die Mittelalter-Elektro-Formation ist vor allem durch ihren charismatischen Sänger und Bandbegründer Teufel mit starkem Wiedererkennungswert behaftet und für ihre energiegeladenen Shows bekannt. Die Mischung aus mittelalterlichen Instrumenten und modernen Industrialklängen macht die Berliner dabei weiterhin weitestgehend einzigartig. Der Erfolg des Konzepts spiegelt sich in ihrer breiten Fangemeinschaft wider, von der sich eine breite Masse im Zuschauerraum des Amphi Festivals eingefunden hatte.

Funker Vogt und Grendel setzten im Staatenhaus den Elektro-Trend des Tages fort, während es an anderer Stelle ungleich härter zur Sache ging. Agonoize waren bereit, mit dem Publikum ihr 10-jähriges Jubiläum zu feiern und dafür ganz groß aufzufahren. Sänger Chris L. schwebte mit einer Dornenkrone auf dem Kopf wie ein Gekreuzigter von der Bühnendecke herab und startete das skurrile Programm, das garantiert nichts für schwache Nerven und aus der Szene nicht mehr wegzudenken ist.

Während im Theater die erste Filmpräsentation des 20-jährigen Jubiläums von Welle:Erdball kurz bevorstand, sorgten Phillip Boa And The Voodooclub für ein weiteres musikalisches Highlight. Zwar mag eine Band wie diese, die für avantgardistischen Indie-Pop bekannt ist, auf einem Festival dieser Art wie ein Fremdkörper wirken, doch alle Zweifler wurden eines Besseren belehrt. Phillip Boa und seine Formation schafften es mühelos, die Zuschauer für sich zu gewinnen, auch wenn Mr. Boa durch seine Gestiken - er schlug sich immer wieder gegen den Kopf - etwas verstört rüberkam. Musikalisch überzeugte die Mischung aus 80er-Jahre-Pop, Punkrock sowie leichten Rock-Einflüssen dennoch auf ganzer Linie, auch wenn die Band nicht ihre komplette Bühnenzeit ausnutzte.

Beinahe pünktlich zur Prime Time war es an der Zeit für den Headliner des Tages - VNV Nation. Das englisch-irische Duo wickelte das Publikum mit viel Charme um den kleinen Finger und animierte es zum Tanzen und Feiern. Sänger Ronan Harris zeigte sich in besonders guter Laune und war für allerlei Späßchen zu haben. Er flachste mit dem Publikum, modelte für die Fotografen und sorgte für dauerhafte Hochstimmung bei den Zuhörern. Fazit: Ein würdiger Abschluss des ersten Tages auf der Hauptbühne. Im Staatenhaus standen noch Atari Teenage Riot und Alien Sex Fiend auf dem Programm, während das umgebaute Theater bereits mit der Aftershowparty und erlesenen DJs darauf wartete, die tanzwütige Menge bis in die frühen Morgenstunden zu beschäftigen.

Der erste Festivaltag bot zahlreiche Highlights und 14 Stunden abwechslungsreiches Programm. Aber auch Tag zwei versprach großartige Acts und ein grandioses Finale.

für CDstarts.de

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