Rock im Pott 2013, Gelsenkirchen, 18.08.2013, Veltins Arena

  • 04.09.2013
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Rock im Pott 2013, Gelsenkirchen, 18.08.2013, Veltins Arena - News
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Zum zweiten Mal wird die Arena auf Schalke als Festival-Stätte gerockt.

Bereits zum zweiten Mal lädt das Tagesfestival Rock im Pott Musikbegeisterte nach Gelsenkirchen ein. Veranstaltet von den Machern von Rock am Ring und Rock im Park, darf sich das Publikum erneut auf ein hochkarätiges Programm freuen. Mit sechs abwechslungsreichen Bands wird einiges geboten, doch ca. 27.500 Besucher schaffen es nicht annähernd, die Schalker Arena zu füllen. Im Vorjahr war die Veranstaltung noch deutlich besser besucht, was darin begründet sein könnte, dass synchron der neue Zwilling Rock'n'Heim auf dem Hockenheimring sein Festival-Debüt feiert. Dort sind die gleichen Acts wie auf Schalke vertreten, allerdings auf drei Veranstaltungstage verteilt und damit für die meisten Partyhungrigen das attraktivere Angebot. Sei es drum.

Den Anfang machen Biffy Clyro. Die Schotten geben von der ersten Minute an Vollgas. Ihr jüngstes Album „Opposites“ (01/2013) steht dabei im Fokus und verschönert mit seinem Albumcover auch das Bühnenbild. Die Show gestaltet sich energiegeladen, schnell und musikalisch hochwertig. Nur an der Begeisterung des Publikums, das allein den Bandshirts nach zu urteilen in größten Teilen für Volbeat und System Of A Down angereist ist, mangelt es noch. Viele stehen zu diesem Zeitpunkt außerdem noch vor der Halle, um ihre Oberrangkarten gegen bessere Unterrang- und Innenraumkarten zu tauschen, so dass sie den Auftritt verpassen.

Den Deftones eilt ein zwiespältiger Ruf vom Hockenheimring voraus: Schlechter Sound, der mit einer energiegeladenen Show und großen Stunts von Frontmann Chino kompensiert wurde, bestimmte den Auftritt auf dem Zwillingsfestival. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, doch auch hier bleibt die Begeisterung aus. Musikalisch präsentiert sich die Formation aus Kalifornien durchaus gut, in Sachen Performance fehlen aber die Highlights und Showstopper, die bei einem so starken Line-up nötig sind, um sich aus der Masse hervorzuheben. Das jüngste Album „Koi No Yokan“ (11/2012) kommt in der Setlistgestaltung natürlich nicht zu kurz, die passende Mischung aus alt und neu wird dabei jedoch nicht vernachlässigt.

Rapper Casper fällt im Anschluss völlig aus der Reihe. Zwar ist im vorderen Zuschauerraum eine deutliche Fanbase zu erkennen, die ihn und seine Musik durchaus feiert, der Großteil der Arena kann sich mit seiner Interpretation von HipHop und Rap jedoch nicht so wirklich anfreunden. Die Frage, wer denn heute für HipHop hier wäre, wird ebenso mit Buh-Rufen beantwortet, wie der Großteil seiner Kommunikationsversuche mit dem Publikum. Casper selbst lässt sich davon nicht beeindrucken und zieht stattdessen sein Ding durch. Weil er nicht so richtig mit den Festivalbesuchern scherzen kann, zieht er mit seinen Zwischenmoderationen alles ins Lächerliche. „Wem gefällt es?“, fragt er zunächst und ergänzt zwei Sätze weiter mit der Frage „Und wer findet's scheiße?“ Endlich ertönt Jubel unter den Zuschauern. „Ja, ich auch!“ - eine passende Antwort von Casper. Nein, punkten kann er hier einfach nicht in dem Umfang, in dem man es von ihm gewohnt ist. Zumindest Teile des Publikums machen das Beste daraus und pogen sich schon einmal warm für das was noch so kommt.

Tenacious D bringen endlich den Umschwung. Schon das Intro, zu dem Jack Black und Kyle Gass samt Band in Mönchskutten erscheinen, erntet Beifall. Spätestens als sich beim ersten Song „Rise of the Fenix“ das Bühnenbild in Anlehnung an das männliche Geschlechtsteil aufbläst, steigt die Stimmung. In bester Blödelmanier rocken die beiden Entertainer über die Bühne. Showelemente wie Aliens oder Roboter gehören dazu und ernten Lacher und Begeisterung. Spätestens bei „Tribute“ gibt es dann kein Halten mehr. 27.500 Kehlen singen begeistert mit und schreien Jack und Kyle den Refrain förmlich entgegen. Großartig!

Die Dänen von Volbeat können nun auf ein endlich erwachtes Publikum blicken. Ihr „Elvis-Hardrock“ ist heiß gefragt und das aktuelle Album „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ (/2013) bestätigt die Beliebtheit der Musiker. Sie zeigen sich trotz zahlreicher Festivalauftritte immer noch bei bester Laune und geben auch im Pott alles. Die Mischung stimmt, die Performance auch, aber der Sound lässt die Band leider im Stich. Gerade bei einem so gitarrenlastigen Line-up ist die richtige Abmischung wichtig, was auf Schalke nicht der Fall ist. Schade, denn so verschwinden die musikalischen Feinheiten, die viel zum typischen Volbeat-Sound beitragen, in einem zähen Sound-Brei. Dafür punkten sie mit einer Mischung aus eigenen Songs und wild gemischten Covern von Judas Priest über Rammstein bis Johnny Cash.

Das absolute Highlight und gleichzeitig den krönenden Abschluss des Tages liefern System Of A Down. Die Band wird unter lautem Jubel begrüßt und startet direkt durch. Zwar ist die Beleuchtung der Bühne ebenso spärlich wie die Performance der Musiker, doch mit ihrem musikalischen Niveau machen sie alles wieder wett. Die Arena tobt und verwandelt sich schnell in einen Hexenkessel, in dem an jeder Ecke ein Moshpit wütet. 23 Songs umfasst die Setlist, die damit einen schönen Querschnitt durch sämtliche Band-Highlights bietet. Wie ein Orkan tobt das Programm an den Zuschauern vorbei und 90 Minuten verfliegen förmlich. Vor allem Sänger Serj Tankian überwältigt mit seiner Stimme, die die Qualität der Studioaufnahmen glatt übertrumpft.

So bleibt eigentlich nichts anderes, als Rock im Pott 2013 trotz sinkender Besucherzahlen als musikalischen Erfolg zu bezeichnen. Zwar brauchte das Publikum eine ganze Weile um warm zu werden, doch einmal begeistert, war es nicht mehr zu bremsen und schuf eine unglaubliche Atmosphäre auf Schalke.

für CDstarts.de

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