Scooter Live: Leipzig, 10.01.2014, Arena

  • 12.01.2014
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Scooter - Live: Leipzig, 10.01.2014, Arena - News
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Scooter haben in Leipzig gezeigt, dass all diejenigen, die sie belächeln, noch nie auf einer ihrer Shows waren.

„Döp-döp-döp-dö-dö-döp-döp-döp!“ - schon Kilometer vor der Arena Leipzig ist es unüberhörbar, wer hier heute Abend ein Konzert geben wird. Jeder kennt sie und mindestens fünf ihrer Songs: Scooter. Die kultige Techno-Formation feiert dieser Tage ihr 20-jähriges Jubiläum, zwei Jahrzehnte Hardcore, Single-Hits und „Hyper Hyper“. Das Publikum ist durchmischt, fast wie bei einer riesigen Familienveranstaltung, nur mit harten Bässen, zuckenden Lichtern und einem blonden Typen Mitte 40, der noch topfit aussieht, als sein Publikum nach 90 Minuten schon fast in den Seilen hängt. Angekündigt als der einzig wahre „Chicksterminator“ und gehuldigt durch unzählige, neonfarbende „Who the fuck ist H.P. Baxxter?“- Shirts pirscht der als Hans Peter Geerdes geborene Baxxter über die Bühne, immer den nächsten Schlachtruf auf den Lippen - und davon haben Scooter nun wirklich einige zu bieten. Jigga, Jigga!

Los geht die Show mit einem wahrlich lauten Knall, der das gesamte Publikum wie erschrockene Rehe zur Bühne starren lässt, während Rick J. Jordan, Michael Simon und H.P. Baxxter inklusive ihrer Instrumente zum Terminator-Soundtrack von der Decke herunter schweben und ihren 2004er-Smasher „One (Always Hardcore)“ auf 10.000 feierwillige Fans loslassen. Es entsteht ein riesiger Dancefloor, auf dem, angepasst an die bpm-Geschwindigkeit, mehr gezappelt und gesprungen als im herkömmlichen Sinne „getanzt“ wird. „Ramp! (The Logical Song)“, „Nessaja“, „Fire“ - die Liste der Hits ist lang, wird aber, zur Überraschung vieler, nicht ausgereizt, sondern auch durch Nummern ergänzt, für die man schon etwas tiefer in der Scooter-Plattenkiste wühlen muss. Einige Songs, wie das von allen gefeierte „Jumping All Over The World“, werden nur angespielt, andere, wie „Faster Harder Scooter“, nur angedeutet, einige wenige, wie „Weekend!“, komplett ausgelassen. Das ist aber eher die Seltenheit, Scooter bemühen sich merkbar, einen bunten Ritt durch ihr Repertoire zu liefern, kleine Abstriche seien ihnen da verziehen.

Denn Jordan, Simon und Baxxter machen eigentlich genau das, was man von vielen anderen Bands gerne hätte: Sie variieren ihre Setlist, spielen nicht alle Jahre wieder die gleichen 20 Lieder. Stattdessen haben sie Mut zur Lücke, auch mit der Konsequenz, dass nicht wenige Fans insgeheim vielleicht doch lieber „Fuck The Millennium“ komplett gehört hätten, anstelle von „Roll Baby Roll“ oder „No Fate“. Aber egal, Scooter haben in Leipzig gezeigt, dass all diejenigen, die sie belächeln, noch nie auf einer ihrer Shows waren. Denn wer so viel Pyrotechnik, so viele Scheinwerfer und solch eine LED-Wand für einen verhältnismäßig humanen Eintrittspreis auffährt und am Ende auch ohne diese Requisiten ein bemerkenswert gutes Konzert gegeben hätte, der bietet seinen Fans mehr, als es üblich ist. Und das ist immer noch das beste Argument.

für CDstarts.de

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