Sonata Arctica Live: Bochum, 19.04.2014, Matrix

  • 20.04.2014
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Sonata Arctica - Live: Bochum, 19.04.2014, Matrix  - News
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Italienische Hasen, finnische Wölfe und Donald Duck.

Sonata Arctica: eine sichere Sache! Wer sie live gesehen hat, wird es wieder wollen und mit hoher Wahrscheinlichkeit aufs Neue überzeugt werden. Da ist es kein Wunder, dass sich in der Bochumer Matrix treue Fans finden, die Tony Kakko und seine Meute sicherlich nicht zum ersten Mal erlebt haben - immerhin feiert die Band ihren 15. Geburtstag und war schon einige Male in Bochum. Überrascht werden aber auch diese Menschen: Nicht nur hat sich der neue Bassist Pasi Kauppinen (Ex-Requiem) hervorragend in die Band integriert, auch funktionieren die Kompositionen des absolut überzeugenden achten Longplayers „Pariah's Child“ super auf der Bühne. Aber fangen wir mal ganz am Anfang an.

Die Italiener Trick Or Treat als Vorband zu verpflichten, sollte sich als wahrer Glücksgriff entpuppen. Generell hat man in den vergangenen Jahren immer wieder ein glückliches Händchen bewiesen, wenn es um Vertreter der italienischen Szene ging - man erinnere sich an den Support der wahrhaft großartigen Labyrinth. Dennoch sieht es seit einiger Zeit eher düster in der italienischen Power-Metal-Szene aus. Plagiate von Plagiaten bevölkern den Underground, die einstige Frische der frühen Nullerjahre ist kaum noch zu finden. Da sind die Herren aus Modena einer der extrem selten gewordenen Lichtblicke. Passend zur Osterzeit lassen Frontmann Alessandro Conti (auch bei Luca Turilli's Rhapsody) und seine Mitstreiter in ihren Songs allerlei Hasen hopsgehen. Das Konzept von „Rabbit's Hill Pt. 1“ (2012), welches auf Richard Adams Roman „Watership Down“ basiert, funktioniert zwar live ganz anders als zu Hause, fasziniert aber ungemein. Nebenbei entsteht ein interessanter Kontrast: Die äußerst düsteren, schweren Nummern stehen federleichten, unbeschwerten direkt gegenüber.

Nachdem „Prince With A Thousand Enemies“ und der tonnenschwere Beinahe-US-Power-Metaler „Premonition“ einen ersten Geschmack bieten, was man von der Band zu erwarten hat, beweisen Trick Or Treat mit dem Cyndi-Lauper-Cover „Girls Just Want To Have Fun“ direkt ihre augenzwinkernde Attitüde. Und wenn Frontmann Alessandro zum Rausschmeißer „Like Donald Duck“ mit weißen Micky-Maus-Handschuhen die Pommesgabel macht, ist eh alles klar. Trick Or Treat beweisen Spielfreude und Energie, ihnen sei der Erfolg unbedingt gegönnt. Fest steht, dass sie in der Matrix mit Sicherheit den einen oder anderen Besucher für sich gewinnen konnten. Sie haben es sich verdient!

Nach einer erfreulich kurzen Pause geht es dann endlich weiter. Auf Sonata Arctica haben die meisten Besucher eben gewartet und dementsprechend gut ist die Stimmung, als sie nach einem kurzen Intro ihre aktuelle Single „The Wolves Die Young“ anstimmen. Erwartungsgemäß funktioniert der Song vorzüglich und präsentiert direkt zu Anfang eine Band, welche nicht nur live, sondern nach langer Zeit auch wieder im Studio ihre Ideallinie gefunden hat. Mit „What Did You Do In The War, Dad?“, „Cloud Factory“ und „Blood“ ist das aktuelle Album allerdings nicht sehr prominent vertreten. Besonders „X Marks The Spot“ oder „Running Lights“ hätten nach einer Live-Performance regelrecht geschrien.

Mit insgesamt acht Alben haben die Finnen mittlerweile die Qual der Wahl - Hits, Evergreens und Fanlieblinge finden sich immerhin auf jedem Album, wobei es kein Lied von „Winterheart's Guild“ und „Unia“ in die Setlist geschafft hat. Die Mischung macht's dann letzten Endes. Da haben wir älteres Material wie „Black Sheep“, „San Sebastian“ (beide von „Silence“) oder „Kingdom For A Heart“ („Ecliptica“) neben den neueren Songs „Losing My Insanity“ und „I Have A Right“ (beide von „Stones Grow Her Name“), welche allmählich den Test der Zeit bestanden haben und dementsprechend positiv angenommen werden. Und selbstverständlich sind da die Nümmerchen ohne jene Sonata Arctica die Bühne erst gar nicht verlassen brauchen: „Fullmoon“ vom Debüt „Ecliptica“, „Wolf And Raven“ von „Silence“ und „Don`t Say A Word“ von „Reckoning Night“ als Rausschmeißer. Das folgende Outro „Vodka“ ist wie immer inklusive! Echte Überraschungen finden sich mit „In The Dark“, einer B-Seite von „The Days Of Grays“ und „White Pearl, Black Oceans“. Letzteres wurde auf der Bühne bisher selten in Gänze gespielt - an diesem Abend erfreuen Sonata Arctica Publikum dagegen mit dem kompletten Longtrack!

Somit schenken die Finnen dem Publikum mit der gewohnt großen Spielfreude, ihrem typischen Humor und viel Power einen überaus gelungenen Abend, der ein weiteres Mal zeigt, dass die Band neben ihrem sauberen, runden Studioklang, auf der Bühne so richtig überzeugt. Die ungeheure Nähe zu ihren Anhängern haben Sonata Arctica auch in ihrem 15. Karrierejahr nicht verloren. Wie bereits erwähnt: Fans wissen einfach, was sie an den Jungs haben und wenn Tony Kakko seine imaginären Umarmungen in die Menge schickt, dürfte er wohl ebenso viele zurückbekommen. Sonata Arctica und Trick Or Treat in der Bochumer Matrix: Daumen hoch! Die Besucher einer selten so gut gefüllten Matrix werden dies bezeugen.

Setlist: Trick Or Treat

  • Dawn Of Times (Intro)
  • Prince With A Thousand Enemies
  • Premonition
  • Loser Song
  • Wrong Turn
  • Girls Just Want To Have Fun
  • The Tale Of Rowsby Woof
  • Like Donald Duck

Setlist: Sonata Arctica

  • Intro
  • The Wolves Die Young
  • Losing My Insanity
  • My Land
  • In The Dark
  • Cloud Factory
  • What Did You Do In The War, Dad?
  • Fullmoon
  • Black Sheep
  • Tallulah
  • White Pearl, Black Oceans
  • I Have A Right
  • Kingdom For A Heart
  • Wolf And Raven
  • Blood
  • San Sebastian
  • Don't Say A Word
  • Vodka
  • Outro

Text und Fotos: für CDstarts.de

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