Alice Cooper Live: Dortmund, 02.06.2014, Westfalenhalle

  • 03.06.2014
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Alice Cooper - Live: Dortmund, 02.06.2014, Westfalenhalle - News
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Alice Cooper ist eine Legende und wer eine seiner Shows gesehen hat, weiß auch warum. Im Rahmen der „Raise The Dead Tour“ hatte man in Mainz und Dortmund die Gelegenheit. Wer sie nutzte, durfte sich darauf gefasst machen, dass Cooper klotzte und nicht kleckerte. Den Anfang macht dabei seine diesjährige Vorband Fyre, welche mit ihrem Motto „This rockin' Latina sets your world on Fyre!“ vielleicht nicht in Sachen Bühnenshow und Effekte dem Meister das Wasser reichen kann, aber mit der argentinischen Frontfrau Alejandra Burgos nicht nur ein echtes Eyecandy am Start hat, sondern auch eine gute Gitarristin und noch bessere Sängerin. Zusammen mit ihren Kollegen Tolo Grimal aus Spanien und Lars Ratz aus Deutschland bildet sie ein Trio aus Flying-Vs, während die beiden anderen Spanier Sergi und Jaume hinter dem Schlagzeug bzw. Keyboard hocken.

Auch wenn nach gerade mal sechs Liedern der Spuk schon wieder vorbei ist, weiß der kernige und doch auch melodische Hardrock mit klarem 80er-Jahre-Einschlag zu gefallen. Während Alejandra im Rahmen der anderen Shows Feuer spucken durfte - man nimmt den Bandnamen anscheinend sehr ernst, verzichtet sie in Dortmund auf das Gimmick und haut „nur“ in bester Townshend-Manier ihre Gitarre zu Brei. Da sie eine zierliche Person ist, wirkt das ein wenig befremdlich - und unglaublich süß! Nach dem Gig gibt es ein Meet & Greet für alle Besucher im Foyer, wo Alejandra schließlich entspannt kostenlose Promo-CDs für alle Interessierten signiert. Im September erscheint dann die Langrille „Missy Powerful“, die man sich schon jetzt unbedingt vormerken sollte.

Nach einer kurzen Pause geht es dann mit dem Hauptact weiter. Einer der mehreren Vorhänge fällt, hinter denen sich die Band schon mal warm spielt und während ein plötzlich einsetzender Regen aus Magnesiumfeuer dem schließlich auftretenden Alice Cooper beinahe die Show stiehlt, ist es um das Publikum endgültig geschehen. Dieser Herr steht seit seinem 16. Lebensjahr als Musiker auf der Bühne und weiß genau, was er macht und wie er es zu machen hat. Dementsprechend ist die gesamte Show fast schon beängstigend professionell, angefangen bei seiner fünfköpfigen Band über die ausufernden Effekte bis hin zum Meister selbst. Cooper verzichtet darauf, durch Ansagen mit seinem Publikum zu kommunizieren. Allein seine Performance reicht aus und generell ist das komplette Konzert als eine gewohnt Cooper´sche Show ausgerichtet, welche mit beinahe einkalkulierter Megalomanie keiner weiteren Worte bedarf. Bei Songs wie „No More Mr. Nice Guy“, „Billion Dollar Babies“ oder „Hey Stoopid“ weiß eh jeder Anwesende, dass er gefälligst mitzusingen hat, und wenn es um das gezielte Einbinden des Publikums geht, hilft eben einer der Saitenhexer aus. Die Kunstfigur Alice Cooper behält ihre Unnahbarkeit, ist selbst Teil des großen Rockzirkus um sie herum und soll gar nicht erst entmystifiziert werden.

Der Zenit ist spätestens dann erreicht, wenn mit „Welcome To My Nightmare“, unterlegt mit Regengeräuschen und Blitzlichtern, ein audiovisuelles Erlebnis eingeläutet wird, welches eben nur ein Alice Cooper in einer solchen Form bieten kann. Plötzlich ist die Band - gerade eben leitete sie noch mit einem fulminanten Bass- und Drumsolo aus „Dirty Diamonds“ heraus - gar nicht mehr der Mittelpunkt des Geschehens. Bei „He's Back (The Man Behind The Mask)“, dem damaligen Song zum trashtastischen sechsten Teil der „Freitag der 13.“-Serie, leitet Cooper eine Camperin geradewegs in ihr Verderben, denn ein bulliger Jason wartet schon auf sie und bringt die Dame flugs um die Ecke. Hat sie nicht den Hockeymasken-Backpatch auf Coopers Jacke gesehen?

Ansonsten spielt er den Doktor Frankenstein („Feed My Frankenstein“) und nimmt selbst in der Wiederbelebungsmaschine Platz. Nachdem Nebel und Blitze den Protagonisten haben verschwinden lassen, torkelt für den Rest des Songs ein circa drei Meter großes Frankenstein-Monster über die Bühne. Schließlich muss Cooper (wie schon so oft) für seine Missetaten sein Leben lassen. Der beliebte Guillotinen-Trick macht Cooper einen Kopf kürzer. Kunstblut und ein Gummireplik seines Schädels, welche vom Henker genüsslich über die Bühne Spazieren geführt wird, sind selbstverständlich inklusive. Dann nähert sich alles dem großen Finale, wo der wiederbelebte Alice Cooper selbst die Toten wieder auferstehen lässt: Raise The Dead! Nach und nach werden auf der Leinwand hinter den Musikern Bilder von Grabsteinen Keith Moons (The Who), Jim Morrison (The Doors), Jimi Hendrix und John Lennon (The Beatles) zeigen und denen Cooper seinen ganz eigenen Tribut zollt. Besonders „Revolution“ scheint Alice Freude zu bereiten. Er trägt John Lennons ikonische Sonnenbrille und erinnert daran, dass die musikalische Karriere Coopers mit Beatles-Covern begann.

Zum Schluss kommen noch die echten Legenden. Ohne sie darf Alice Cooper keine Bühne verlassen - er würde damit eine echte Hinrichtung provozieren. „Poison“ verzichtet auf Effekte und konzentriert sich voll und ganz auf die Band und die tatkräftige Unterstützung des Publikums. „School's Out“ macht dann noch ein letztes Mal klar, was für eine Show man beim guten Alice geboten bekommt. Luftschlangen werden durch den Saal geschossen, riesige Luftballons auf die Meute losgelassen. Diese lässt sie fröhlich hin und her springen. Und vielleicht glauben einige Besucher dem netten Herrn Cooper ja und lassen nach diesem Abend wirklich Schule oder Abend sausen. Dann hat er jedenfalls alles richtig gemacht.

    Setlist:
  • Hello Horray (Judy Collins Cover)
  • House Of Fire
  • No More Mr. Nice Guy
  • Under My Wheels
  • I'll Bite Your Face Off
  • Billion Dollar Babies
  • Caffeine
  • Departement Of Youth
  • Hey Stoopid
  • Dirty Diamonds
  • Welcome To My Nightmare
  • Go To Hell
  • He's Back (The Man Behind The Mask)
  • Feed My Frankenstein
  • Ballad Of Dwight Fry
  • I Love The Dead/Under The Bed
  • Break On Through (To The Other Side) (The Doors Cover)
  • Revolution (The Beatles Cover)
  • Focy Lady (The Jimi Hendrix Experience Cover)
  • I'm Eighteen
  • Poison
  • School's Out

Text & Fotos: Daniel Køtz und für CDstarts.de

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