The National Live: München, 02.06.2014, Zenith

  • 08.06.2014
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The National - Live: München, 02.06.2014, Zenith - News
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Ein Mann in den besten Jahren, zerstreut und nachdenklich auf- und ablaufend. Wer hat ihn nur in diese unangenehme Situation gebracht? Die unangenehme Situation, vor mehreren tausend Fans seine Songs singen zu müssen, die Songs, die alle Anwesenden so vergöttern. Um ihn herum spielt eine Band, seine Band. Eine Band, deren Aufstieg in den letzten Jahren auch seinem markanten Organ zu verdanken ist. Jetzt steht er auf dieser Bühne im Münchner Zenith, es ist kurz vor neun und er soll singen. Wer hat ihn nur in diese unangenehme Situation gebracht?

Wenn man Matt Berninger, seines Zeichens Sänger und Frontmann von The National, auf der Bühne des Zenith in München umhertigern sieht, drängen sich einem die eben beschriebenen Eindrücke quasi auf. Berninger spielt kein Instrument, zwischen seinen Gesangsparts wirkt er auf der Bühne ein wenig verloren und rettet sich von einer Übersprunghandlung in die nächste. Er trinkt Sekt, läuft manisch von links nach rechts, wie ein Raubtier im Zoo. Dabei vergräbt sich seine Hand im Vollbart, so dass ihm stets etwas Nachdenkliches, in sich Gekehrtes innewohnt.

Nachdenklich. An sich gibt es wohl kaum ein angemesseneres Wort für die Musik, die The National ausmacht. Neben dem treibenden Schlagzeug von Drummer Bryan Devendorf, sind es vor allem die ruhigen, emotionalen Passagen, getragen von Berningers ruhigem Gesang, die die Alben des Fünfers aus Cincinnati, der live sogar zu siebt auftritt, zu etwas Besonderem machen. Und diese kommen live leider ein wenig zu kurz.

23 Songs spielt die Band an diesem Abend, die Anzahl der ruhigen und emotionalen Stücke lässt sich dennoch an einer Hand abzählen. Da ist das wunderbare „I Need My Girl“, das erfreulich albumnah interpretiert wird. Oder das ebenfalls vom aktuellen Longplayer „Trouble Will Find Me“ (2013) stammende „Pink Rabbits“ mit einem introvertierten und fast weinerlichen Berninger. Hier sind die Stärken dieser Band zuhause, auch wenn derartige Songs für einen Auftritt vor ein paar Tausend Menschen vielleicht zu unspektakulär daherkommen.

Darüber hinaus dominiert für The National-Verhältnisse der Bombast. Aufgeblasen mit Trompeten und Gitarren, gibt die Band alles, spielt damit den einen oder anderen Track jedoch in Grund und Boden. Besonders schlimm wird es bei „Slow Show“ („Boxer“, 2007) und „England“ („High Violet“, 2010). Die ruhige Stimmung der Albumversionen wird in keinster Weise erzeugt. Stattdessen ertrinken die zerbrechlichen Songs in einem Soundbrei aus viel zu vielen Instrumenten. Der dürftige Sound im Zenith tut hierzu sein Übriges. Da hilft es auch nur bedingt, dass Berninger bisweilen wie aufgedreht mit Sekt um sich schüttet, ins Publikum stürmt und auf Absperrzäune klettert. Doch so recht will das zu dieser Band einfach nicht passen.

Am Ende der Zugabe, nach knapp zwei Stunden, besinnen sich Berninger und Co. dann noch einmal, stimmen mit nur minimaler Instrumentalisierung „Vanderlyle Crybaby Geeks“ (ebenfalls „High Violet“) an. Das Publikum ist dabei, singt lauthals mit und trägt das Konzert mit einem wundervollen Moment einem versöhnlichen Ende entgegen. Es ist offensichtlich, dass sich die Band in diesen ruhigeren Wassern deutlich wohler fühlt und so muss man sich leider fragen warum sie nicht den Mut hatte, an diesem Abend häufiger in diesen zu schwimmen.

Setlist:

  • Don’t Swallow The Cap
  • I Should Live In Salt
  • Mistaken For Strangers
  • Ada
  • Bloodbuzz Ohio
  • Sea Of Love
  • Hard To Find
  • Afraid Of Everyone
  • Conversation 16
  • Squalor Victoria
  • I Need My Girl
  • This Is The Last Time
  • Abel
  • Slow Show
  • Pink Rabbits
  • Humiliation
  • England
  • Graceless
  • Fake Empire
  • All Dolled-Up In Straps
  • Mr. November
  • Terrible Love
  • Vanderlyle Crybaby Geeks

für CDstarts.de

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