Patrick Richardt Live: Dresden, 21.04.2017, Beatpol

  • 23.04.2017
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Patrick Richardt - Live: Dresden, 21.04.2017, Beatpol - News
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Gute Musik und keiner geht hin: Dresden verpasst ein Konzert, das die Qualität des noch jungen Albums „Soll Die Zeit Doch Vergehen“ unterstreicht.

Die Mundwinkel sind immer noch angespannt. Eine gute halbe Stunde nach den letzten Tönen will das Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht schwinden. Zu optimistisch, zu verträumt und zu rundum gelungen war das Set, das Patrick Richardt mit seiner Band da gespielt hat. Verflogen ist die Enttäuschung und auch die Scham, dass sich in der kulturell auf dem Papier ambitionierten Stadt Dresden nicht einmal 30 Menschen ins Beatpol verirrt haben.

Ein großes Lob an dieser Stelle übrigens an die tapfer spielende Vorband Leo Hört Rauschen. Mit mehr interessierten Musikfreunden vor Ort wäre eine Band aufgefallen, die durchaus bei Angst macht keinen Lärm am Mittag eröffnen könnte. So bleibt der Tiefpunkt des Abends der Vorband vorbehalten, deren Verstärker einsam zwischen den Liedern surrt. Schwieriges Publikum? Eher ein schüchternes Publikum, das sich in kleiner Anzahl im überdimensional erscheinenden Raum zu Beginn nicht recht wohlfühlen kann. Bis Patrick Richardt mit seiner Band ebenfalls routiniert und mit viel Freude für das nötige Bisschen Euphorie sorgt.

Große Lebensfreude für die kleine Menge

Richardt und seine Band eröffnen untypisch mit zwei Liedern des vier Jahre alten Debüts „So Wie Nach Kriegen“, wobei Patrick Richardt auch noch am Keyboard Platz nimmt. Trotzdem regt die Musik sofort zu besagtem Grinsen an und während die wenigen Besucher dümmlich grinsend aus der Entfernung der musikalischen Dinge harren, bittet der Sänger die Anwesenden nach vorne. Nahezu jeder Musiker kennt das Gefühl vor leerem Saal zu spielen und Richardt macht mit breitem Lächeln bekannt, dass das Beatpol doch ein wenig groß geraten ist für diesen Auftritt. Den Spaß an der Musik soll das nicht schmälern, wenn die Band die Songs des neuen Albums „Soll Die Zeit Doch Vergehen“ nahezu der Reihe nach spielt. Dabei stellt sich früh die Frage, was für Musik das jetzt eigentlich ist. Irgendwo zwischen Rock und Pop scheint die fairste Bezeichnung des Liedermachers, der eine Band mit sich führt.

Die wichtigste Erkenntnis hierbei ist, dass Patrick Richardt samt Band genau die Energie ausstrahlen, die die Platte erhoffen lässt. Der Sound ist auch live sauber, aber ihm wohnt eine Leichtigkeit inne. Auch wenn Richardt vom „Morgenlicht“, das wie er mit der Zeit zerbricht, singt, rührt er ohne übertriebenen Pathos zu Tränen. Trotzdem, und auch das macht das Live-Erlebnis spannend, ist die Entwicklung der Klangwelt ganz deutlich zu hören. Die Lieder der neuen Platte strahlen im Vergleich zu vielen der früheren Stücke und bevor sich die Zuhörer versehen, haben sie vergessen, dass das Beatpol aufgrund der Leere hallt.

Patrick Richardt ist auf der Bühne kein typischer Entertainer. Er erzählt kleine Geschichten und geht gerne auf Zwischenrufe des Publikums ein, aber eine Rampensau ist der schlanke Mann, in Dresden ganz in Schwarz gekleidet, wahrlich nicht. Der Funke springt über, wenn er mit seiner Band spielt und alles bis auf seine Musik und seine Band zu vergessen scheint. Gleiches gilt für die Zuhörer. Ob eine Stunde oder anderthalb vergangen sind, lässt sich nur schwer beantworten, ohne einen genauen Blick auf die Uhr zu werfen.

Patrick Richardt braucht nicht mehr Zeit, sondern mehr Zuhörer

Nach einem Abstieg hinunter zu den Fans für eine Akustikversion des sowieso schon stillen „Wie Weit“ und ein paar Zugaben hat Patrick Richardt ganz souverän und mit viel Charme ein Konzert geboten, das sich so auch vor ein paar hundert Menschen mehr spielen lässt. Die bezeichnende Aufbruchstimmung in „Euphorie“ ist sinnbildlich für einen Musiker, der anscheinend richtig gerne wieder auf der Bühne steht. Die Besucherzahlen stimmen vielleicht noch nicht immer, aber die Musik und die Darbietung lassen kaum Wünsche übrig. Als Vorband von Spaceman Spiff und Sportfreunde Stiller werden Richardt und seine Band sich mit Sicherheit auch vor großem Publikum wacker schlagen und bekommen hoffentlich die Aufmerksamkeit, die eines der herausragendsten, deutschsprachigen Alben des bisherigen Jahres verdient.

Patrick Richardt steht nicht für die fetteste Party des Jahres und auch nicht für einen herzzerreißenden Abend. Gemeinsam mit seiner Band liefert der moderne Liedermacher ein schlichtweg schönes Programm, das innerlich die Sonne aufgehen lässt. In den melancholischen sowie den vor naiver Hoffnung strotzenden Momenten schwebt Patrick Richardt und wer sich auf seine Musik einlässt, hebt für eine gute Stunde ab, sodass Hörer sich dem Programm entsprechend denken dürfen: „Soll Die Zeit Doch Vergehen“.

für CDstarts.de
Photocredit: Philip Lethen

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