Anika Maybe The End...?

  • 12.05.2014
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Anika - Maybe The End...? - News
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Kein endgültiger Schluss, sondern ein Neuanfang.

Sie macht es dem Publikum nicht leicht: Anika steht auf der Bühne, unbewegt, in sich selbst gekehrt. Sie meidet jeden Blick, verzichtet auf ein „Thank you!“ nach Applaus. Sie selbst spricht von der „arroganten Deutschen“, in die sie sich auf der Bühne verwandelt, doch man spürt die scheue Britin dahinter. Es geht ihr um die Distanz zwischen ihr als die Person Annika Henderson und Anika, der Sängerin. Das fehlende „n“ im Künstlernamen hilft ihr, die Distanz zum Projekt zu wahren.

Bevor sie Geoff Barrow (u.a. Beak>) kennenlernte, hatte sie zwei Jahre in Cardiff, Wales, als DJane, Band-Vermittlerin und Journalistin gearbeitet. Die wenige freie Zeit nutzte sie, um den Stress in Songtexten abzulegen. Dank Barrows Hilfe, Produzent von unter anderem Portishead, hat es geklappt, sie mit Musik zu verbinden. Beide teilten den Ärger über eine Musiklandschaft, die keine Risiken mehr einging und wo Kreativität und Experimente Perfektionismus und Anpassung weichen mussten. Anika wollte Musik machen, deren Inhalte wichtig sind, statt ihrer Ästhetik. Musik sollte nicht nur Flucht aus der Realität sein, sondern auch in die Realität zurückholen. Sie coverte politische Songs wie „Masters of War“ von Bob Dylan und macht sie sich zu eigen.

„I wanted to revise political songs because I felt like no one of my generation was really addressing the political situation that we're in.“ (Anika im Interview mit Jeff Weiss für LATimes.com, 18.09.2011)

Entfernt vom heutigen Mainstream fällt es nicht leicht, sich auf die scheppernde, düstere und schwere Musik einzulassen, die von Hendersons flachem, emotionslosem, manchmal schiefem Gesang begleitet wird.

„ I wanted to make something that people wouldn’t be able to classify or understand right away. It might baffle them a little and hopefully shake them into remembering that you don’t always have to colour inside the lines.“ (Anika im Interview mit Violet Valen für buddysocietyblog.com, 09.12.2010)

In Hendersons Stimme schwingt eine Mischung aus deutschem und walisischem Akzent mit, der Vergleiche mit Christa Päffgen der frühen The Velvet Underground nach sich zieht. Doch sie will niemanden imitieren und scheut sich, diese Parallele selber zu ziehen.

Henderson studierte Politik und Journalismus in Cardiff und arbeitete in ihrer Zeit dort als England-Korrespondentin für die Europäische Hochschulnachrichtenagentur (ESNA). Musik blieb für sie ein Hobby und nach der Arbeit mit Barrow zog sie nach Berlin, um dort als Journalistin für die ESNA weiterzuarbeiten. Anika war für Henderson eine Gelegenheit, Politik und Musik miteinander zu verbinden, sonst hätte sie den Schritt nicht gewagt. Erst als Barrow überraschend erklärte, dass es zu einem Album kommen würde, beendete sie ihre Arbeit als Journalistin und ging auf mehrmonatige Tour.

Ende 2011 überlegt sie, zum Journalismus zurückzukehren. Ein Shirt mit ihrem Konterfei und Debüt-Cover unterschrieb sie damals im November mit „Maybe the end...?“ Letztes Frühjahr veröffentlichte sie trotzdem mit ihrer selbstbetitelten „Anika EP“ neues Material, zeitlich umrahmt von einer Reihe von DJ-Mixen und -Auftritten in der Welt und der Welt in Berlin. Dennoch drehen sich Interviews mit ihr immer noch zum Großteil um politische Missstände. Manchmal deutet sie an, diese auch in zukünftigen künstlerischen Projekten ansprechen zu wollen.

Irgendwie war es also doch ein Ende. Doch eines, das sie zurückgeführt hat zu ihren Wurzeln. Kein endgültiger Schluss, sondern ein Neuanfang.

für CDstarts.de

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