Die Tops und Flops des Jahres 2014

  • 13.12.2014
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Die Tops und Flops des Jahres 2014 - News
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Wieder einmal geht ein Jahr zu Ende! Was waren die Platten des Jahres? Was hat gar nichts getaugt? Die ultimativen Listen der Redaktion!

Till Brokhausen

Top 10 Alben


1. Hundred Waters - The Moon Rang Like A Bell

2. Flying Lotus - You’re Dead!

3. Arca - Xen




4. FaltyDL - In The Wild
5. Caribou - Our Love
6. Tune-Yards - Nikki Nack
7. Black Knights - Medieval Chamber
8. Glass Animals - Zaba
9. Egokind & Ozean - Transition
10. SOHN - Tremors

Flop 5 Alben
1. Tycho - Awake
2. Klaxons - Love Frequency
3. New Build - Pour It On
4. The Glitch Mob - Love Death Immortality
5. Plaid - Reachy Prints

Top 5 Lieblingssongs
1. Hundred Waters - Chambers (Passing Train)
2. The Bug - Mi Lost
3. Seekae - Monster
4. Leon Vynehall - It’s Just (House Of Dupree)
5. SBTRKT - The Light

Till über sein Musikjahr: Beyoncé machte es noch im Dezember des Vorjahres vor, 2014 folgten unter anderem Aphex Twin-, Thom Yorke- und ähm… U2-Überraschungsalben. Doch auch wenn sie sich in Details unterscheiden, allen gemeinsam ist das digitale Experiment, das in verschiedenen Ausprägungen seit Napster stattfindet und ob der mutablen Netzlandschaft auch anno 2014 kein Ende gefunden hat. Doch wo Neuerungen stattfanden, war auch Stillstand vorzufinden. Aphex Twins neues Werk „Syro“ hat all jene desillusioniert, die auf eine ikonoklastische Renaissance gehofft hatten, und diente vielen dieses Jahr wohl vielmehr als definitiver Beweis für einen Retro-Trend, den Simon Reynolds und Mark Fisher freilich schon voraussahen. Doch dieses 2014 an „Syro“ festzumachen ist unfair, würde es sich doch sonst nicht um ein Phänomen handeln, das für die erste Hälfte der 2010er prägend war und dieses Jahr genauso gut am Internet-Mikrokosmos von PC Music und SOPHIE, dem Comeback der Afghan Whigs und Revival-Touren von Kate Bush und OutKast beobachtbar war. Der Footwork-Aufstieg weckte zwar Hoffnung auf einen neuen sogenannten „Future Shock“, einen Moment des Nichtverstehens und des Kulturschocks, doch das Genre ist auch ein Jahr nach „Double Cup“ (und vier Jahre nach dem richtungsweisenden „Bangs & Works 1“) weit davon entfernt, unsere europäische Subkultur entscheidend mitzuprägen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und nichtsdestotrotz soll nicht gesagt sein, dass 2014 keine guten Alben hatte.

Sebastian Meyer

Top 10 Alben


1. Ben HowardI Forget Where We Were

2. InterpolEl Pintor

3. Wild BeastsPresent Tense




4. MetronomyLove Letters
5. ColdplayGhost Stories
6. KeleTrick
7. SpoonThey Want My Soul
8. TV On The RadioSeeds
9. Alt-JThis Is All Yours
10. Thom YorkeTomorrow’s Modern Boxes

Flop 5 Alben
1. U2Songs Of Innocence
2. Rea GarveyPride
3. NickelbackNo Fixed Adress
4. Foo FightersSonic Highways
5. David GuettaListen

Top 5 Lieblingssongs
1. Coldplay – Midnight
2. Ben Howard – Time Is Dancing
3. Interpol – My Desire
4. Metronomy – The Upsetter
5. Wild Beats – Wanderlust

Sebastian über sein Musikjahr: Das Musikjahr 2014 ist fast vorbei und, ich kann es nicht ändern, ich bin enttäuscht. Nicht, dass es keine großartigen Alben gegeben hätte, ein Blick auf meine Top Ten oder die der geschätzten Kollegen zeigt durchaus qualitativ hochwertige Releases. Was mir persönlich fehlte: Die ganz große Überraschung, dieses Überalbum eines Künstlers oder einer Band, dem/der man das nicht (mehr) zugetraut hätte. Stattdessen kommen die Top-Platten von etablierten Serientätern. Ben Howard liefert, EPs eingerechnet, seinen vierten Kracher am Stück, Interpol trotzen internen Streitigkeiten und Personalverlusten mit ihrem vielleicht besten Album und Coldplay lassen die Stadionfanfaren im Schrank und glänzen mal wieder introvertiert und ruhig (wer nörgelt: „A Sky Full Of Stars“ kann man ja skippen). Ein Para-Para-Paradise für Fans der ersten Stunde. Es ist schön zu sehen, dass seine Lieblingskünstler mit ihren neuen Releases reihenweise überzeugen. Ob das der geneigte Dave-Grohl-Verehrer genauso sieht? „Sonic Highways“ ist sicher kein schlechtes Album geworden und wurde vom Kollegen Reichel zu Recht mit soliden 7/10 Punkten gewürdigt. Aber ist es nach all diesem Tamtam im Vorfeld, der aufwändigen (und sehenswerten!) Dokumentation sowie den nicht enden wollenden Berichten über die Entstehung nicht doch ein wenig enttäuschend, dass die Platte qualitativ deutlich hinter ihrem weit weniger ambitionierten Vorgänger „Wasting Lights“ zurückbleibt? Ein Liebesbrief an die Geschichte der amerikanischen Musik, sicher doch, aber einer mit unübersehbaren Rechtschreibfehlern.

Maximilian Nitzke

Top 10 Alben


1. ArkellsHigh Noon

2. Eugene McGuinnessChroma

3. Ex HexRips




4. Damien RiceMy Favourite Faded Fantasy
5. Gregory Alan IsakovThe Weatherman
6. Blitz The AmbassadorAfropolitan Dreams
7. Gardens & VillaDunes
8. Mick FlanneryBy The Rule
9. Kid SimiusWet Sounds
10. The Temperance MovementThe Temperance Movement

Flop 5 Alben
1. Corb LundCounterfeit Blues
2. Skid RowRise Of The Damnation Army: World Rebellion Chapter Two
3. Moon RelayMoon Relay
4. TarjaLeft In The Dark
5. Jonathan BouletGubba

Top 5 Lieblingssongs
1. Arkells – Never Thought That This Would Happen
2. Eugene McGuinness – Amazing Grace
3. Blitz The Ambassador – All Around The World
4. Damien Rice – I Don't Want To Change You
5. Delta Spirit – Language Of The Dead

Maximilian über sein Musikjahr: 2014 wird bei mir in keiner Weise als revolutionäres Jahr eingehen. Weder was Musik noch sonstige Unterhaltungsmedien angeht. Aber es war eben auch kein schlechtes Jahr. Kleine Sensationen, wie Damien Rices Rückkehr, haben sich allesamt sehr zurückhaltend präsentiert. Selbst die sonst so lange im Radio tingelnden Coldplay haben sich dieses Jahr äußerst unauffällig gegeben, ohne gleich einen Totalausfall hinzulegen. Für mich persönlich kam es im Grunde zu einigen erfreulichen Neuerscheinungen, da Musiker wie Mick Flannery und Arkells ihre alten Stärken untermauern und vergangene Schwächen ausmerzen konnten. Besonders Arkells liefen dieses Jahr auf und ab in den heimischen vier Wänden. Insgesamt sind die Scheiben in meiner Bestenliste jedoch alle von jener Qualität, dass ich als Hörer mich auf Interpreten verlassen kann. So richtig meine Welt entrückt hat dieses Jahr kein Musiker wirklich. Man möchte beinahe sagen: „Keine besonderen Vorkommnisse“. Das wäre jedoch ein viel zu pessimistischer Blick auf dieses Jahr. Es ist gut, wenn bestimmte Bands noch nicht am Zenit angekommen sind oder nach dem Debüt nicht gleich wieder einknicken. Und trotzdem ließen sich auch persönliche Neuentdeckungen feiern, sodass die Namen Ex Hex, Gregory Alan Isakov und Gardens & Villa jetzt ebenfalls für zukünftige Outputs fett eingekringelt sind. So kann der musikalische Adventskalender auch befüllt werden und in diesem Sinne will ich mich nicht beklagen und ein solides Jahr mit einer breiten Palette an starken Alben feiern.

Mauricio Quiñones

Top 10 Alben


1. LiarsMess

2. Sylvan EssoSylvan Esso

3. J Roddy Walston & The BusinessEssential Tremors




4. Sun Kil MoonBenji
5. SpoonThey Want My Soul
6. Ty SegallManipulator
7. HauschkaAbandoned City
8. JungleJungle
9. Alt-JThis Is All Yours
10. Gogo PenguinV 2.0

Flop 5 Alben
1. J.B.O.Nur die Besten werden alt
2. OonaghOonagh
3. Beatrice EgliBis hierher und viel weiter
4. AdoroNah Bei Dir
5. Helene Fischer Farbenspiel Live Die Tournee

Top 5 Lieblingssongs
1. Future Islands – Dove
2. Liars – Vox Tuned D.E.D.
3. Sylvan Esso – Dreamy Bruises
4. J Roddy Walston & The Business – Black Light
5. Spoon – Inside Out

Mauricio über sein Musikjahr: Essential Tremors create a Mess; a dog called Benji does exist, while a Sylvan Esso does not; Manipulators Want My Soul, but not To Be Kind to me; An Abandoned City will become a Jungle, where Singles like me will have Hot Dreams of you and think: This Is All Yours; however, I have to keep going, for only the true Voyager will see Sun Structures and not get blinded.

Heino Walter

Top 10 Alben


1. Niels FrevertParadies der gefälschten Dinge

2. Bonnie Prince BillySingers Grave - A Sea Of Tongues

3. Einar Stray OrchestraPolitricks




4. The ExcelsiorsControl This
5. Leonard CohenPopular Problems
6. Scott Walker + Sunn O)))Soused
7. John FullbrightSongs
8. Kelley MickweeYou Used To Live Here
9. Elliott BroodWork & Love
10. Trampled By TurtlesWild Animals

Flop 5 Alben
1. Pink FloydThe Endless River
2. GregorianWinter Chants
3. MarquessFavoritas
4. OonaghOonagh (Attea Ranta Second Edition)
5. AdoroNah Bei Dir

Top 5 Lieblingssongs
1. John Fullbright – The One That Lives Too Far
2. Niels Frevert – Muscheln
3. Roger Cicero – Knapp Daneben
4. Bob Mould – I Don`t Know You Anymore
5. David Crosby – Radio

Heino über sein Musikjahr: War nun 2014 oder 2013 ergiebiger, was den qualitativen Output von neuer Musik angeht? Das lässt sich so einfach nicht beantworten. Wichtiger ist vielmehr, dass es auch in diesem Jahr wieder ein Überangebot an interessanten, aufwühlenden und zu Herzen gehenden Tönen gab. Darunter auch etliche Überraschungen (positiv wie negativ) und neue Entdeckungen. Ein paar alte Helden trumpften nochmal eindrucksvoll auf (Bonnie Prince Billy, Leonard Cohen, Scott Walker) oder versagten kläglich (Neil Young mit „A Letter Home“). Niels Frevert hat seine herausragende Stellung unter den deutschsprachigen alternativen Künstlern untermauert und John Fullbright, Kelley Mickwee, Elliott Brood und Trampled By Turtles stehen in den Startlöchern, um den Americana- und Singer/Songwriter-Markt zu erobern sowie neue Qualitätsmarken zu setzen. Nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Formaten suchen das Einar Stray Orchestra und die Excelsiors. Damit haben sie sich Höchstwertungen in puncto Innovation verdient.

Günter Ramsauer

Top 10 Alben


1. Damien RiceMy Favourite Faded Fantasy

2. Andrea SchroederWhere The Wild Oceans End

3. KnabenkrautSomeone Still Loves You Knabenkraut




4. The Lancaster OrchestraThe Lancaster Orchestra
5. Cherry GhostHerd Runners
6. The AntlersFamiliars
7. Nick WaterhouseHolly
8. Ryley WalkerAll Kinds Of You
9. Mirel WagnerWhen The Cellar Children See The Light Of Day
10. King CreosoteFrom Scotland With Love

Flop 5 Alben
1. Beatrice EgliBis Hierher Und Viel Weiter
2. Helene FischerFarbenspiel Live Die Tournee
3. Howard CarpendaleViel Zu Lang Gewartet
4. SchillerSymphonia
5. Peter MaffayWenn Das So Ist Live

Top 5 Lieblingssongs
1. Andrea Schroeder – Until The End (feat. Filmorchester Babelsberg)
2. Misty Miller – Rabbits
3. Planeausters – Wouldn’t Say It’s Over, But It’s Gone
4. The Great Crusades – Sometimes On Sundays Too
5. Wanda – Bologna

Günter über sein Musikjahr: Ist es Zufall, dass im Jahr, als wir endlich wieder Fußball-Weltmeister wurden, zwei deutsche Interpreten in meinen Jahres-Top Ten zu finden sind? Irland hat der DFB-Elf in der Euro-Quali einen Punkt abgeknüpft und der irische Singer/Songwriter Damien Rice hat sich mir nichts dir nichts mein Herz und Platz eins erobert. Demzufolge ist Irland Weltmeister in meinem Musikjahr 2014. Nach vorne gestürmt ist der sagenhafte Newcomer Ryley Walker, der gar an den legendären Tim Buckley erinnert. Mirel Wagner und Nick Waterhouse konnten ihre sagenhaften Debütalben bestätigen und sind Wiederholungstäter. Ganz grob unter Soul-Pop mit 80er-Touch würde ich The Antlers und Cherry Ghost einordnen, die zu meiner eigenen Überraschung den Plattenteller ziemlich häufig in Beschlag nahmen. 80er-Jahre-Indie- und Twee-Pop allererster Güte lieferten Knabenkraut ab, die lediglich Punktabzug in der B-Note wegen des Bandnamens und des nicht so ganz passenden Coverartworks erhalten. Eine ganz große Singer/Songwriter-Hoffnung ist der Schwede Carl Mathson aka The Lancaster Orchestra, der mich ganz sachte, umso nachhaltiger in seinen Bann gezogen hat. Das hat auch King Creosote geschafft, der für mich sein bislang bestes Album veröffentlicht und es zum ersten Mal in meine Zehner-Favoritenliste geschafft hat. Und die wunderbare Andrea Schroeder sollte sich eigentlich den Weltmeister-Titel mit Damien Rice teilen, aber das geht nun mal rein schreibtechnisch nicht. Dafür hat sie den Thron und mein Herz mit ihrer Live-Version von „Until The End“ (feat. Filmorchester Babelsberg) bei meinen fünf Lieblingssongs von 2014 im Sturm erobert. Es wird bald Weihnachten und ich wünsche mir als Live-Vinyl das ganze Konzert mit Orchester! Bitte, bitte! Und – liebes Christkind, mach, dass Misty Miller bald ein neues Album herausbringt, von ihrer neuen Single kann ich einfach nicht genug bekommen. Zeit wird es auch, dass die Planeausters endlich wieder ein neues Album veröffentlichen, ihr fantastischer Song „Wouldn’t Say It’s Over, But It’s Gone“ verspricht einiges! Der ist übrigens Teil einer Split-Vinyl-Single, der andere gehört The Great Crusades, deren wunderbares „Sometimes On Sundays Too“ wiederum Teil ihres Albums „Thieves Of Chicago“ ist, das ich für CDstarts völlig zu Recht abgefeiert habe. 2014 war auch das Jahr der Österreicher, nicht im Fußball, vielmehr durch Der Nino Aus Wien und Wanda, deren „Bologna“ eine tolle Austria-Italo-Pop-Hymne abgibt wie wir sie aus dem deutschsprachigen Raum nur selten zu Gehör kriegen. Hierfür sind Die Autos immer ein Anwärter, veröffentlichen jedoch ihre Platten im Dezember und fallen somit immer durch das Jahres-Favoriten- Raster. Über die Flop 5 hülle ich den Mantel des Schweigens, nun ja ein Wort: Nervensägen!! Ansonsten: It was a very good year! Frohes Fest und guten Start 2015! PS: Ein wenig Eigenwerbung will ich auch noch betreiben, im Februar 2014 konnte ich mein Buch „SONGS TO REMEMBER – Geschichten aus der Zwischenwelt im Delta der Fußnoten Vol.1“ im Eigenverlag veröffentlichen. Bisher war es ein Erfolg im Kleinen, will ich meinen. Für Musik- und Popliteratur-Liebhaber, auch als Weihnachtsgeschenk geeignet. Follow the Link!

Filiz Gärtner

Top 10 Alben


1. Damien RiceMy Favourite Faded Fantasy

2. Rural Alberta AdvantageMended With Gold

3. Dry The RiverAlarms In The Heart




4. Rea GarveyPride
5. Ben HowardI Forget Where We Were
6. Sea WolfSong Spells No 1 Cedarsmoke
7. Nikolai TomasPoems For Laila
8. Woods Of BirnamWoods Of Birnam
9. Paolo NutiniCaustic Love
10. David GrayMutineers

Flop 5 Alben
1. Lily AllenSheezus
2. ColdplayGhost Stories
3. The Ting TingsSuper Critical
4. Imogen HeapSparks
5. The FrayHelios

Top 5 Lieblingssongs
1. Dry The River – Alarms In The Heart
2. Sea Wolf – Visions
3. Luke Sital Singh – Nothing Stays The Same
4. Morning Parade – Alienation
5. Woods Of Birnam – I’ll Call Thee Hamlet

Filiz über ihr Musikjahr: Damien Rice führt die TOP 10 an? Das kann eigentlich nur eins bedeuten: ein graues Jahr. Der ewig trauernde Ire meldet sich nach siebenmal Weihnachten zurück. Sieben Jahre, in denen sich Fans immer wieder gefragt haben: Geht es ihm gut? Kommt da noch was? Die Sorgen waren gänzlich unberechtigt, denn Damien hat etwas Bewundernswertes geschafft: Er präsentiert nach der langen Zeit des Wartens ein Album, das die Erwartungen übertrifft. Es begeistert. Während es gleichzeitig deprimiert. Damien Rice eben. Unverfälscht, nach all den Jahren. Davon können sich ausgerechnet die Ting Tings eine Scheibe abschneiden. Statt einer frechen Abfuhr langweilen sie mit Liebesliedern. Und dem einst so erfrischend koketten Popsternchen Lily Allen fällt nichts Besseres ein, als das Wort „Bitch“ rauf und runter zu trällern. Ja, sicher, das ist jetzt „super critical“ und es ist schon wirklich „hard out there“. Dabei könnte es so einfach sein: Wer sich treu bleibt, hat die besten Chancen. Niemand fordert Stillstand, gerne aber Authentizität. Kein Wunder also, dass dies das Jahr für Songwriter war. Wenn Ben Howard vom Ende einer Affäre singt, klingt das so echt, als stecke man selbst mit drin. Traurig und melancholisch mag auf Dauer anstrengend sein, aber wenigstens versprüht das den Charme der Leidenschaft. Was kommt dadurch beim Hörer an? Das Gefühl, dass der Musiker für seine Musik brennt. Grau ist so gesehen das neue „läuft bei dir“

Daniel Køtz

Top 10 Alben


1. Tuomas HolopainenMusic Inspired By The Life And Times Of Scrooge

2. Sonata ArcticaPariah's Child

3. OpethPale Communion




4. JuliInsel
5. Witch MountainMobile Of Angels
6. Element Of CrimeLieblingsfarben und Tiere
7. MessengerIllusory Blues
8. Blues PillsBlues Pills
9. EvergreyHymns For The Broken
10. AlcestShelter

Flop 5 Alben
1. J.B.O.Nur die Besten werden alt
2. OonaghOonagh bzw. Attea Ranta Second Edition
3. Beatrice EgliBis hierher und viel weiter
4. LuxuslärmAlles was du willst
5. ThresholdFor The Journey

Top 5 Lieblingssongs
1. Anathema – Anathema
2. Blues Pills – Ain't No Change
3. Alcest – Délivrance
4. Juli – Wenn sich alles bewegt
5. Element Of Crime – Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen

Daniel über sein Musikjahr: In der Jahresauswertung 2013 schrieb ich noch, dass der Power Metal „kaum noch etwas zu sagen hat“. Diese Aussage kommt ein Jahr später wie ein Bumerang zu mir zurück geflogen. Das Genre ist zwar in gewisser Weise ausgereizt und muss die eigenen Regeln befolgen, doch was einige Bands in diesem Jahr auf das Parkett gelegt haben, ist alles andere als von schlechten Eltern. So ziemlich jede Genregröße war dabei, angefangen bei Edguy über Gamma Ray bis hin zu HammerFall oder Sabaton. Die großen Überraschungen waren das nach etlichen Hängern überzeugende „Beyond“ von Freedom Call und das wirklich granatenstarke „Pariah's Child“ von Sonata Arctica - beide Alben können als Comeback der jeweiligen Band gesehen werden. Dann wäre da noch die Frage: Ist das noch Metal? Tuomas Holopainen denkt sein Nightwish anhand eines Konzeptalbums über Dagobert Duck einen Schritt weiter und outet sich endgültig als Mensch, der E-Gitarren als Ballast sieht, während Alcest ihre Shoegaze-Metamorphose voll und ganz durchzogen haben und Opeth - und dafür werden mich einige Fans hassen – bitte nie wieder zu ihren Death-Prog-Wurzeln zurückkehren sollen. Des weiteren halten in einer Metal-Welt, welche irgendwie traurigerweise mehr und mehr mit Piraten, Wikingern und Mittelalter-LARPern assoziiert wird, starke Damen das Zepter in der Hand: Die Blues Pills und besonders der fantastische Doom Witch Mountains pulsieren vor Kreativität und Energie. Im deutschsprachigen Sektor ging es 2014 ebenfalls rund. Die ungekrönten Könige der deutschen Sprache, Element Of Crime, melden sich mit einem grandiosen, doch viel zu kurzen Album zurück und Juli sollten letztendlich an einem Punkt angekommen sein, wo man sie nicht mehr in einem Atemzug mit Abfallprodukten nennt. Achja, solche gibt es natürlich auch wieder: Luxuslärm schaffen sich immer weiter ab, J.B.O. bleiben wie immer eine einzige Abschaffung und Oonagh verhurt Ethnomucke, Tolkien und so ziemlich alles, was als guter Geschmack gesehen werden kann. „Bis hierher und nicht weiter“ sollte da die Parole lauten - wahrscheinlich vergebens. Wer sich jedoch aufs Wesentliche konzentriert, erfreut sich an einem vollends gelungenen Musikjahr.

Christian Lamers

Top 10 Alben


1. KraftklubIn Schwarz

2. Royal BloodRoyal Blood

3. Slipknot5: The Gray Chapter




4. SlashWorld On Fire
5. Dead By AprilLet The World Know
6. Trouble OrchestraHeiter
7. HeisskaltVom Stehen und Fallen
8. Linkin ParkThe Hunting Party
9. BeatsteaksBeatsteaks
10. TeesyGlücksrezepte

Flop 5 Alben
1. Sinéad O‘ConnorI’m Not Bossy I’m The Boss
2. Tokio HotelKings Of Suburbia
3. CurseUns
4. Sonic SyndicateSonic Syndicate
5. Lenny KravitzStrut

Top 5 Lieblingssongs
1. Kraftklub – Wie ich
2. Billy Talent – Kingdom Of Zod
3. Royal Blood – Come On Over
4. Slipknot – Custer
5. Slash – World On Fire

Christian über sein Musikjahr: Das Jahr 2014 hatte einige Überraschungen parat und war vollgepackt mit Alben, auf die ich mich total gefreut habe. Unter anderem haben Slipknot angekündigt, nach sechs Jahren wieder ein neues Album zu veröffentlichen. Die Erwartungen waren hoch, meine hat „5: The Gray Chapter“ definitiv erfüllt. Laut, brutal aggressiv, aber trotzdem melodisch. Von Kraftklub habe ich nicht weniger erwartet. Ihr Debüt „Mit K“ war megaerfolgreich und lief bei mir rauf und runter. Als die Jungs aus Chemnitz dann Anfang des Jahres verkündeten, dass ihr neues Album im September rauskommen sollte, war ich natürlich erstmal superglücklich. Und auch „In Schwarz“ hat mich nicht enttäuscht. Der typische Kraftklub-Sound gepaart mit lustigen, aber diesmal auch nachdenklicheren Texten, hat mich auch diesmal wieder durch die Wohnung tanzen lassen. Linkin Park haben mit „The Hunting Party“ (zum Glück) zu alter Härte zurück gefunden. Die Beatsteaks zeigen weiter auf konstant hohem Niveau, dass sie eine der besten Bands Deutschlands sind. Und Slash lässt in seiner Zusammenarbeit mit Myles Kennedy ein weiteres super Album folgen, auf dem er beweist, was er an der Gitarre kann. Doch auch ein paar Newcomer haben mich überrascht. Zum einen Royal Blood mit ihrem dreckigen Garagensound, der nur aus Bass und Schlagzeug besteht. Zehn Songs und eine halbe Stunde Riffgewitter ohne Ausfall auf ein Erstlingswerk zu packen, ist schon eine Meisterleistung. Auch Trouble Orchestra sind erwähnenswert, die Band orientiert sich mit „Heiter“ zwar ein bisschen an Kraftklub (Kombination aus Sprechgesang und Rockmusik), klingt aber trotzdem ganz anders. Frisch, abwechslungsreich, spaßig, aber auch ernst, so könnte man die Scheibe zusammenfassen. Heisskalt machen ordentlich Feuer unterm Hintern, kalt wird einem bei „Vom Stehen und Fallen“ nicht. Und auch Teesy ist mit seinem Mix aus HipHop und Singer/Songwriter-Qualitäten eine Neuentdeckung, die groovige dreizehn „Glücksrezepte“ gezaubert hat. Was mich besonders freut, ist, dass deutsche Musik weiterhin erfolgreich und präsent ist. Und dabei meine ich nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Herbert Grönemeyer, Adel Tawil, Juli oder Udo Lindenberg, sondern eben Perlen wie Teesy oder Heisskalt, die nicht im Radio totgespielt werden und nicht Dauergäste in den Top 20 Singlecharts sind. Weiter so, mehr davon bitte!

Albert Ranner

Top 10 Alben


1. InsomniumShadows Of The Dying Sun

2. Taylor Swift1989

3. TriptykonMelana Chasmata




4. Dark FortressVenereal Dawn
5. BelphegorConjuring The Dead
6. WhitechapelOur Endless War
7. GoatwhoreConstricting Rage Of The Merciless
8. Tokio HotelKings Of Suburbia
9. The DaggerThe Dagger
10. PrimordialWhere Greater Men Have Fallen

Flop 5 Alben
1. ColdplayGhost Stories
2. Lily AllenSheezus
3. CalibanGhost Empire
4. AfrojackForget The World
5. Black Stone CherryMagic Mountain

Top 5 Lieblingssongs
1. Taylor Swift – Style
2. Magic! – Rude
3. Tove Lo – Stay High (Hippie Sabotage Remix)
4. Sigma – Nobody To Love
5. Sam Smith – Money On My Mind

Albert über sein Musikjahr: Vor 10 Jahren ist Tomas Forsberg alias Quorthon an Herzversagen gestorben. Der Black-, Viking- und Pagan-Metal-Pionier, dessen Einfluss in Bands kaum nachzuzählen ist, wollte mit seiner Band Bathory nie gewöhnliche Musik abliefern oder mit dieser lediglich das böse Image des Black Metal bestätigen. Quorthon hatte seine eigenen Ideologien, die er nach dem Verlassen satanischer und okkulter Inhalte, die die ersten drei Alben Bathorys begleiteten, mit dem Studium nordischer Mythologie verband. Bewusste Provokationen gab es bei ihm nur in Maßen und obwohl dieses Extreme-Metal-Jahr mit neuen Alben von Behemoth, Dark Fortress, Primordial und der eigens gegründeten Bathory-Tributeband Twilight Of The Gods nicht schlecht aufgestellt war, beschleicht einen doch das Gefühl, das die wirklichen Sensationen schon viel zu lange her sind. Wo bleiben die Meisterwerke, die auch Jahre nach ihrer Erscheinung zur Diskussion anregen oder aufgrund ihrer Qualität begeistern? Sind wir bereits dermaßen verwöhnt oder lassen wir einen genialen Freigeist wie Forsberg einfach nicht mehr zu? Vielleicht ändert sich diese Lage ja in 2015?! Bis das geklärt ist: R.I.P., Quorthon! Wir vermissen Dich!

Matthias Reichel

Top 10 Alben


1. Neil YoungStorytone

2. Damien RiceMy Favourite Faded Fantasy

3. Taylor Swift1989




4. Royal BloodRoyal Blood
5. BeatsteaksBeatsteaks
6. MorrisseyWorld Peace Is None Of Your Business
7. Lykke LiI Never Learn
8. PixiesIndie Cindy
9. ElbowThe Take Off And Landing Of Everything
10. Andrea SchroederWhere The Wild Oceans End

Flop 5 Alben
1. Pink FloydThe Endless River
2. U2Songs Of Innocence
3. ColdplayGhost Stories
4. NickelbackNo Fixed Adress
5. Lenny KravitzStrut

Top 5 Lieblingssongs
1. Pharrell Williams – Happy
2. Herbert Grönemeyer – Morgen
3. Marlon Roudette – When The Beat Drops Out
4. George Ezra – Budapest
5. Mark Forster – Au Revoir

Matthias über sein Musikjahr: Vorab: Meine Lieblingssongs stammen nicht zwingend von mir bekannten Alben. Sie müssen im Radio „funktionieren“, zum Beispiel morgens als Wachmacher („Happy“) oder abends als Entspannung („Morgen“). Meine Flop-Alben sind nicht zwingend solche, die die schlechtesten Bewertungen erhalten haben, sondern jene, die die Erwartungshaltung nicht erfüllen konnten - womit wir beim Thema wären. Selbst wenn ich mich wiederhole: Auch im Jahr 2014 gab es viel zu viele Veröffentlichungen in allen Genres, dominiert von Durchschnitt und Mist, wohin man nur blickt. Durch diese unüberschaubare Fülle gehen inzwischen auch potenzielle Hits und Highlights in der Aufmerksamkeit des Konsumenten - und damit kommerziell - unter wie Blei-Enten. Das kann weder den Künstlern noch den Plattenfirmen gefallen. Letztere versuchen den Karren mit immer opulenteren Luxus-Editionen (Umsatz!!) aus dem Dreck zu ziehen oder kommen zusammen mit ihren Künstlern (U2!!) auf Harakiri-Ideen, indem sie die Musik verschenken und ungefragt auf iPhones laden, die sie wenige Wochen später noch verkaufen wollen. Eine größere Entwertung von Kunst hat es selten gegeben. Der darauffolgende Shitstorm dürfte Balsam auf vielen (Künstler-)Seelen gewesen sein. Ansonsten war das (Musik-)Jahr 2014 relativ unspektakulär, mit ein paar merkwürdigen Comebacks, die vorerst nur auf der Bühne stattfanden (Blumfeld, The Libertines), in den deutschen Charts immer erfolgreicher werdenden Deutsch-Rappern (Marteria, Shindy, Farid Bang), gehackten Smartphones sogenannter Celebrities (darunter auch von Sängerinnen wie Rihanna, Ariana Grande und Selena Gomez), bekannt als „The Fappening“ sowie Social-Media-Kampagnen wie der „Ice Bucket Challenge“, bei der sich Promis mit Eiswasser gefüllte Eimer über den Kopf gießen. Zum Glück für einen guten Zweck.

Die Tops und Flops des Jahres 2014 wurden koordiniert von Daniel Køtz, Lektorat: Jessica Eggert und Matthias Reichel

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