Foreigner Juke Box Heroes

  • 22.07.2015
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Foreigner sind zurück auf der Bühne. Ein guter Grund, mal einen ausgiebigeren Blick in die Geschichte jener Band zu werfen, die Anfang der 80er zum Vorreiter der AOR-Bewegung wurde.

Pünktlich zum 40-jährigen Bandjubiläum in den nächsten Monaten, sind Foreigner zurück auf den Konzertbühnen, zwar vorerst nicht auf europäischen, aber zumindest auf nordamerikanischen. Aktuell befindet sich die AOR-Legende noch mit Rock-Rapper Kid Rock auf ausgedehnter US-Tour, ab Anfang Oktober rockt die Band aus New York dann mit den britischen Hardrockern von Def Leppard durch etliche US-Bundesstaaten. Grund genug, um einen Blick zurück in eine bewegte Band-Geschichte voller Höhe- und Tiefpunkte zu wagen.

Es war die beginnende Hochphase der Disco- und Punk-Ära, als sich 1976 die Musiker Dennis Elliot (Schlagzeug), Ian McDonald (Gitarre), Al Greenwood (Keyboard), Mick Jones (Gitarre), Ed Gagliardi (Bass) und Sänger Lou Gramm in New York formierten. ABBA, die Bee Gees und Hot Chocolate waren die Bands der Stunde, Plateauschuhe und Glitzer-Hemden bestimmten die Charts - vor allem auch die US-amerikanischen. Dennoch nahm sich das Sextett fest vor, am vom Prog- und Art-Rock geprägten Sound festzuhalten.

AOR erobert die Welt

Die Erfahrungen und die musikalischen Fertigkeiten waren allemal da: McDonald war Ende der 60er-Jahre Gründungsmitglied der Prog-Legende King Crimson, Mick Jones - der bei Bandgründung schon die 30 überschritten hatte - arbeitete ab den frühen Siebzigern als gefragter Gast- und Studiomusiker prominenter Künstler (Peter Frampton, George Harrison u.a.) und Lou Gramm musizierte als Schlagzeuger bei der Rockband Black Sheep. Die Zeichen standen also auf Erfolg - und dieser kam schnell.

Gleich mit ihrem selbstbetitelten Debüt erreichten Foreigner 1977 die Top Ten der US-Albumcharts, ebenso erklomm der Nachfolger „Double Vision“ (1978) einen vorderen Hitparaden-Rang und schaffte Siebenfach-Platin. Der Sound dieser ersten Band-Jahre war gitarrenlastig, kernig und ging immer wieder in die Heavy-Richtung. Ein erster vorsichtiger Flirt mit poporientierten, von Keyboards geprägten Sounds vollzog sich mit dem dritten Werk, „Head Games“. Endgültig angekommen im Adult-Orientated-Rock waren Foreigner mit dem im Sommer 1981 veröffentlichten Album „4“. Es kam nun das Phänomen auf, das sich schon bei artverwandten US-Bands wie Journey (mit dem Album „Escape“) oder Survivor (mit „Eye of the tiger“) zeigte: mit dem keyboardgeprägten, kommerziell ausgerichteten Mainstream-Pop-Stil verabschiedeten sich die altgedienten Fans der ersten Stunde. Dafür war man nun auch für die breite Pop-Hörerschaft interessant - und die konnte von dem eingängigen Melodic-Rock nicht genug bekommen.

Mit sanften Klängen an die Spitze

Mit „Urgent“ - einschließlich Thomas Dolby an den Synthesizern und Motown-Star Junior Walker am Saxophon - und „Waiting for a girl like you“ kamen nun endlich auch in Europa die großen Hits, doch der alles in den Schatten stellende Coup folgte drei Jahre später. Mit dem Konzeptalbum „Agent Provocateur“ hatte die Band ihren kommerziellen Höhepunkt erreicht, der ausgekoppelte, schwelgerisch-verträumte Song „I want to know what love is“ mauserte sich zu einem der Hits des Jahres - auf beiden Seiten des Atlantiks. Für viele stellt die Nummer die gesanglich beste Darbietung von Lou Gramm dar.

1987 zeigten sich jedoch erste Abnutzungserscheinungen. Songwriter Jones und Sänger Gramm schienen ihr kreatives Pulver auf „Inside Information“ größtenteils verschossen zu haben, auch wenn es mit der radiofreundlichen Single „Say you will“ und der Herzschmerz-Ballade „I don't want to live without you“ noch für zwei große Hits reichte. Es sollten die letzten in der Geschichte der Band sein. Der Rest des Albums: blutleere, halbgare und lustlos hingeschluderte Rock-/Pop-Massenware, nicht mehr als Albumfüller.

Der Abstieg

Lou Gramm, der bereits 1987 ein Soloalbum veröffentlichte, schied 1990 aus der Band aus. Er brauchte frischen Input und neue Projekte. Seine neu gegründete Band Shadow King existierte jedoch nur ein Jahr. Ohne Lou Gramm geriet das siebte Foreigner-Werk „Unusual Heart“ indes zum künstlerischen wie kommerziellen Total-Fiasko: Erreichten Foreigner-Alben früher mühelos aus dem Stand die Spitzenpositionen der (vor allem US-) Charts, so kam „Unusual Heart“ nicht einmal in die Top 100. Es war bestückt mit belanglosem Formatradio-Rock, den keiner hören wollte. Die Folge: Keine Single schaffte es in die Charts, nirgendwo auf der Welt.

Zwei Alben sollten noch folgen: das überflüssige Lou-Gramm-Comeback-Album „Mr. Moonligt“ (1994) und das überraschend gut gelungene, kompakte „Can't slow down“, das sich vom Klang her irgendwo zwischen „Agent Provocateur“ und „Inside Information“ ansiedelte und straffen Arena-Rock ohne Kompromisse bot. Bei ihrer aktuellen Sommer-Tour finden die Songs nach „Agent Provocateur“ dennoch keine Berücksichtigung, die Band konzentriert sich bei ihren neun bis zehn Songs umfassenden Sets nur auf ihre größten, bekanntesten Hits. Das ist vermutlich auch das, was die Fans so kurz vor dem 40-jährigen Bestehen hören wollen. Getreu dem Motto des „Agent Provocateur“-Hits: „That was yesterday“.

für CDstarts.de

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