New Build - Yesterday Was Lived And Lost - Cover
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New Build Yesterday Was Lived And Lost


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 56 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein bravern Soundtrack für den schüchternen, hornbebrillten, Strickpullover tragenden Opfer-Nerd

Leider nicht geil. Das letzte enttäuschende Hot Chip-Album scheint ein Richtungsindikator zu sein, denn nun kommen die Hot Chip-Mitglieder Felix Martin und Al Doyle, der parallel Sessionmucker bei LCD Soundsystem war, und weshalb manche schon die Superband-Alarm-Keule hypevoll schwangen, zusammen mit dem Toningenieur des renommierten Lenark Studio Tom Hopkins ähnlich ernüchternd daher wie zuletzt mit der Hauptband.

Dabei geht es so vielversprechend los mit dem reduziert perkussiven, aber zielstrebig rhythmischen Intro und dem gelungen nahtlosen Übergang zu „Medication“. Der soulig, poppige Einschlag vergangener Disco-Dekaden ist programmatisch zu verstehen. Es funkt, poppt, und Disco-wabert allenthalben auf „Yesterday Was Lived And Lost“, einem eigentlich so schönen Titel für ein Tanzalbum.

Doch irgendwann, scheint man eingeschlafen und auf Autopilot gestellt zu haben, in jenem Londoner Studio, welches schon Caribou, Hot Chip und Planningtorock beehrten, denn die anfänglich interessant klingende angezogene Handbremse der Rhythmik und Melodik ward einfach nicht losgelassen, und das kann – gähn – über eine knappe Stunde ganz schön Müde machen. New Build legen einen braven Soundtrack ab, für den schüchternen, hornbebrillten, Strickpullover tragenden Opfer-Nerd, der nach zwei Gläsern Sekt beim Abi-Ball aus sich raus gehen muss, um seiner heimlichen Liebe zur Klassenschönsten, die natürlich mit dem Sportler-Dude zusammen ist, wehmütig durch minimales Getanze Ausdruck zu verleihen. Bloß nicht zu viel Beat, bloß nicht ein zu klares Bekenntnis zur Emotion; Hauptsache alles ist hübsch unter Kontrolle und wohlgeordnet, wie die Briefmarkensammlung Papas aus den Achtzigern.

„Schism Of The Mind“ und „Do You Not Feel Loved“ versuchen mit klug gebauter Songstruktur inständig das schlaffe Blatt noch einmal zum Guten zu Wenden, doch „Behind The Shutter“, „Mercy“, „Finding Reasons“ oder „Last Gasp“ sind einfach zu viele Disco-Schlaftabletten auf einmal. Schade, da war deutlich mehr drin und der gute Einstieg macht es umso ärgerlicher. Ein klein bisschen Punk-Rock, ab und zu Mal eine Sauftour oder ein anderweitiger Rauschexzess täte dem ein oder anderen intellektuell-sensiblen Großstadtmusiker unseres 21. Jahrhunderts hörbar gut. Für New Build gilt: wer nichts wagt, gewinnt auch nichts.

Anspieltipps:

  • Medication
  • Schism Of The Mind

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