Spectrum Road - Spectrum Road - Cover
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Spectrum Road Spectrum Road


  • Label: Palmetto Records/SOULFOOD
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Woodstock war prägend und wichtig für die Musikwelt, aber irgendwann muss man auch loslassen können.

Jazz-Fusion ist eine der undankbarsten Genre-Beschreibungen, die es überhaupt gibt. Eigentlich ist es gar kein Jazz, wie viele behaupten und andere wiederum sehen in Jazz-Fusion den letzten Überlebenden des echten Jazz, wogegen viele Künstler zu glatt gebügelt klingen sollen. Von vornherein sollte Hörern klar sein, dass man diese Musik nur lieben oder hassen kann. Da ist es egal, ob so renommierte Künstler wie Jack Bruce (eines der Gründungsmitglieder der Band Cream) und Vernon Reed (Living Colour) sich mit Jazz-Pianist John Medeski und Schlagzeugerin Cindy Blackman-Santana (tourte mit u.a. Lenny Kravitz) zusammentun. Und außerdem verderben dem Sprichwort nach zu viele Köche bekanntlich den Brei.

Bei experimentellen Supergroups weiß man vorher nie genau, was man bekommt. Them Crooked Vultures und The Good, The Bad & The Queen sind hervorstechende Positiv-Beispiele, aber nicht immer sind solch Get-Togethers von Erfolg gekrönt. Wahrscheinlich werden zwischen Kennern und Liebhabern heftige Streitgespräche entstehen, aber was das Quartett unter dem Namen Spectrum Road geschaffen hat, ist in erster Linie altbackene Psychedelic-Prog-Kost mit einer ordentlichen Portion Space-Jazz. Klingt abgefahren, wenn man es liest und noch viel durchgeknallter, wenn man es hört.

„Where“ ist nur eines der vielen Beispiele, wie man drei Minuten mit Geräuschen und Soundeffekten im Hintergrund zu geheimnisvoller Atmosphäre arbeiten kann, um dann ein knapp zehnminütiges Gitarrenfeuerwerk loszulassen. The Mars Volta grüßen recht herzlich, haben auf ihrem neuen Album „Noctourniquet“ allerdings einen weitaus modernen Ansatz zum Thema gefunden. Vernon Reed darf nahezu wahllos aggressiv auf seiner Gitarre jammen, wozu Blackman versucht passende Rhythmen zu finden. Um bei den Beispielen zu bleiben, wird man an die ganz verrückten Momente von The Mars Volta in „Amputechture“ erinnert. Hier ist Hardcore-Liebe zu ausuferndem Progressive angesagt.

Das fordernde und letzten Endes ziellose „Where“ ist die Extremform dessen, auf was man sich als Hörer der 55 vollgepackten Minuten gefasst machen muss. Orgel-Sounds, endlose Gitarrensoli und ein nicht immer auf der Höhe spielendes Schlagzeug. Wer für Cream-Veteran Bruce zugreift, muss mit guten Kopfhörern nach hörbaren Bass-Lines suchen. Insgesamt entzieht sich das Quartett zu vielen Konventionen und hat zu viel Spaß an sich selbst. Sie scheinen nicht zu bemerken, dass das selbst betitelte Werk sich dem Hörer entzieht und weder Einstieg noch Ausgang aus der Materie bietet. Ein Großteil der Hörer, die sich an Spectrum Road versuchen, werden kein Muster hinter dem psychedelischen Jazz finden und das Album wahrscheinlich schnell auf Grund seiner Unzugänglichkeit und altbackenen Art im Schrank stehen lassen. Zumindest ist das Cover dafür hübsch genug.

Anspieltipps:

  • Where
  • One Word
  • Vashkar

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