Snoop Dogg - Bush - Cover
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Snoop Dogg Bush


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 41 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Snoop Dogg bleibt dem eingeschlagenen Funk-Kurs treu. Diesmal allerdings als Mainstream-Produktion mit der Hilfe von Pharrell Williams.

Dass Rapper Calvin Broadus alias Snoop Dogg (43) zu den coolsten Säuen im Music-Biz zählt und längst über den Status des Gangsta-Rappers hinaus ist, dürfte allseits bekannt sein. Er hat in seiner Karriere mehr als 35 Millionen Alben verkauft, wobei er sich besonders in den letzten Jahren stilistisch immer offener zeigte und seine HipHop/Rap- und G-Funk-Wurzeln aus den 90er Jahren um mehr oder weniger reinrassige Reggae- („Reincarnated“, 04/2013) und Funk-Alben („7 Days Of Funk“, 12/2013) erweiterte. Dieser künstlerischen Metamorphose folgt Snoop Dogg auch mit seinem neuen Album „Bush“, bei dem ihm kein Geringerer als Pharrell Williams als Co-Songwriter und Produzent half.

Mit „Bush“ bleibt Snoop Dogg überraschend dem Funk treu, obwohl „Reincarnated“ getrost als kommerzieller Flop bezeichnet werden kann. Doch im Verbund mit Pharrell, der in den vergangenen Jahren u.a. Produktionen für Robin Thicke, Kylie Minogue, Paloma Faith, Frank Ocean, Miley Cyrus, Madonna, Daft Punk, Jay-Z und Ed Sheeran ablieferte, ist ein zweiter Versuch wohl gerechtfertigt. Dazu konnte mit Kendrick Lamar, Gwen Stefani, Rick Ross, T.I., Stevie Wonder und Charlie Wilson eine Schar bekannter Gäste verpflichtet werden, die „Bush“ Crossover-Potenzial bescheren könnte. Zum kultigen G-Funk der 90er Jahre kehrt Snoop Dogg allerdings nicht zurück.

So soll der Funk scheinbar den neuen Inbegriff der Coolness darstellen. Dabei ist dieser keinesfalls als retro anzusehen und auch nicht so futuristisch, wie es dem Hörer verkauft werden soll. Trotzdem wird dick aufgetragen und „Bush“ dazu hochstilisiert, den (Zitat) „fehlenden Vibe in der heutigen Musik mit Songs wieder herzustellen, die einer besseren Vergangenheit und einer idealen Zukunft gewidmet sind“. Zeitlos soll hier vermutlich das Zauberwort sein. Doch wer die Messlatte so hoch legt, kann daran eigentlich nur scheitern. Denn so tiefenentspannt ein Track wie „California roll“ auch sein mag und so groovy „This city“ zurück in die 70er Jahre eilt, so schnell verpufft die Wirkung der Stücke auch wieder.

Weder Snoop Dogg noch ein Pharrell Williams sind ein Quincy Jones. Das lässt sich den meisten Tracks auf „Bush“ leider deutlich anhören. Denn auf dem Album dominiert anstelle von Seele Plastik und wenn Snoop seiner Raps bzw. seiner Phantasiesprache beraubt wird, fehlen ihm die stärksten Waffen. Und diese können auch nicht ersetzt werden, da die Gast-Features so unauffällig in die Songs eingewoben wurden, dass sie nur mit Mühe erkannt werden. So bleibt „Bush“ über weite Strecken blass und rauscht Highlight-frei wie ein ICE ohne anzuhalten durch den Wolfsburger Hauptbahnhof.

Feel-Good-Vibes hin oder her, diesmal schaffen es Snoop Dogg und Pharrell nicht, ihre eigenen Hit-Vorgänger „Beautiful” und „Drop it like it´s hot“ zu reproduzieren. Dazu klingen die Songs viel zu sehr nach Stangenware und dem klassischen Pharrell-Sound, der sich inzwischen ganz einfach verbraucht hat, so wie auch The Neptunes irgendwann immer gleich klangen. Schade. „Bush“ ist das 13. Soloalbum von Snoop Dogg. Doch die Zahl hat ihm kein Glück gebracht. Er sollte das Funk-Experiment besser beenden.

Anspieltipps:

  • This city
  • I knew that
  • I’m ya dogg
  • California roll
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