James Blunt - The Afterlove - Cover
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James Blunt The Afterlove


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

James Blunt weiß, was aktuell im Trend ist und wie seine neuen Songs klingen sollen. Zum Glück ist er dabei nicht sehr konsequent und verschreckt die „Back To Bedlam“-Fans nicht allzu sehr.

James Blunt (43) hat sich seit seinem Sensationsdebüt „Back To Bedlam“ aus dem Jahr 2005 zu einem der größten Popstars der Welt entwickelt. Dabei war von Anfang an klar, dass die Singer/Songwriter-Schublade zu klein für den 1,73 Meter, ähem, großen Briten ist. Seine Stücke vertragen stets einen guten Schuss Pop und greifen auf zahlreiche helfende Co-Songwriter und Produzenten zurück. Das bescherte dem ehemaligen Panzerfahrer der britischen Armee 40 Millionen verkaufte Singles und Alben sowie Wohnsitze in Spanien, England und der Schweiz.

Mit „The Afterlove“ legt der 43-Jährige nun den Nachfolger des wieder einmal extrem erfolgreichen „Moon Landing“-Albums aus dem Jahr 2013 vor. Die Hitsingles „Bonfire heart“, „Postcards“ und „Heart to heart“ dürften wir noch alle im Ohr haben. Tja, und da so ein immenser kommerzieller Erfolg verpflichtet, vertraute James Blunt auch für dieses Werk wieder den Künsten diverser Kollegen wie Johnny McDaid, Amy Wedge, Stephan Moccio, Zach Skelton, Ryan Tedder, Ed Sheeran (!), Martin Terefe und Steve Robson, die sich allesamt in den Dienst der Sache stellten und als Co-Songwriter und Produzenten 13 neue Tracks aus dem Ärmel schüttelten.

Diese Namen zeigen, dass James Blunt einen Plan davon hat, was aktuell im Trend ist und wie seine neuen Songs klingen soll. Dabei begibt sich James Blunt scheinbar in die Verfolgung von Teenie-Star Justin Bieber, indem er ein bisschen R&B in die Tracks einfließen lässt („Bartender“) und seine Stimme mit Auto-Tune verfremdet („Lose my number“). Der Weg dorthin war allerdings ein steiniger. Der Brite soll gut 100 Songs geschrieben haben, bevor die Tracklist für „The Afterlove“ stand. Das Ergebnis ist für Fans von „Back To Bedlam“ eine ziemliche Gradwanderung, da Blunt seine Wurzeln mehr oder weniger aufgibt und sich tatsächlich mit Trend-Anbiederungen abgibt.

Stücke wie „Lose my number“ erwartet der Hörer vielleicht von The Weeknd, aber nicht von James Blunt. Dieser lässt sich allerdings nicht lumpen und präsentiert auch auf „The Afterlove“ wieder eine breite Palette von dem, was er am besten kann, wofür er aber auch regelmäßig aufgezogen wird: Rührselige Balladen! Diese haut James Blunt ab Albummitte mit der ganz großen Kelle raus („Don’t give me those eyes“, „Make me better“, „Time of our lives“, „Heartbeat“), was für die Dramaturgie des Albums gewiss nicht förderlich ist. Schön ist allerdings, dass James Blunt sein Balladen-Onkel-Image im Stück „2005“ selbst thematisiert und seinen Kritikern den Mittelfinger zeigt.

So steht am Ende ein handwerklich perfekt produziertes Album, das trotz einiger Stil-Experimente voll auf Nummer Sicher geht und dabei wieder einigen Treibstoff für das Formatradio abwirft. Einen der besten Tracks behält sich James Blunt mit „Courntey’s song“ dabei sogar nur für die Deluxe-Ausgabe von „The Afterlove“ vor. Erstaunlich, wer so mit seinen Pfründen wuchern kann, auch wenn diese nicht mehr an „Back To Bedlam“-Zeiten heranreichen und Ausschussware wie „Over“ hervorbringen.

Anspieltipps:

  • Paradise
  • Bartender
  • Courtney’s song
  • Someone singing along
  • Don’t give me those eyes
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