Tom Odell - Monsters - Cover
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Tom Odell Monsters


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Monsters“ therapiert Tom Odell seine psychischen Probleme der vergangenen Jahre. Dadurch klingt seine Musik sperriger, aber nicht minder zugänglich.

Der Brite Tom Odell (30) begann bereits als Teenager eigene Songs zu schreiben und erhielt im Alter von gerade einmal 21 Jahren seinen ersten Plattenvertag beim Majorlabel Columbia Records. Er debütierte mit der Single „Another love“ (10/2012) als professioneller Musiker und landete damit in allen wichtigen Charts auf vordersten Plätzen. Ein neuer Star war geboren und nicht nur auf der britischen Insel freute sich das Publikum, einen Nachfolger für den Piano-Pop eines Elton John und Chris Martin (Coldplay) gefunden zu haben. Seitdem hat Tom Odell mit „Long Way Down“ (06/2013), „Wrong Crowd“ (06/2016) und „Jubilee Road“ (10/2018) drei Studioalben veröffentlicht, die sich millionenfach verkauften.

Trotzdem bestand Tom Odells Welt nicht nur aus eitel Sonnenschein, was sich nach der „Jubilee Road“-Veröffentlichung in einer immer stärker ausprägenden Angststörung äußerte. Odell litt unter Panikattacken, chronischer Unruhe und verließ kaum noch das Haus. An Musik war ebenfalls nicht mehr zu denken. Doch wie es aussieht, hat der 30-Jährige seine inneren Monster besiegt. Er nahm den Kampf gegen die eigene Psyche auf, begann eine Therapie und verarbeitete die Angstzustände in seinen Texten. Musikalisch ließ er sich dazu von elektronischen Klängen inspirieren, die er während des Corona-Lockdowns mit Synthesizern und Beats erzeugte und später mit dem Produzenten Miles James (Michael Kiwanuka, Plan B, Tom Misch, Nao) in Form goss.

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Der geneigte Hörer ahnt es vielleicht schon: „Monsters“ ist mit seiner Vorgeschichte ein alles andere als leicht zugängliches Werk, das sich mal eben so in die Discographie des Briten einordnen lässt. Zudem scheint Odells Plattenfirma – zumindest in Deutschland – nicht wirklich von dem Album überzeugt zu sein, was sich in einer erschreckend passiven Vermarktung widerspiegelt. Warum eigentlich? Etwa nur, weil Tom Odell nicht mehr der Sunnyboy aus dem Jahr 2013 ist, der fröhliche Melodien in die Welt bläst? Man weiß es nicht, aber irgendwann kommt alles raus. Bis dahin gilt es sich mit einem in der Tat besonderen Longplayer zu befassen.

Dieser teilt sich stilistisch in zwei Lager auf. Auf der einen Seite sind mehr oder weniger klassische Popsongs wie „Me and my friends“, „Streets of heaven“ oder auch „Over you yet“ vertreten, die zwar in der Mehrzahl nicht mehr Odells ursprünglichem Piano-Pop huldigen, aber immer noch auf eine unverkennbare Piano-Basis bauen und durchaus ins Ohr gehen, ohne eine explizite Radiotauglichkeit aufzuweisen. Auf der anderen Seite liefert Tom Odell eine Vielzahl düstere und immer etwas sperrig wirkende Electro-Tracks wie „Numb“, „Fighting fire with fire“, „Problems“ und „Country star“ ab, die hier und da in seine verwundete Seele blicken lassen („Noise“), aber nie so konzipiert sind, dass sie als unzugänglich bezeichnet werden können.

Fazit: Wenn ein Popstar wie Tom Odell plötzlich wie Radiohead klingt („Money“), dann muss etwas passiert sein. Wie und was, legt der 30-Jährige mit dieser Veröffentlichung offen. Jetzt muss nur noch der Hörer entscheiden, ob er mit diesem neuen Sound leben kann oder sich doch lieber etwas banalere Klänge zurückwünscht.

Anspieltipps:

  • Numb
  • Monster v.2
  • Over you yet
  • Streets of heaven
  • Tears that never dry
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