Ina Regen Interviews

  • 26.02.2021
Kurzinterview mitIna Regen
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Ina Regen - News
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Art should comfort the disturbed and disturb the comforted.

CDstarts.de: Wer war in deiner Kindheit dein Vorbild/Idol und warum?

Ich habe die Kaiserin Elisabeth verehrt. Die Sissi-Triologie war in meiner Kindheit Kult, später war das Musical „Elisabeth“ meine erste musikalische Liebe und aus heutiger Sicht halte ich sie für eine höchst spannende, emanzipierte Persönlichkeit ihrer Zeit.

CDstarts.de: Wie und wo kommen dir Ideen für neue Songs in den Sinn?

Musikalische Ideen flüstert mir fast immer das Klavier zu. Erste Textfetzen finde ich oft beim Spazierengehen oder Tagebuch-Schreiben - jedenfalls meistens, wenn ich alleine bin. Alle diese Skizzen bring ich dann mit ins Studio und dort beginnt die Detektivarbeit, welche Geschichte da erzählt werden will und welches Gefühl sie in welcher Weise zum Ausdruck bringen mag.

CDstarts.de: Sicherlich gibt es Musiker, die dich beeinflusst haben. Wir wollen natürlich wissen wer und warum?

Meine musikalischen Einflüsse sind weit verstreut. Als Jugendliche war ich – wie viele meiner Generation – sehr in die Backstreet Boys verliebt, bis der skandinavische Jazz oder Künstler*innen wie Ella Fitzgerald, P!nk oder Charlie Winston mein Herz erobert haben. Ich glaube aber auch, dass es Fragmente des Musiktheaters gibt, die sich immer wieder in meine Art, Musik zu machen, einschleichen.

CDstarts.de: Du hast die freie Auswahl: Mit welchem Musiker oder Produzenten würdest du gerne ein Album aufnehmen? Begründe deine Wahl.

Mit Billie Eilish und ihrem Bruder Finneas. Mich fasziniert und begeistert, wie diese beiden die Musik unserer Zeit revolutioniert und geprägt haben und ich wäre sehr neugierig, wie sich meine Muttersprache, der österreichische Dialekt, mit diesem Soundgewand zu etwas ganz Neuem vermischen würde.

CDstarts.de: CD, Vinyl, Tape oder digital – wie organisierst du deine (Sammel-)Leidenschaft für Musik?

Mittlerweile digital, obwohl mir meine übrigen Sinne schon recht böse dafür sind, dass sie die neuen musikalischen Kunstwerke nicht mehr riechen, angreifen und im Regal bestaunen können.

CDstarts.de: Welches („fremde“) Album aus deiner Sammlung würdest du unseren Lesern empfehlen und warum?

Ich glaube, was Billie Eilish für die amerikanisch-geprägte Musikwelt war, ist Bilderbuch für den deutschsprachigen Raum. Deshalb finde ich, dass man „Schick Schock“ unbedingt gehört haben muss – am besten ganz laut und gerne in dancing shoes.

CDstarts.de: Mal was ganz anderes: Beschreibe unseren Lesern, wie dein perfekter Urlaub aussieht. Hast du Tipps und Empfehlungen?

Die Reise, die mich am meisten geprägt hat, war meine unglamouröse und sehr abenteuerliche Rucksack-Tour durch den Norden Marokkos. Dieses Eintauchen in den Zauber von „1001 Nacht“, die andere Kultur, die vielen kleinen Märkte, die Übernachtung in einem Beduinenzelt in der Sahara oder unsere Autopanne in einem kleinen Dorf und die Hilfsbereitschaft der Menschen, mit denen wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen konnten – diese vielen kleinen Momente sind bis heute sehr kostbar für mich.

CDstarts.de: Welcher Song deines Albums „Rot“ war in der Entstehung bzw. bei den Aufnahmen der härteste Brocken und warum?

Der titelgebende Song „Rot“ war auf jeder Ebene sehr schwierig. Das Thema ist sehr komplex und heikel, weil es um die Frage nach Menschlichkeit, nach einem Miteinander geht - speziell zwischen Fronten, die gesellschaftlich immer mehr zu verhärten drohen. Die Kernaussage ist, dass wir auch im Umgang mit uns fremden Ideologien beweisen müssen, was uns selbst zu Menschen macht, nämlich gerade in der Art, wie wir mit und über diese Menschen reden. Auch in der musikalischen Umsetzung haben wir uns schließlich für eine – für meinen Sound – recht ungewöhnliche, fast schon bombastisch-große Arrangement-Idee entschieden, mit Streichern und großem Hurra, was ich spannend aber immer noch recht mutig von uns finde.

CDstarts.de: Mit Blick auf das „Rot-Album: Wie wichtig sind für dich im digitalen Zeitalter noch Dinge wie Cover-Artwork und Booklet-Gestaltung?

Ich glaube, dass die neuen Medien Künstler*innen viele zusätzliche Ausdrucks-Ebenen geben. Was früher „nur“ in Fotos, Cover, Booklet und vielleicht noch Tourplakaten ausgedrückt werden konnte, hat sich mittlerweile breiter gestreut. Heute bringen wir unsere Haltung auch in Videos, Social Media Präsenz und Look, aber auch im Engagement für gesellschaftspolitische Veränderungen zum Ausdruck. Mir persönlich ist es immer noch wichtig, in Booklets die Texte oder ein paar Dankesworte abdrucken zu können, aber mir ist bewusst, dass ich damit schön langsam zu den Dinosauriern gehöre.

CDstarts.de: Welche Rolle spielen für dich die Texte des „Rot“-Albums? Willst du „echte“ Inhalte vermitteln oder sollen die Worte nur gut zur Musik passen?

Tatsächlich empfinde ich mich manchmal mehr als Geschichtenerzählerin, denn als Sängerin. Die Musik verstärkt die Gedanken und badet sie in Gefühl, aber für mich könnte die beste Melodie niemals eine wertvolle Aussage ersetzen. Im besten Fall ergänzen sich diese beiden, das gelingt manchmal mehr und manchmal weniger. Aber im Entstehungsprozess verwende ich genau darauf die meiste Zeit und Energie, das grenzt schon fast an peinliche Akribie.

CDstarts.de: Warst du bei den Aufnahmen von „Rot“ ein penibler Kontroll-Freak, der solange alles wiederholt, bis es perfekt ist oder hast du einfach spontan den Moment einfangen wollen?

Meistens beides. Mein Produzent Florian Cojocaru legt großen Wert darauf, dass wir die Emotion und den frischen Wind, wenn ein Lied entsteht, so direkt wie möglich einfangen. Deshalb nehme ich die ersten Vocals immer auf, wenn der Song grade erst am Fertig werden ist. Oft verfeinern wir aber im Nachhinein noch den Text oder verändern noch kleine musikalische Bausteine; oder mein sängerischer Ehrgeiz flüstert mir zu, dass ich das noch besser können will. Und so entstehen weitere Aufnahmen und im Endergebnis ist es immer eine verrückte Mischung aus Erstimpuls und letztem Feinschliff.

CDstarts.de: Feuer frei! Was müssen unsere Leser unbedingt noch über dein neues Album wissen?

„Rot“ ist ein Album zum Hinhören und Mitfühlen und damit eine Einladung, sich Zeit dafür zu nehmen, dem Leben und sich selbst ehrlich zu begegnen. Als wir vor mehr als zwei Jahren mit der Arbeit begonnen haben, bin ich über ein Zitat gestolpert, das hieß „Art should comfort the disturbed and disturb the comforted.“ Ich glaube, dass wir diese Aufgabe sowohl inhaltlich als auch musikalisch sehr farbenreich und emotional gestaltet haben und dass es sich deshalb lohnt, sich diese Stunde mit sich selbst zu gönnen.

CDstarts.de: Zum Schluss möchten wir noch wissen, was du als deinen bisherigen Karrierehöhepunkt bezeichnen würdest und warum?

Das ist so eine schwierige Frage, weil es so vieles gibt, das mir extrem viel bedeutet. Das Donauinselfest, das Duett mit Conchita, Helene Fischer oder André Heller. Aber ich glaube, was mich als Künstlerin am meisten ehrt, ist die Auszeichnung zum „Album des Jahres“ – weil es eine Würdigung meiner musikalischen und inhaltlichen Leistungen über einen größeren Zeitraum und nicht nur einer Momentaufnahme ist.

Bearbeitet von für CDstarts.de
Photo-Credit: Gerd Schneider

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